#Funkspruchanalle

Vermisst: Wenn Menschen verschwinden

Jährlich werden in Österreich rund 10.000 Vermisstenanzeigen erstattet. Chefinspektor Stefan Mayer, Kriminalbeamter seit über zwanzig Jahren, erklärt im offiziellen Polizei-Podcast "Funkspruch an Alle" die Polizeiarbeit im Umgang mit Vermissten und räumt dabei mit Mythen auf.

10.000 bis 12.000 Vermisstenanzeigen werden jährlich bei der österreichischen Polizei erstattet. Im Regelfall sind die Fälle schnell gelöst. Die meisten vermisst gemeldeten Menschen kehren wieder nachhause zurück oder werden von der Polizei aufgefunden. Klassische Fälle sind Abgängigkeiten von Minderjährigen. Dabei handelt es sich nicht um Kindesentführungen, sondern oft um die Nichteinhaltung von Ausgehzeiten in Betreuungseinrichtungen. Die Betreuerinnen und Betreuer müssen in Folge Anzeige erstatten, in den meisten Fällen kehren die Minderjährigen wenige Stunden später zurück. Um eine Vermisstenanzeige zu erstatten, müssen keine 24 Stunden vergehen. "Diese 24 Stunden tauchen zwar immer wieder im Volksmund auf, entsprechen aber nicht der Realität. Falls der vermissten Person etwas zugestoßen ist, wäre es kontraproduktiv, einen Tag verstreichen zu lassen, bevor man etwas unternimmt", erklärt Stefan Mayer, Leiter des Kompetenzzentrums für abgängige Personen (KAP) im Bundeskriminalamt.

1.200 Langzeit-Vermisste in Österreich

Ist eine Person länger als vier Wochen abgängig, wird ein DNA-Profil des vermissten Menschen erstellt. Das sei so ähnlich wie im Fernsehkrimi, erzählt Mayer: "Das DNA-Material lässt sich beispielsweise aus Haaren oder der Unterwäsche gewinnen. Das daraus erstellte DNA-Profil bleibt gespeichert, bis wir die Person gefunden haben. Wenn wir eine Leiche finden, wird das DNA-Profil zum Vergleich herangezogen." Rund 1.200 Profile sind im System des KAP gespeichert. Zu einem Zuwachs von DNA-Profilen kommt es selten, weil die Aufklärungsquote bei Vermisstenanzeigen hoch ist. Pro Jahr kommen durchschnittlich fünf bis zehn Fälle hinzu. Das älteste DNA-Profil geht auf einen Fall aus dem Jahr 1964 zurück, bei dem ein Mann in Zell am See vermutlich ertrank, jedoch nie gefunden wurde. Mehr über die Möglichkeiten der Polizei bei Fahndungen nach Vermissten und wie Polizeibedienstete Angehörigen von vermissten Personen begegnen, hört man in der aktuellen Folge des offiziellen Polizei-Podcasts "Funkspruch an Alle". Den Link zur Sendung finden Sie unter "Weiterführende Links".

Links:

Chefinspektor Stefan Mayer erklärt im offiziellen Polizei-Podcast "Funkspruch an Alle" die Polizeiarbeit im Umgang mit Vermissten.
Foto: ©  BMI/ Pachauer

Artikel Nr: 22678 vom Freitag, 5. Mai 2023, 07:30 Uhr
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