Polizeimuseum Wien

"Objekt des Monats" Oktober: Berittene Polizisten

Vor 400 Jahren wurden erstmals Pferde bei einer Wiener Polizeieinheit eingesetzt. Im Polizeimuseum Wien erinnern Gegenstände, Dokumente und Bilder an die Geschichte der berittenen Sicherheitswacheabteilung.

Eine Ecke des Polizeimuseums in der Marokkanerkaserne in Wien widmet sich der berittenen Abteilung der Wiener Sicherheitswache in der Monarchie und Zwischenkriegszeit. Zu sehen sind ein Sattel und Satteltaschen, eine Figurine eines uniformierten Reiterpolizisten, Schilder, Abzeichen, Dokumente und Bilder. Ein Teil der Sammlung stammt aus dem Nachlass von Oberst Ludwig Wöhrnschimml. Er war leitender Polizist der berittenen Sicherheitswacheabteilung im frühen 20. Jahrhundert.

1618 wurden bei der Wiener Stadtguardia erstmals Pferde eingesetzt, allerdings nicht sehr lange. Im August 1801 wurde in Wien die k. k. Militärpolizeiwache zu Pferd aufgestellt. Es gab tägliche Patrouillenritte zum Schloss Schönbrunn, nach Simmering, Nussdorf und in den Prater. In der Nacht überwachten die Berittenen das Glacis vor der Stadtmauer. Ständige Posten gab es auf dem Getreidemarkt, auf der steinernen Brücke und in der Taborstraße.
Bald nach der Gründung der Wiener Sicherheitswache wurde im Oktober 1869 auch eine berittene Abteilung mit vorerst 28 Reitern eingerichtet. Während der Weltausstellung 1873 in Wien bestand die Einheit aus 132 Reitern. Ende 1913 gab es mit 318 Polizeipferden den Höchststand in der Monarchie.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 blieben 274, zum Großteil alte Pferde übrig. Dazu kamen einige Militärpferde. Mit einem Teil der Pferde wurde auch bei der 1918 errichteten Stadtschutzwache eine berittene Einheit aufgebaut. Im Mai 1921 standen 237 Pferde zur Verfügung. Es gab auch einen Notmarodenstall mit einem Operationsraum. Der Hufbeschlag erfolgte in zwei abteilungseigenen Schmieden. 1938, kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme, bestand die Abteilung aus 308 Polizeireitern.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Polizeireiterstaffel schrittweise abgebaut. Gegen Kriegsende wurden die restlichen Polizeipferde aus Wien evakuiert. Nach der Wiedererrichtung der Republik 1945 war es aus finanziellen Gründen nicht möglich, die berittene Sicherheitswacheabteilung wieder aufzustellen. Die wenigen verbliebenen Polizeipferde waren für den Polizeidienst nicht mehr brauchbar und wurden verkauft. Ein Erlass des Bundesministeriums für Inneres beendete 1950 die Polizeireiterei in Österreich. Damals gab es bei der Polizeidirektion Graz noch einen Stallposten mit über 30 Sicherheitswachebeamten und 34 Pferden.

68 Jahre später, im Juni 2018, begann die Aufbauarbeit einer neuen Polizeireiterstaffel des Bundesministeriums für Inneres. Ab dem Frühjahr 2019 soll die berittene Einheit offiziell eingesetzt werden.

Das Polizeimuseum Wien in der Marokkanerkaserne im dritten Bezirk wird von der Abteilung I/8 (Protokoll und Veranstaltungsmanagement) des BMI betreut. Zu den Aufgaben der Abteilung gehören unter anderem die Bereiche Polizeigeschichte und Traditionspflege.

Text: Werner Sabitzer

Berittene Sicherheitswacheabteilung in den 1920er-Jahren.
Foto: ©  Polizeiarchiv Wien
Training der Polizeireiter in der Zwischenkriegszeit.
Foto: ©  Polizeiarchiv Wien
Pferdestall der berittenen Sicherheitswacheabteilung.
Foto: ©  Polizeiarchiv Wien
Abteilungseigene Hufschmiede.
Foto: ©  Polizeiarchiv Wien
Exponate der berittenen Sicherheitswacheabteilung in Wien.
Foto: ©  BMI/Werner Sabitzer

Artikel Nr: 16306 vom Dienstag, 9. Oktober 2018, 09:29 Uhr
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