Einsatzkommando Cobra

Hauptquartier im Föhrenwald

Vor 30 Jahren wurde in Wiener Neustadt eine neue Ausbildungs- und Einsatzzentrale für das heutige Einsatzkommando Cobra eröffnet. Der Komplex wird derzeit um eine neue Flugeinsatzstelle und Hubschrauberschule erweitert.

Das Hauptquartier des Einsatzkommandos Cobra befindet sich in einem Föhrenwald in Wiener Neustadt.
Das Hauptquartier des Einsatzkommandos Cobra befindet sich in einem Föhrenwald in Wiener Neustadt.
© Gerd Pachauer

Das Gendarmerieeinsatzkommando (GEK) – die Vorläuferorganisation des heutigen Einsatzkommandos Cobra – wurde 1978 gegründet, um auf neue Bedrohungen des internationalen Terrorismus reagieren zu können. Ein über 200 Jahre altes Schloss im niederösterreichischen Schönau an der Triesting diente als Hauptquartier. Das äußerlich idyllisch wirkende Bauwerk in einem großen Park mit Teich und Wiesen erwies sich als ungeeignet für die stetig wachsende, international vernetzte Sondereinheit. Die Unterkünfte und Schulungsräume platzten Mitte der 1980er-Jahre aus allen Nähten, die Sanitäreinrichtungen waren unzureichend und es gab laufend Schwierigkeiten mit der Unterbringung der Einsatzfahrzeuge. Der damalige Kommandant des GEK, Oberst Johannes Pechter, und Oberstleutnant Erhard Jaros entwickelten im April 1985 spontan die Idee, einen Neubau für das Einsatzkommando zu initiieren.

Erste Planungen.

Für ein kostenloses erstes Konzept einer neuen Ausbildungs- und Einsatzzentrale konnte der Architekt Prof. Hannes Lintl gewonnen werden. Im August 1985 wurden die Überlegungen dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Dr. Robert Danzinger präsentiert, im Oktober 1985 Innenminister Dr. Karl Blecha. Beide signalisierten ihre Unterstützung. Im Dezember 1985 wurde der Generalinspizierende der Sicherheitsbehörden und Landesgendarmeriekommanden, Mag. Franz Beydi, zum Generalkoordinator ernannt. Ursprünglich schien ein Baugelände in der Nähe des Flugplatzes von Bad Vöslau die geeigneten Voraussetzungen aufzuweisen. Es gehörte jedoch dem Verteidigungsressort, das 1987 keine Zustimmung zur Abtretung der Liegenschaft an das BMI erteilte. Mit großem Druck wurde nun im Großraum von Baden bzw. Wiener Neustadt nach einem anderen Grundstück gesucht. Im August 1987 bot der damalige Bürgermeister von Wiener Neustadt, Gustav Kraupa, Oberst Pechter ein der Stadt gehörendes Grundstück nordwestlich des Zentrums an. Es hatte die Form eines gleichschenkeligen Dreiecks, war großteils mit Föhren bewachsen und rund 30 Hektar groß.
Trotz großen Interesses des Innenministeriums an dieser Liegenschaft wurde im Frühjahr 1988 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten zusätzlich auch St. Pölten als möglicher Standort geprüft, letztlich fiel die Entscheidung aber doch auf Wiener Neustadt. Den am 19. Juli 1988 ausgeschriebenen internationalen Architektenwettbewerb konnte Prof. Hannes Lintl mit seinen Entwürfen für sich entscheiden.

Umsetzung.

Im Jänner 1989 erteilte das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten seine Zustimmung, die Ausbildungs- und Einsatzzentrale inklusive einer – ursprünglich umstrittenen – Dreifachturnhalle und eines Trainingsschwimmbeckens zu planen und Architekt Lintl wurde mit den Ausführungsarbeiten beauftragt. Der Spatenstich für den Neubau erfolgte am 7. Juni 1989, verbunden mit dem Gedenken an den 140. Jahrestag der Gründung der Bundesgendarmerie. Am 28. Februar 1990 wurde die Zufahrtstraße zum neuen GEK-Hauptquartier vom Wiener Neustädter Gemeinderat in „Straße der Gendarmerie“ umbenannt. Nach der Bauverhandlung am 30. April erteilte die Stadtgemeinde Wiener Neustadt am 29. Mai 1990 die Baubewilligung, Rodungsarbeiten im Föhrenwald wurden nur im unbedingt notwendigen Ausmaß vorgenommen. Auf einem unmittelbar angrenzenden Grundstück wurde eine Ersatzaufforstung durchgeführt. Bis heute bietet der verbliebene Baumbestand auf dem Cobra-Gelände ideale Bedingungen für Trainingseinheiten und Übungsszenarien.
Ab 1. September 1990 wurden zum Schutz der Baustelle permanent vier GEK-Beamte abgestellt; die Grundsteinlegung erfolgte am 10. September 1990. Am 1. Oktober 1990 starteten die Bauarbeiten, ein Jahr später konnte die Dachgleiche gefeiert werden. Im März 1992 zeichnete sich nach dem Baufortschritt eine mögliche Fertigstellung der neuen Ausbildungs- und Einsatzzentrale bis zum Herbst ab. Am Festakt der offiziellen Eröffnung am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober 1992, nahmen neben Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft auch zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland teil.

