Kriegsgräber
Deutsch-österreichische Zusammenarbeit bei der Pflege von Kriegs- und Opfergräbern
Am 6. August 2026 wurde auf Einladung des Bundesministeriums für Inneres und unter Teilnahme des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Österreich, Vito Cecere, ein von der deutschen Bundeswehr durchgeführter Pflegeeinsatz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. mit einer Kranzniederlegung feierlich abgeschlossen.
Die Gedenkveranstaltung fand auf der Kriegsgräberanlage Gruppe 97 am Wiener Zentralfriedhof statt, die im vergangenen Jahr vom Volksbund an die Republik Österreich zurückgegeben wurde. Darüber hinaus wurde im Rahmen der Veranstaltung auch zweier Opfer der NS-Militärjustiz gedacht, deren kürzlich aufgefundene sterbliche Überreste am Vortag im kleinen Kreis auf der Anlage bestattet wurden.
Nach einer Begrüßung durch Stephan Mlczoch, den für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständigen Abteilungsleiter im Innenministerium, hielt Oberstabsfeldwebel Rolf Lewerenz seitens der Reservistenkameradschaft Wingst (Landkreis Cuxhaven, Deutschland) die Gedenkansprache. Unter seiner Kommandoführung wurden im Rahmen eines 14-tägigen Pflegeeinsatzes insbesondere Sanierungsarbeiten an der Grabinfrastruktur durchgeführt und die Lesbarkeit etlicher Grabinschriften verbessert.
Erstmals mit dabei waren auch acht Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren aus dem Landkreis Cuxhaven, die den Einsatz im Rahmen eines Pilotprojekts eine Woche unterstützten. Die Jugendlichen leisteten einen aktiven Beitrag auf der Kriegsgräberanlage und erhielten dabei Einblick in die Geschichte.
Das Bundesministerium für Inneres unterstützte die Aktivitäten inhaltlich sowie organisatorisch und lud zu einem internationalen Austausch in die historischen Räumlichkeiten des Innenministeriums sowie zu einer Führung durch den Zentralfriedhof und das Bestattungsmuseum ein.
Bestattung von NS-Opfern nach Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der österreichischen Zeitgeschichte
Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung durch das Innenministerium, die Deutsche Botschaft, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und das Österreichische Schwarze Kreuz erfolgte im zweiten Teil der Veranstaltung die symbolische Beisetzung von zwei Urnen in Erinnerung an die am Vortag im kleinen Kreis durchgeführte Beisetzung von sterblichen Überresten zweier Opfer der NS-Militärjustiz. Die Präparate, die im Nationalsozialismus zu angeblichen Forschungszwecken angefertigt wurden, sind im Vorjahr in der pathologisch-anatomischen Sammlung des Naturhistorischen Museums entdeckt worden. Bereits im Vorjahr konnten durch die zuständige Abteilung für historische Angelegenheiten im Innenministerium die Beisetzungen menschlicher Präparate von Opfern der Kindereuthanasie auf der Gruppe 40 in die Grabstätte der "Spiegelgrundopfer" durchgeführt werden. Der Gedenkakt am 1. Dezember 2025 fand in Anwesenheit von Innenminister Gerhard Karner und Vizekanzler Andreas Babler statt.
Die Biografien der beiden hingerichteten Soldaten wurden von der Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums Wien, Katrin Vohland, und der Leiterin des Archivs des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes, Ursula Schwarz, verlesen. Ein vorgetragener Brief der Enkeltochter eines der Opfer, die symbolische Beisetzung von Urnen, die Verlesung des Totengedenkens des deutschen Bundespräsidenten durch den deutschen Botschafter und die von der Polizeimusik Wien gespielten Hymnen rundeten die Gedenkveranstaltung würdig ab. Anschließend konnten die zahlreichen Festgäste, darunter auch Repräsentantinnen und Repräsentanten der Friedhöfe Wien GmbH und des Österreichischen Schwarzen Kreuzes, als individuelles Zeichen des Gedenkens Rosen an den Grabstätten niederlegen.
Kriegs- und Opfergräberfürsorge auf der Gruppe 97
Die Gruppe 97 wurde im Jänner 2025 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. in die Verantwortung der Republik Österreich übergeben. Auf Basis einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Volksbund und dem Bundesministerium für Inneres findet eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit statt.
Die Gräber fallen unter den Schutz der Kriegsgräberfürsorgegesetze von 1948 und sind somit dauerhaft und würdig zu erhalten. Diese historische Verantwortung wird vom Bundesministerium für Inneres (Abteilung für historische Angelegenheiten) in mittelbarer Bundesverwaltung durch die Friedhöfe Wien GmbH wahrgenommen.
Kriegsgräberanlagen wie die Gruppe 97 dokumentieren die grausamen Folgen eines Vernichtungskrieges und dienen den Hinterbliebenen auch mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Ort der persönlichen Trauer. Sie sind sowohl Mahn- und Gedenkorte als auch authentische historische Lernorte, die im Rahmen von Bildungsprojekten insbesondere auch junge Menschen dazu anregen können, sich mit der Geschichte näher auseinanderzusetzen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Österreich als Partnerland beim diesjährigen Volkstrauertag
Insgesamt stellt das zukunftsweisende Pilotprojekt einen wichtigen Beitrag zur Jugendbildung dar. Es verbindet in idealer Weise praktische Arbeit auf den Gräbern mit Demokratiebildung und Friedensarbeit. Darüber hinaus unterstreicht es die Rolle Österreichs als Partnerland der diesjährigen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag am 15. November 2026, an der der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit einem Redebeitrag teilnehmen wird.