Ausgabe 2/2026
Jagd und Waffenrecht in Österreich. Eine kritische Betrachtung des (novellierten) Waffengesetzes
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Johanna Maria Pertl, Lisa Schmollmüller
In Österreich ist der Zugang zu Schusswaffen nicht ausschließlich Organen des öffentlichen Sicherheitsdienstes, Angehörigen der Justizwache oder Militärangehörigen vorbehalten. Auch „einfache Bürgerinnen und Bürger“ haben das Recht, diese Waffen etwa für Selbstverteidigung, Jagd oder Sport zu erwerben, zu besitzen und zu verwenden. Gerade dieser grundsätzlich eröffnete Zugang macht es erforderlich, den Waffenbesitz im Interesse der öffentlichen Sicherheit gesetzlich zu regulieren: Das Waffengesetz verfolgt daher das Ziel, sicherzustellen, dass nur Personen Zugang zu Schusswaffen erhalten, von denen ein sorgfältiger Umgang mit Waffen und Munition erwartet wird. Der Amoklauf an einer Grazer Schule im Juni 2025 hat jedoch erneut deutlich gemacht, dass das Waffenrecht dieses Ziel nicht in jedem Fall zu gewährleisten vermag. Schusswaffen können in die „falschen“ Hände geraten. Vor diesem Hintergrund wurde das Waffengesetz novelliert und insbesondere der Erwerb, der Besitz sowie das Führen von Schusswaffen (mehr oder weniger streng) neu reglementiert. Trotz der zahlreichen Nachschärfungen im Allgemeinen gewährt das Waffenrecht der Personengruppe der Jägerschaft beinahe unverändert eine Vielzahl von Erleichterungen in Bezug auf Schusswaffen. Dieser Beitrag stellt diese Sonderbestimmungen systematisch dar und analysiert die daraus resultierende privilegierte Stellung der Jägerinnen und Jäger. Angesichts wiederholter Vorkommnisse in der Vergangenheit, die Jägerinnen und Jäger als Täterinnen und Täter eines Verbrechens in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt haben, stellt sich die Frage, inwieweit die bestehenden Privilegien sachlich gerechtfertigt und verhältnismäßig sind.
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Modus Operandi – Einbruchsdiebstahl in Österreich. Tatgelegenheitsstrukturen und die soziale Bedingtheit rationaler Entscheidungen
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Günter Stummvoll, Patricia Rosenauer
Einbruchsdiebstähle zählen zu jenen Delikten, die nicht nur erheblichen materiellen Schaden verursachen, sondern auch tief in das Sicherheitsgefühl der Betroffenen eingreifen. Daher ist es wichtig, den Mechanismen und Hintergründen solcher Taten nachzugehen und gezielt zu untersuchen, welche Faktoren Täterinnen und Täter abschrecken oder eine Straftat begünstigen: Wie wählen Täterinnen und Täter ihre Ziele aus? Was macht ein Objekt – ob Wohnung, Haus oder Keller – für einen Einbruchsdiebstahl attraktiv? Und welche Faktoren schrecken potenzielle Einbrecherinnen und Einbrecher ab? Um die Frage nach Tatgelegenheitsstrukturen fundiert zu beantworten, haben das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und das Institut für Konfliktforschung (IKF) ein gemeinsames Forschungsprojekt initiiert. Ziel war es, das Verhalten von Einbrecherinnen und Einbrechern systematisch zu analysieren, um daraus zielgerichtete Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können. Grundlage der Untersuchung bildeten qualitative Interviews mit inhaftierten Täterinnen und Tätern, die wegen Einbruchsdiebstahls nach § 129 Strafgesetzbuch (StGB) verurteilt wurden. Ergänzend wurden Gerichtsakten analysiert und Gespräche mit Expertinnen und Experten der kriminalpolizeilichen Ermittlungs- und Präventionsarbeit geführt. Die Kombination aus Täterinnen- und Täterperspektive und professioneller Einschätzung erlaubt einen tiefen Einblick in den Modus Operandi bei Einbruchsdiebstählen. Das Interesse galt den situativen Interpretationsvorgängen vor und während der Tat sowie der Motivlage aufgrund akuter Lebensverhältnisse von Täterinnen und Tätern.
