Innenministerium

Karner: Maßnahmenbündel gegen Cybercrime

Innenminister Gerhard Karner hat am 21. Juni 2022 gemeinsam mit Staatssekretär Florian Tursky und dem stellvertretenden Direktor des Bundeskriminalamts, Manuel Scherscher, den Cybercrime Bericht für das Jahr 2021 vorgestellt.

Kernpunkt des Berichts: rund 46.000 angezeigte Fälle bedeuten ein Plus von 29 Prozent gegenüber 2020. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote leicht gestiegen und liegt nun bei 37 Prozent.
Häufigste Delikte seien "der Internetbetrug, die Hälfte aller Anzeigen ausmache, sowie Angriffe auf Daten und Computersysteme. Jüngstes Beispiel sei der Angriff auf das Land Kärnten gewesen, sagte Karner.

Bündel an Maßnahmen gegen Cybercrime

"Das Innenministerium hat ein Bündel an Maßnahmen gesetzt. So haben wir das Personal im Cybercrime Competence Center aufgestockt sowie die Kriminaldienstreform mit Cyber-Ermittlern auf Bezirksebene ausgearbeitet", sagte Karner. Zweitens arbeite das Innenministerium als Behörde für die Netz- und Informationssystem-Sicherheit eng mit Unternehmen, der Wirtschaftskammer, der Industriellenvereinigung und NGOs zusammen. Der dritte Bereich beträfe den Kampf gegen Deep Fakes. "Wir haben den Nationalen Aktionsplan verabschiedet, denn Fake News können jeden Einzelnen und sogar ganze Nationen treffen", so Karner. Als vierten Punkt führte Karner das Thema Eigenschutz an. "Das ist für das Innenministerium besonders wichtig, dass wir als Organisation bestmöglich auf einen Angriff vorbereitet sind, deshalb wurde erst vor kurzem die neue Geschäftseinteilung des BMI präsentiert, in dem der Bereich ‚Cybersicherheit‘ eine wichtige Rolle einnimmt."

"Durch das vermehrte Aufkommen von Daten und die zunehmende Vernetzung von Technologien nimmt auch das Risiko von Cyberangriffen zu. Noch nie war die Wahrscheinlichkeit, digital angegriffen zu werden, in der Vergangenheit so groß wie 2021. Durch das Internet der Dinge werden bis 2025 mehr als 75 Milliarden Geräte weltweit mit dem Internet verbunden sein. Daher will ich Österreich die digitale Brille aufsetzen, damit sowohl Privatpersonen als auch Unternehmerinnen und Unternehmer in Zukunft die Chancen der Digitalisierung nutzen aber auch Gefahren des Internets besser einschätzen können. Hier braucht es einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz zu Sensibilisierung. Ich sehe es als meine Aufgabe dieses Wissen in die Breite zu bekommen.", sagte Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Tursky.

Cybercrime-Bereiche

Das Bundeskriminalamt unterteilt die Gesamtsumme der Delikte in zwei Unterbereiche: Cybercrime im engeren und im weiteren Sinne. Ersteres stieg im Vergleich zum Vorjahr um 19,9 Prozent auf 15.484 angezeigte Straftaten. Die Straftaten richteten sich dabei gegen Netzwerke, Geräte, Dienste oder Daten in diesen Netzwerken (beispielsweise Datenbeschädigung, Hacking oder DDoS-Angriffe). Die häufigste Deliktform war wie auch im Vorjahr mit 12.701 angezeigten Fällen der betrügerische Datenverarbeitungsmissbrauch. Um 52,5 Prozent stieg die Zahl der Anzeigen wegen Missbrauch von Computerprogrammen und Zugangsdaten, darunter sind sämtliche Vorbereitungshandlungen für Cybercrime-Straftaten subsumiert.

Manuel Scherscher, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts, sagte: "Wir müssen als Kriminalpolizei den Kriminellen stets einen Schritt voraus sein, uns vorab auf drohende Szenarien und Phänomene einstellen und aufklären, warnen und ermitteln. Nur so können wir den Verbrechern ihre Geschäftsgrundlage entziehen und sie schließlich dingfest machen."

Unter Cybercrime im weiteren Sinne werden Straftaten verstanden, bei denen die Informations- und Kommunikationstechnik als Tatmittel zur Planung, Vorbereitung und Ausführung von herkömmlichen Kriminaldelikten eingesetzt wird, wie Betrugsdelikte, Drogenhandel im Darknet, pornografische Darstellungen Minderjähriger im Internet, Cybergrooming oder Cybermobbing. Bei den meisten angezeigten Straftaten in diesem Bereich handelt es sich um Internetbetrug. Dieser stieg um 19,5 Prozent und erreichte 2021 mit 22.440 angezeigten Fällen einen neuen Höchststand (2020: 18.780). Auf den gesamten Bereich Cybercrime gerechnet stellt der Internetbetrug nahezu die Hälfte aller Anzeigen dar.

Internet-Erpressung

Auch die sonstige Kriminalität im Internet stieg deutlich an (2021: 8.255 angezeigte Fälle, 2020: 4.221). Die Erpressung mittels Massenerpressungs-E-Mails und die Infizierung mit Ransomware haben deutlich zugenommen. Gestiegen ist auch die Zahl der gefährlichen Drohungen und beharrlichen Verfolgungen sowie jene der Internet-Suchtmitteldelikte. Der Online-Kindesmissbrauch verzeichnet 1.921 Fälle (2020: 1.702). Die Aufklärungsquote in diesem Bereich konnte um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden.

Ransomware

Ransomware etablierte sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Werkzeuge von Cyber-Kriminellen. Die Schadsoftware verschlüsselt Nutzerdaten, um für deren Wiederherstellung Lösegeld – zumeist in Form von Bitcoins – zu fordern. In den vergangenen Jahren richteten sich die Angriffe verstärkt gegen kleine und mittlere Unternehmen (KMU), wodurch das Risikopotenzial für die österreichische Unternehmenslandschaft hoch bleibt. Zudem orientiert sich der erpresste Beitrag nach der Finanzkraft des Unternehmens und um der Zahlung Nachdruck zu verleihen, wird mit der Veröffentlichung der Daten aus dem Unternehmen gedroht.

COVID-19-Pandemie

Auch im zweiten Pandemie-Jahr häuften sich aufgrund des veränderten Einkaufsverhaltens die Fälle von Internetbetrug. Fake-Mails oder -SMS, Malspam, Phishing sowie Ransomware stellen nach wie vor eine große Gefahr dar.

Ausblick

Neben dem personellen Ausbau der Cyber-Einheiten im Bundeskriminalamt umfasst ein weiterer strategischer Schwerpunkt die Verstärkung der nationalen und internationalen Zusammenarbeit von staatlichen Behörden, privaten Organisationen und Unternehmen. Um Ermittlungen in den sozialen Netzwerken zu erleichtern, hat das Cybercrime-Competence-Center (C4) im Februar 2022 eine bundesweite, zentrale Anfragestelle für Social Media und Online-Service-Provider (ZASP) eingerichtet. Derzeit ist der Konzern Meta mit Facebook und Instagram der erste Partner, künftig ist die Zusammenarbeit mit weiteren Plattformen geplant.

Der Cybercrime-Report 2021 ist auf www.bundeskriminalamt.at abrufbar.

Dokumente:

Manuel Scherscher, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts, Innenminister Gerhard Karner und Staatssekretär Florian Tursky bei der Pressekonferenz.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 19733 vom Dienstag, 21. Juni 2022, 14:31 Uhr
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