Sicherheitsakademie
Sicherheitsakademie und DERLA: Neue Wege der historischen Sensibilisierung
Unter dem Motto "Geschichte begreifen, Verantwortung stärken" nützt das Bundesministerium für Inneres die Dokumentations- und Vermittlungsplattform DERLA, um die Geschichte von Orten und Zeichen im Hinblick auf die NS-Zeit regional verfügbar zu halten.
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Erinnerungskultur ist eine wesentliche gesellschaftliche Aufgabe. Das Bundesministerium für Inneres (BMI) leistet dazu auf verschiedenen Ebenen wichtige Beiträge. Mit der Implementierung der "Digitalen Erinnerungslandschaft Österreich (DERLA)" in die Aus- und Fortbildungsangebote der Sicherheitsakademie steht nun ein modernes Dokumentations- und Vermittlungsprojekt zur Verfügung. Die Plattform macht Erinnerungen an die NS-Zeit und die Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus digital sichtbar.
"Damit soll für alle Exekutivbediensteten ein Angebot, möglichst kompakt und einfach über sensible historische Stätten im eigenen Rayon Informationen zu finden, verfügbar gemacht werden", fasste Gruppenleiterin Eva Gollubits die Zielsetzung der neuen Angebote zusammen.
DERLA im BMI
Die Einführung von DERLA im BMI geht auf die Empfehlungen der Expertinnen- und Expertenkommission zur Aufarbeitung der Peršmanhof-Amtshandlung im Sommer 2025 zurück. Anfang 2026 wurde die schrittweise Implementierung von DERLA beschlossen, um die Sensibilisierung im Polizeidienst zu stärken.
Die Umsetzung erfolgte durch die Sicherheitsakademie (Zentrum für Fortbildung) in Kooperation mit der Bundespolizeidirektion – Abteilung 2 sowie in enger Zusammenarbeit mit der Universität Graz und ERINNERN:AT. Unter der fachlichen Anleitung von Gerald Lamprecht, Leiter des Centrums für Jüdische Studien an der Universität Graz, fanden am 17. und 24. September 2026 zwei Schulungen statt. Dabei lernten die Teilnehmenden die Funktionen der Webanwendung kennen und erfuhren, wie DERLA in unterschiedlichen Bereichen der polizeilichen Arbeit eingesetzt werden kann.
An diesen ersten Schulungen nahmen mehr als 200 Bedienstete der Zentralstelle des BMI und der Landespolizeidirektionen teil. Die erworbenen Kenntnisse sollen nun in die jeweiligen Organisationseinheiten und Bildungszentren weitergetragen und nachhaltig im täglichen Dienstbetrieb verankert werden. Für die kommenden Jahre sind weitere Formate zur Integration der Nutzungsmöglichkeiten des Tools in den Dienstbetrieb geplant.
Geschichte als Teil professioneller Polizeiarbeit
Ziel der Nutzung von DERLA im Bundesministerium für Inneres ist, historische Zusammenhänge im eigenen Wirkungsbereich sichtbar zu machen, Handlungsspielräume zu reflektieren und das Bewusstsein für die eigene Verantwortung zu schärfen.
Durch die Einbindung in den Schulungs- und Dienstbetrieb soll das erworbene Wissen langfristig in den Organisationseinheiten und Bildungszentren verankert werden. Gleichzeitig wird die Sensibilität der Bediensteten für historische Stätten im eigenen Rayon gestärkt, um diese insbesondere bei Einsätzen gezielt berücksichtigen zu können.
Was ist DERLA?
Gedächtnisorte, Mahnmäler und Gedenktafeln sind sichtbare Zeichen von Geschichtsbewusstsein im Alltag. Sie spiegeln unser kollektives Gedächtnis wider und veranschaulichen die Veränderungen im gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Zeit seit 1945.
Angesichts des Endes der Zeitzeugenschaft und im Zuge der digitalen Transformation begegnet DERLA diesen Herausforderungen mit modernen medien-, kulturpädagogischen und geschichtsdidaktischen Vermittlungsansätzen. Im Zentrum steht dabei das historische Lernen vor Ort mit der lokalen und regionalen Geschichte.
"DERLA, die digitale Erinnerungslandschaft Österreichs, veranschaulicht eindrücklich, dass die Geschichte des Nationalsozialismus uns alle betrifft, die wir in Österreich leben", betonte Gerald Lamprecht.
Das Portal kartiert und dokumentiert flächendeckend Orte der Erinnerung an die Opfer sowie Orte des NS-Terrors: sowohl manifeste Zeichen wie Denkmäler und Stolpersteine als auch historisch bedeutsame, nicht-manifeste Orte. Darüber hinaus stellt DERLA digitale Vermittlungsangebote und Biografien bereit, die gezielt für Schulungen, Bildungseinrichtungen und zur eigenständigen Recherche genutzt werden können.