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Misogynie als ideologisches Fundament männlicher Gewalt. Die Verbindung zwischen häuslicher und extremistischer Gewalt gegen Frauen
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Julia Dubovszky
Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen stellt ein globales gesellschaftliches Problem dar, das sowohl im privaten als auch im politischen Kontext auftritt. Während häusliche Gewalt traditionell als individuelles oder familiäres Problem verstanden wird, rückt in der aktuellen Extremismusforschung zunehmend die Frage in den Fokus, inwiefern misogyn geprägte Ideologien auch extremistischer Gewalt zugrunde liegen können. Der vorliegende Beitrag untersucht die ideologischen Überschneidungen zwischen häuslicher und extremistischer Gewalt gegen Frauen und analysiert Misogynie als mögliches verbindendes Element beider Gewaltformen. Auf Grundlage zentraler theoretischer Ansätze zu Misogynie, hegemonialer Männlichkeit und patriarchalen Machtstrukturen sowie aktueller empirischer Studien wird gezeigt, dass frauenfeindliche Einstellungen sowohl im Kontext extremistischer Ideologien als auch im sozialen Nahraum als Legitimationsgrundlage für Gewalt fungieren können. Beispiele aus rechtsextremen Ideologien, der Incel-Bewegung und digitalen antifeministischen Subkulturen verdeutlichen, wie misogyn geprägte Narrative Radikalisierungsprozesse fördern und Gewalt gegen Frauen rechtfertigen können. Gleichzeitig zeigen kriminologische Studien, dass ähnliche psychosoziale Mechanismen und Geschlechternormen auch häuslicher Gewalt zugrunde liegen. Der Beitrag argumentiert daher, dass Misogynie nicht lediglich als individuelles Vorurteil, sondern als strukturelles und ideologisches Muster verstanden werden sollte, das private und politisch motivierte Gewalt gegen Frauen miteinander verbindet und somit auch für Prävention und Risikobewertung von Bedeutung ist.
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Häusliche Gewalt in Sachsen: Befunde und Handlungsbedarfe. Analyse polizeilicher Fallzahlen und einer sächsischen Dunkelfeldstudie zur Viktimisierung von Frauen
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Jens Goebel, Martin Otto
Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen stellt ein gravierendes gesellschaftliches Problem dar. Der Beitrag untersucht Ausmaß, Erscheinungsformen und die Entwicklung häuslicher und partnerschaftlicher Gewalt in Sachsen auf Basis der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sowie einer (sächsischen) Studie zur Viktimisierung von Frauen (kurz VisSA). Ziel ist es, Unterschiede zwischen behördlichen registrierten Fallzahlen und tatsächlich erlebter Gewalt sichtbar zu machen und daraus zentrale Handlungsbedarfe abzuleiten. Der Gewaltbegriff bezieht sich in diesem Beitrag auf häusliche und partnerschaftliche Gewalt und umfasst insbesondere körperliche sowie sexualisierte Übergriffe gegen Frauen. Die PKS für Sachsen weist im Untersuchungszeitraum von 2019 bis 2024 einen deutlichen Anstieg der registrierten Gewaltdelikte im privaten Umfeld um 28 % aus. Frauen sind dabei überproportional häufig von Gewalt betroffen, während Tatverdächtige überwiegend männlich sind. Zugleich zeigen die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie, dass ein erheblicher Teil dieser Gewaltdelikte nicht angezeigt wird, die Anzeigenquote beträgt lediglich 13 %. Für den Befragungszeitraum vom 16.05. bis zum 01.10.2022 werden zudem strukturelle Herausforderungen sichtbar, darunter regionale Versorgungsunterschiede sowie begrenzte Kapazitäten von Schutz- und Beratungsangeboten. Der Artikel unterstreicht den Bedarf an niedrigschwelligen Hilfen, einer verbesserten Vernetzung der beteiligten Akteurinnen und Akteure sowie einer stärkeren Berücksichtigung vulnerabler Gruppen. Prävention und Opferschutz werden dabei als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden.
