Association of European Police Colleges
Acht Jahre AEPC-Präsident
Norbert Leitner, Direktor der Sicherheitsakademie (SIAK), war acht Jahre lang Präsident der Association of European Police Colleges (AEPC). Im September 2024 wählten die Mitglieder einen neuen Präsidenten.
Norbert Leitner war seit 2012 einer von drei Vizepräsidenten der AEPC, 2016 und 2020 wurde er zum Präsidenten gewählt. Eine Verlängerung ist nach den Statuten nicht möglich, Leitner war mit zwei Amtsperioden der am längsten amtierende Präsident der AEPC.
59 Polizeihochschulen aus 45 Nationen in ganz Europa bilden die Association of European Colleges (AEPC). Die AEPC fördert die Zusammenarbeit sowie den Wissensaustausch zwischen den Polizeiausbildungsstätten in Europa, entwickelt gemeinsame Trainingsstandards und organisiert Schulungen, Workshops und Konferenzen. Außerdem unterstützt die AEPC Forschungsprojekte zur Verbesserung der polizeilichen Ausbildung und Kriminalitätsbekämpfung.
AEPC-Konferenz in Tiflis 2024: Norbert Leitner, scheidender AEPC-Präsident, Peter Lamplot, Generalsekretär der AEPC, der neue AEPC-Präsident Stefan Aegerter © Privat
Die AEPC wurde 1996 gegründet und Österreich ist seit Beginn mit der Sicherheitsakademie (SIAK) vertreten. Die SIAK ist die Ausbildungs- und Forschungsstätte des Bundesministeriums für Inneres. Die Kernkompetenzen der SIAK liegen in den Polizei- und Sozialwissenschaften sowie der Führungs-, Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung. Zudem kooperiert die SIAK mit anderen europäischen Polizeiakademien.
In Europa gebe es ein ähnliches Verständnis über den Polizeiberuf, die Polizeikulturen der Mitgliedsstaaten seien aber sehr verschieden, sagt Norbert Leitner. Im universitären Bereich haben die meisten Mitglieder das Bologna-System (Bachelor – Master – PhD) übernommen, weshalb bei der Ausbildung und Schulung von Führungskräften nicht so große Unterschiede herrschen würden, bei Inhalten, Methodik und Didaktik aber schon. „Das Ziel der AEPC war ein Bildungsangebot für alle Polizeiebenen, Führungskräfte sowie Expertinnen und Experten“, sagt Norbert Leitner. Bei den Schulungen, Konferenzen und Workshops werden europäische Trends in der Polizeiausbildung sowie Best-Practice-Beispiele aus der Polizeiarbeit der Mitglieder behandelt.
Auch das Thema Menschenrechte war ein Schwerpunkt während Leitners Präsidentschaft. Die AEPC wurde um acht Mitglieder erweitert und Israel mit dem Beobachterstatus aufgenommen. Jährlich gibt es eine Konferenz zu einem polizeilich aktuellen Thema mit internationalen Expertinnen und Experten.
Zwischen Ost- und Westeuropa sowie den südosteuropäischen Ländern fand eine Vernetzung statt und eine Kooperation mit der European Union Agency for Law Enforcement Training (Cepol), der European Border and Coast Guard Agency (Frontex), Interpol, der Organization for Security and Cooperation in Europe (OSCE) sowie der International Association of Police Academies (INTERPA) wurde aufgebaut.
Eine besondere Herausforderung war die Stimmung der Mitglieder in manchen Debatten. Politische Spannungen zwischen Mitgliedsländern wie Zypern, Griechenland und der Türkei oder Serbien und dem Kosovo hätten immer wieder zu Konflikten geführt. „Das erforderte von mir als Präsident immer wieder Feingefühl und diplomatisches Geschick, um die Betroffenen von der emotionalen auf die Sachebene zurückzuführen und an gemeinsamen Zielen zu arbeiten“, sagt Norbert Leitner.
AEPC-Generalsekretär.
Seit Beginn der Präsidentschaft von Leitner ist Oberst Peter Lamplot vom Zentrum für internationale Angelegenheiten (ZIA) der SIAK der Generalsekretär der AEPC. Das Generalsekretariat ist seither im ZIA der SIAK angesiedelt. Der Generalsekretär koordiniert alle strategischen und operativen Angelegenheiten der AEPC.
Bei der Governing-Board-Sitzung in Tiflis (Georgien) Ende September 2024 wurde Stefan Aegerter vom schweizerischen Polizei-Institut (SPI) knapp vor dem ungarischen Kandidaten Gábor Kóvacs zum Nachfolger von Norbert Leitner als neuer AEPC-Präsident gewählt.
Traditionellerweise wird der Generalsekretär vom amtierenden Präsidenten ernannt. Auf Ersuchen von ihm wird Peter Lamplot die Geschäfte als Generalsekretär zumindest bis 2026 weiterführen.
Amelie Hofer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2025
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