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Polizeiarzt-Nachwuchs: Pressekonferenz mit der Ärztekammer
Die Arbeit als Polizeiarzt ist vielseitig und spannend – in einer Pressekonferenz am 15. Oktober 2026 machten zwei Chefärztinnen des Innenministeriums darauf aufmerksam, dass in diesem Bereich Nachwuchs gesucht wird – sowohl Allgemeinmediziner als auch Fachärzte – und stellten den Beruf vor.
Derzeit seien in Wien 172 Polizeiärztinnen und Polizeiärzte beschäftigt, durch eine bevorstehende Pensionierungswelle drohe jedoch ein Personalmangel, wie die Chefärztinnen Patricia Fous-Zeiner und Yasmin Frank-Dastmaltschi im Rahmen einer Pressekonferenz am 15. Oktober 2026 gemeinsam mit der Ärztekammer betonten.
Hervorgehoben wurde die abwechslungsreiche Arbeit als Polizeiärztin bzw. Polizeiarzt. "Es ist kein Routinejob, und genau das macht diesen Job so außergewöhnlich. Mir persönlich gefällt besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen. Der Job verlangt einerseits Teamarbeit, bringt aber auch die Herausforderung mit sich, selbstständig tätig zu werden und in Stresssituationen rasch zu entscheiden. Dafür braucht es Mut zur Entscheidung, auch unter Zeitdruck. In der Landespolizeidirektion Wien sind derzeit 28 Ärztinnen und Ärzte tätig. Seit einer Reform vor einigen Jahren melden sich für den Dienst als Polizeiarzt nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch viele Fachärztinnen und Fachärzte", sagte Patricia Fous-Zeiner, Chefärztin der Landespolizeidirektion (LPD) Wien.
Ausbildung als Polizeiarzt: Voraussetzungen und Aufgaben
Yasmin Frank-Dastmaltschi, Chefärztin im Innenministerium, ergänzte: "Polizeiärztinnen und Polizeiärzte sind besonders geschulte Kolleginnen und Kollegen aus allen möglichen Fachrichtungen. Wer bei uns anfängt, absolviert einen eigens konzipierten Lehrgang, um für den Dienst fit zu sein."
Auf dem Lehrplan stehen unter anderem rechtliche Vorträge, Verkehrsrecht und Verkehrsmedizin, Forensik, Psychiatrie, Medizinrecht und Kriminalistik. Eine exekutivdienstliche Ausbildung ist nicht erforderlich. Voraussetzungen für die Ausbildung als Polizeiärztin oder Polizeiarzt sind eine abgeschlossene Ausbildung als Allgemeinmedizinerin oder Allgemeinmediziner und/oder als Fachärztin oder Facharzt, die österreichische Staatsbürgerschaft, die volle Handlungsfähigkeit, eine polizeiamtsärztlich festgestellte gesundheitliche Eignung und die Lenkberechtigung für die Klasse B.
Vielfältiger und abwechslungsreicher Aufgabenbereich
Das Aufgabenfeld von Polizeiärztinnen und Polizeiärzten betrifft unter anderem die Beurteilung von Körpereinschränkungen, Untersuchungen nach dem Unterbringungsgesetz, Tatortarbeit im Zusammenwirken mit der Kriminalpolizei und den rechtskundigen Organen, die Betreuung von Häftlingen im Polizeiarrest sowie die Beurteilung, ob jemand haftfähig oder zurechnungsfähig ist. Amtsärztinnen und Amtsärzte werden zudem im Straßenverkehr zugezogen, um festzustellen, ob jemand etwa durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigt ist. "Ich kann es jedem empfehlen: Es ist ein ganz spannendes Gebiet, in dem man zusätzlich gute Aufstiegschancen hat", betonte die LPD-Chefärztin.
In den Landespolizeidirektionen sind die Polizeiamtsärztinnen und -ärzte auch Sachverständige nach der Führerscheingesetzgesundheitsverordnung und entscheiden über die medizinische Eignung zum Lenken, ob Auflagen erteilt werden müssen oder Kontrollen im Befristungszeitraum notwendig sind. Einsatztaktik, Einsatzlogistik und Parteienverkehr gehören ebenso zu ihrem Alltag.
Polizeiärztinnen und -ärzte arbeiten an der Schnittstelle von Medizin, Recht und Polizeiarbeit. "Es muss nicht nur medizinische Kompetenz vorhanden sein, um diesen Job zu machen", sagte Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, bei dem Pressetermin. Es brauche auch eine hohe Belastbarkeit und Entscheidungsfähigkeit, betonte er. Für ihn ist ein baldiger Personalmangel absehbar, denn "wir stehen davor, dass bald 18.000 Ärztinnen und Ärzte in Pension gehen" – das treffe natürlich auch die Polizeiärztinnen und -ärzte.
"Vor vier Jahren haben wir die Gehälter angepasst und auch Teilzeitstellen eingerichtet, damit sich Beruf und Familie besser vereinbaren lassen. Wir haben zunehmend Zulauf von Frauen. Unser Beruf ist sehr abwechslungsreich und spannend und eine gute Alternative zum Spital", betonte Yasmin Frank-Dastmaltschi.