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Migrationspolitische Entwicklungen in Österreich und der EU. Ein Überblick der 2020er Jahre
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Leila Hadj Abdou, Anna Ammann, Aurelia Streit
Dieser Beitrag liefert einen Überblick über die zentralen politischen Entwicklungen der letzten fünf Jahre in den Bereichen (1) Asyl und vorübergehender Schutz, (2) irreguläre Migration und Rückkehr sowie (3) Migration zu Erwerbszwecken in Österreich und der EU. Die beschriebenen Entwicklungen beruhen auf den Produkten des Nationalen Kontaktpunkts Österreich im Europäischen Migrationsnetzwerk (EMN), insbesondere den rezenten jährlichen Asyl- und Migrationsüberblicken. Das EMN ist ein europaweites Netzwerk von Expertinnen und Experten für Migration und Asyl. Es liefert aktuelle, objektive, verlässliche und vergleichbare Informationen zu neuen Entwicklungen im Bereich Migration und Asyl in Europa. Die Generaldirektion Migration und Inneres der Europäischen Kommission koordiniert das EMN. Das Landesbüro für Österreich der Internationalen Organisation für Migration (IOM) agiert in enger Kooperation mit dem österreichischen Bundesministerium für Inneres (BMI) als Nationaler Kontaktpunkt Österreich im EMN.
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Die Spur des digitalen Krypto-Geldes. Herausforderungen und Lösungsansätze für die Strafverfolgung
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Bernhard Haslhofer
Kryptowährungen wie Bitcoin sind zum bevorzugten Zahlungsmittel für Cybercrime-Aktivitäten geworden, etwa für Ransomware-Angriffe, Investmentbetrug oder den Handel mit Missbrauchsdarstellungen. Täterinnen und Täter nutzen die vermeintliche Anonymität digitaler Währungen, um Zahlungsströme zu verschleiern. Um diese Ströme nachzuverfolgen, hat sich das Follow-the-Money-Prinzip als zentrale Ermittlungsmethode etabliert. Forensische Werkzeuge sind bereits im Einsatz, doch es bestehen Weiterentwicklungspotenziale in vier Bereichen: einfache Werkzeuge für eine breitere Ermittlerbasis, frühzeitige Erkennung von Fallzusammenhängen zur Vermeidung von Doppelermittlungen, wissenschaftliche Validierung gängiger Analysemethoden für die gerichtliche Verwertbarkeit sowie datengetriebene Ansätze als Antwort auf die zunehmende Automatisierung auf Täterseite. Dieser Beitrag zeigt anhand unserer Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit bayerischen Strafverfolgungsbehörden diese Handlungsfelder auf, skizziert konkrete Lösungsansätze und diskutiert deren Grenzen.
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Zwischen Sicherheit und Abwechslung – Berufswahlmotive bei der Polizei
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Gina Rosa Wollinger, Alina Engelen, Timo Berse, Juliane Wigh, Henning Staar, Judith Heße-Husain
Sich für den Polizeiberuf zu entscheiden, ist durch eine vielschichtige Motivstruktur geprägt. Bisherige Studien zeigen, dass diese traditionelle Sicherheitsaspekte wie Arbeitsplatzsicherheit und Altersversorgung mit zunehmend bedeutsamen intrinsischen Motiven verbindet (vgl. Foley et al. 2008; Hessisches Ministerium des Inneren und für Sport 2023; Lohbeck 2021). Dazu gehört insbesondere das Erleben von Sinnhaftigkeit, Teamarbeit und der Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Die vorliegende Untersuchung erhebt Berufswahlmotive von Polizeikommissaranwärterinnen und -anwärtern in Nordrhein-Westfalen (NRW) anhand einer quantitativen Befragung (N=948). Dabei werden zum einen soziodemografische Unterschiede in den Berufswahlmotiven dargestellt. Zum anderen wird geprüft, inwiefern unterschiedliche Beweggründe zur Wahl des Berufs mit dem eigenen Studienerfolg in Zusammenhang stehen. Im Ergebnis zeigt sich, dass soziodemografische Merkmale wie Geschlecht und Migrationshintergrund die Motivlage beeinflussen, während Alter und familiäre Nähe zur Polizei kaum einen Unterschied ausmachen. Ferner korrelieren intrinsische Motive besonders mit höherer Studienzufriedenheit und geringerer Abbruchsintention bei Polizeistudierenden.
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Letzte Aktualisierung: 6. Juli 2026