Sicherheit baut auf ein starkes Fundament
Das Bundesministerium für Inneres (BMI) hat seinen Sitz an einem geschichtsträchtigen Ort, der über die Jahrhunderte viele Veränderungen erlebt hat.
Während das historische Palais Modena in der Herrengasse 7 bereits seit seiner Gründung im Jahr 1848 – mit Unterbrechungen – das BMI beherbergt, wurde der Gebäudeteil am Minoritenplatz, entlang der Bruno-Kreisky-Gasse und der Schauflergasse, erst später hinzugefügt.
Seit seiner Gründung wurde das BMI von zahlreichen Innenministerinnen und Innenministern geleitet, die die Sicherheit und Verwaltung Österreichs maßgeblich geprägt haben. Eine Übersicht der bisherigen Amtsträgerinnen und Amtsträger seit 1945 ist hier zu finden.
Ein Ort mit Geschichte
Die heutigen Gebäude des Innenressorts stehen auf historischem Boden, der über die Jahrhunderte hinweg vielfältig genutzt wurde. Im 16. Jahrhundert befand sich hier das kaiserliche Hofspital, eine Stiftung des Spaniers Diego de Serrava, der das Haus um 1543 für bedürftige Männer und Frauen unter dem Namen „Das Spital zur Barmherzigkeit“ errichtete. Unter König Ferdinand I. wurde das Spital ab 1547 erweitert und in die landesfürstliche Verwaltung überführt. Es trug im Laufe der Zeit mehrere Namen – von „Hauerspital“ bis zum „Kaiserspital“ – und diente als Unterkunft für Arme, Hofbedienstete und Waisenkinder. Die zugehörige Katharinenkapelle, ursprünglich Teil des Minoritenklosters, wurde 1554 dem Spital zugewiesen. Nach der Verlegung des Spitals 1758 auf den Rennweg blieb das Gelände zunächst unbebaut. Teile der alten Bauten wurden abgerissen, und die verbliebenen Gebäude wurden für verschiedene Zwecke genutzt – unter anderem als Archiv und als Gardequartier der kaiserlichen Truppen. [1] [2] [3]
Ein bedeutender Einschnitt kam im 20. Jahrhundert: 1937/38 begann der Bau des sogenannten "Fronthauses der Vaterländischen Front", eines Verwaltungsgebäudes für das autoritäre Regime unter Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg. Die Architektur war an das Bundeskanzleramt und die Hofburg angelehnt. Das Gebäude blieb jedoch unvollendet.[1] [4] Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde der Rohbau zunächst für die Verwaltung des Reichsnährstands (Ständische Organisation der Agrarwirtschaft und -politik im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945) umgeplant, doch der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte die Fertigstellung.[4] Erneut blieb das Gelände jahrzehntelang unbebaut, bis schließlich in den Jahren 1982 bis 1986 das heutige Bürogebäude des Innenministeriums von Alexander Marchart und Roland Moebius errichtet wurde.[1]
Mit dem aktuellen Neubau wird der langen Geschichte des Innenministeriums ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Die denkmalgeschützte Fassade bleibt erhalten und erinnert an die vielschichtige Vergangenheit dieses Standorts – während dahinter ein modernes, funktionales Verwaltungsgebäude entsteht.
Literatur
- Bundesdenkmalamt (2003): DEHIO-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien I. Bezirk – Innere Stadt. Wien: Verlag Berger, S. 773
- Pichler, Rudolf (1904): Das kaiserliche Spital am Ballhausplatz. Ein Beitrag zur Geschichte der Renaissance in Wien. In: Allgemeine Bauzeitung, S. 87–91
- Schimmer, Karl August (1849): Ausführliche Häuser-Chronik der innern Stadt Wien, mit einer geschichtlichen Übersicht sämmtlicher Vorstädte und ihrer merkwürdigsten Gebäude. Wien: Kuppitsch, S. 16ff.
- Suttner, Andreas (2017): Das schwarze Wien. Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938. Wien: Böhlau Verlag, S. 188–192