Weltfrauentag
35 Jahre Gleichstellung
Anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Gleichstellung in der Polizeiausbildung beschäftigten sich angehende Polizistinnen und Polizisten österreichweit im Unterricht mit der Rolle von Frauen sowie mit Fragen der Chancengleichheit und Diversität in der Exekutive.
Ausbildungsschwerpunkt zum Weltfrauentag 2026: Gleichstellung und Diversität im Fokus
© Bernhard Elbe
Seit mehr als drei Jahrzehnten ist die Gleichstellung von Frauen und Männern Bestandteil der polizeilichen Grundausbildung in Österreich. Anlässlich des Weltfrauentages 2026 wurde dieser Entwicklung ein bundesweiter Ausbildungsschwerpunkt gewidmet. Ziel war es, Bewusstsein für Gleichstellung, Chancengerechtigkeit und Diversität zu stärken sowie die Rolle von Frauen im Polizeiberuf sichtbar zu machen. Der jährlich am 8. März begangene Weltfrauentag rückt die Themen Gleichberechtigung, Frauenrechte und Diskriminierungsabbau in den Fokus. Als staatliche Institution steht die Polizei für Rechtsstaatlichkeit, Gleichbehandlung und den Schutz aller Menschen. Die konsequente Umsetzung von Gleichstellung ist dabei sowohl Auftrag als auch gelebte Praxis.
Vor diesem Hintergrund wurde am 9. März 2026 ein österreichweiter Ausbildungsschwerpunkt in der polizeilichen Grundausbildung umgesetzt. Im Mittelpunkt standen die Gleichstellung aller Geschlechter, die Rolle von Frauen in der Exekutive, der professionelle Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt sowie Fragen der Organisationskultur und Diversitätskompetenz.
Ein Erfolgsmodell mit Entwicklungsgeschichte.
Seit Anfang der 1990er-Jahre erhalten Frauen und Männer ab dem ersten Ausbildungstag die gleiche polizeiliche Ausbildung und verfügen über identische Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Gleichstellung stellt heute ein etabliertes und erfolgreiches Modell dar. Der Weg dorthin war jedoch von grundlegenden Veränderungen geprägt: Frauen waren zuvor zwar im Polizeidienst tätig, jedoch auf bestimmte Aufgabenbereiche beschränkt. Ein Meilenstein war das Jahr 1991, als erstmals Frauen in Wien eine gleichwertige Polizeiausbildung abschlossen und in den regulären Exekutivdienst übernommen wurden. Ihr Einsatz in Wien, Linz und Graz markierte den Beginn einer strukturellen Veränderung.
Vielfältige Umsetzung in den Bildungszentren.
Die Umsetzung des Ausbildungsschwerpunktes erfolgte österreichweit in allen Bildungszentren der Sicherheitsakademie (BZS) und wurde fächerübergreifend gestaltet. Inhalte wurden unter anderem in den Bereichen Rechtslehre, Modulares Kompetenztraining, Einsatztraining, Kommunikation und Konfliktmanagement, Menschenrechte, Berufsethik sowie Verfassungslehre vermittelt. Die methodische Ausgestaltung lag in der Verantwortung der Standorte und umfasste ein Spektrum didaktischer Ansätze – von Fachvorträgen und Diskussionsformaten über Fallanalysen bis hin zu projektorientierten und interaktiven Methoden.
Die Bildungszentren setzten individuelle inhaltliche und methodische Schwerpunkte: Im Bildungszentrum Feldkirch wurde im Fach „Angewandte Psychologie“ insbesondere das Thema Gewalt gegen Frauen vertieft.
Das Bildungszentrum Traiskirchen veranstaltete ein Symposium zum Thema „35 Jahre Frauen bei der Polizei – Chancen und Herausforderungen“ mit Expertinnen aus unterschiedlichen Bereichen der Exekutive.
In St. Pölten standen historische Entwicklungen und gesellschaftliche Rollenbilder im Fokus der Auseinandersetzung.
Das Bildungszentrum Eisenstadt beleuchtete im Verkehrsrechtsunterricht die Entwicklung des Frauenbildes im Straßenverkehr – auch im internationalen Kontext.
Im Bildungszentrum Wels wurde ein kriminalistisches Escape-Game entwickelt, das Gleichstellungsthemen praxisnah mit polizeilichem Handeln verknüpfte.
In Ybbs diskutierten Polizistinnen in Führungsfunktionen mit Auszubildenden über Karrierewege und Herausforderungen im Berufsalltag.
In Wien wurde ein interaktiver Stationenbetrieb mit Praxisbezug umgesetzt, der durch eine gemeinsame Abschlussaktion ein Zeichen für Respekt und Gleichstellung setzte.
Impuls für die Zukunft.
Die österreichweite Initiative zeigte eindrucksvoll, dass Gleichstellung und Diversität zentrale Bestandteile einer modernen und leistungsfähigen Polizei sind. Neben den positiven Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte wurden bestehende Herausforderungen thematisiert, insbesondere im Hinblick auf strukturelle Rahmenbedingungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Der Ausbildungsschwerpunkt leistete damit einen nachhaltigen Beitrag zur Stärkung einer respektvollen Organisationskultur, zur Förderung von Diversitätskompetenz sowie zur weiteren Attraktivierung des Polizeiberufs.
Maria Lankmair
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2026
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