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Erweiterung und Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen
Das Gewinnerprojekt zur Erweiterung und Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen am 17. November 2025 vorgestellt.
Das Gewinnerprojekt des internationalen Realisierungswettbewerbs für Architektur und Landschaftsplanung zur Erweiterung und Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen wurde am 17. November 2025 vorgestellt. Der Beitrag des Wiener Architekturbüros "querkraft architekten" – das in Zusammenarbeit mit "Kieran Fraser Landscape Design" und dem Künstler Peter Sandbichler entstand – wurde von einer international besetzten Jury zum Gewinnerprojekt gekürt. Der Baustart ist 2027 geplant, bis 2031 soll der neue Gedenkort fertiggestellt werden.
Der Entwurf reagiert respektvoll auf das Vorhandene und setzt behutsame, präzise Akzente. Das Ankunftsgebäude ist gut auffindbar, fügt sich in die Topografie ein und setzt sich klar von den ehemaligen SS-Baracken ab. Zentrales Element ist der "Weg der Erinnerung", der sich durch die Landschaft zieht. Der "Raum der Stille" überzeugt als filigrane Skulptur, die einen fließenden Übergang zwischen Innen und Außen schafft. Auf Basis der Bahnschwellen der ehemaligen Schleppbahn entwickelte der Künstler Peter Sandbichler ein Leitmotiv, das die einzelnen Gedenkorte visuell verbindet. In St. Georgen an der Gusen wird diese Linie fortgeführt: Die Struktur des ehemaligen Bergkristallstollens wird durch ein Wegesystem nachgezeichnet und so im Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher sichtbar.
Das Konzept verbindet die Sichtbarmachung historischer Relikte mit prägnanten Interventionen. Dadurch wird Gusen zu einem eigenständigen Gedenkort, der zugleich klare Bezüge zu anderen Gedenkstätten schafft.
"Gedenkarbeit ist oft eine schwere Aufgabe, insbesondere eine große Verantwortung gegenüber den Opfern. Gedenkarbeit ist aber auch nachhaltige Zukunftsarbeit, vor allem zur Immunisierung vor rassistischer Propaganda und diktatorischen Feinden der Demokratie. Die Gedenkstätte Gusen wurde und wird in Zukunft in einem einzigartigen Beteiligungsprozess weiterentwickelt. Dadurch ist es gelungen, die Interessen der Opferverbände, aber auch der Gemeinden entsprechend zu berücksichtigen", betonte Innenminister Gerhard Karner.
"Gerade in einer Zeit der Polarisierung und dem Erstarken gesellschaftlicher Extreme, aber auch Antisemitismus, braucht es Orte des Gedenkens. Orte, die uns als Gesellschaft dazu aufrufen, zusammenzustehen und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Um diese Verantwortung niemals zu vergessen, wollen wir daher die Geschichte dieses Ortes sichtbarer machen und sie in die Sprache unserer Zeit übersetzen. Der nun vorliegende Entwurf respektiert die historischen Spuren und schafft einen Zugang, der dieses Kapitel unserer Geschichte mit der gebotenen Würde vor den Opfern in die Gegenwart trägt", sagte Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft.
"Gusen ist ein Ort, an dem wir uns unserer Geschichte mit voller Klarheit stellen müssen. Dass der Gedenkort neu gestaltet wird, ist ein deutliches Zeichen unserer Verantwortung gegenüber den Opfern und ihren Familien. Wir zeigen damit, dass wir hinschauen, benennen und nicht vergessen. Dieser Gedenkort ist Ausdruck dessen, dass wir als Land unsere Verantwortung annehmen und aus der Geschichte lernen. Er soll ein Platz der Erinnerung und der Mahnung sein – und ein sichtbares Bekenntnis zu Freiheit, Demokratie und Menschenwürde", ergänzte Landeshauptmann Thomas Stelzer.
"Mit dem vorliegenden Entwurf ist etwas zuvor kaum Vorstellbares gelungen", sagte Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, "nämlich einen Konsens zwischen den Menschen zu finden, die sich auf unterschiedlichste Weisen mit dem ehemaligen Konzentrationslager Gusen auseinandersetzen. Mit der Umsetzung der Pläne wird dieser nun weithin sichtbar und die KZ-Gedenkstätte Gusen zu einem zukunftsfähigen Ort der gemeinsamen Erinnerung und Reflexion."
Informationen zum ehemaligen Konzentrationslager Gusen
Das KZ Gusen wurde 1939 als Zweitlager des KZ Mauthausen gegründet und Anfang 1944 um das Barackenlager Gusen II erweitert. Über weite Strecken der Jahre 1944 und 1945 waren in den beiden Gusener Lagern mehr Personen als im Hauptlager Mauthausen interniert. Insgesamt wurden etwa 72.000 Menschen aus ganz Europa hierher deportiert, mindestens 35.000 überlebten nicht. Die größten nationalen Gruppen kamen aus Polen und der Sowjetunion.
Am 5. Mai 1945 befreite die US-Armee das Lager. Anfang der 1960er Jahre erwarben internationale Häftlingsverbände das Grundstück um den erhaltenen Krematoriumsofen und ließen dort das Memorial Gusen errichten. 2003 wurde ein Besucherinnen- und Besucherzentrum eröffnet.