Modernisierungen und Erweiterungen.

Das Air-Marshal-Ausbildungszentrum des Einsatzkommandos Cobra ist seit 2007 in Betrieb.
Das Air-Marshal-Ausbildungszentrum des Einsatzkommandos Cobra ist seit 2007 in Betrieb.
© Gerd Pachauer

In den vergangenen 30 Jahren kam es wiederholt zu Modernisierungen, Erweiterungen und Neubauten auf dem Cobra-Gelände: 2002 wurde aus dem GEK das Einsatzkommando Cobra mit vorerst vier Standorten und drei Außenstellen; 2005 kam Wien als fünfter Cobra-Standort hinzu. Die Neuorganisation der Cobra spiegelte sich auch auf dem Gelände des Hauptquartiers durch diverse Veränderungen bei Unterkünften, Büros und Schulungsräumlichkeiten wider. 2007 wurde in Wiener Neustadt ein neues Air-Marshal-Ausbildungszentrum des EKO Cobra mit zwei Flugzeugrümpfen in Originalgröße in Betrieb genommen, das nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA unter Einbeziehung internationaler Erfahrungen konzipiert worden war. Im April 2011 eröffnete das „Operative Zentrum für Ausgleichsmaßnahmen“ (OZ-AGM) in einem neuen Dienststellengebäude, das zwischenzeitig – aufgrund der Neustrukturierung der grenz- und fremdenpolizeilichen Agenden im BMI – von der Ausbildungs- und Einsatzabteilung der Cobra übernommen wurde. Mit der Gründung der Direktion für Spezialeinheiten (DSE) wurde Wiener Neustadt ab 1. Juni 2013 nicht nur für das Einsatzkommando Cobra, sondern auch für den Entschärfungsdienst und die Zentrale Observation des BMI zum neuen Hauptquartier. Kürzlich wurde vor dem ökumenischen Raum auf dem Cobra-Gelände ein neuer Besucherbereich gestaltet, in dem eine Ausstellung von Uniformen, Waffen und Ausrüstungsgegenständen untergebracht ist. Die Ausbildungs- und Einsatzzentrale der DSE dient heute auch anderen Einheiten der Bundespolizei als multifunktionelle Ausbildungsstätte, beispielsweise für das Einsatztraining.

Neue Flugeinsatzstelle.

Am Gelände des Einsatzkommandos Cobra in Wiener Neustadt entsteht derzeit eine neue Flugeinsatzstelle.
Am Gelände des Einsatzkommandos Cobra in Wiener Neustadt entsteht derzeit eine neue Flugeinsatzstelle.
© Gerd Pachauer

Mit der jüngsten Änderung der Geschäftseinteilung des BMI per 1. Juli 2022 wurde die Flugpolizei als 4. Abteilung in die DSE übergeführt. Seit 2021 ist südlich der Bestandsgebäude der Direktion ein zweigeschossiges Objekt für den Wartungsbetrieb der Flugpolizei, die Hubschrauberschule und die Flugeinsatzstelle Wiener Neustadt in Bau. Stellplätze für sieben Hubschrauber sind eingeplant. Im Obergeschoß des Zubaus sind Büros und Umkleideräume für Pilotinnen und Piloten zu finden. Der Neubau umfasst etwa 6.250 Quadratmeter Nettoraumfläche für rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Pilotinnen und Piloten, Technikerinnen und Techniker sowie Verwaltungspersonal. Die Feier der Dachgleiche erfolgte am 20. Juni 2022 im Beisein von Innenminister Mag. Gerhard Karner, dem Bürgermeister von Wr. Neustadt, Mag. Klaus Schneeberger, dem Leiter der Flugpolizei, Christian Stella, und BIG-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Hans-Peter Weis. „Mit der anstehenden Verlegung der Flugeinsatzstelle aus Wien-Meidling nach Wiener Neustadt wächst zusammen, was zusammengehört“, betonte Innenminister Karner. „Das Einsatzkommando Cobra nimmt die Dienste der Hubschrauber-Flotte regelmäßig und oft in Anspruch – sei es für Einsätze, sei es für die Ausbildung. Daneben sind Katastrophenschutz wie die Waldbrandbekämpfung und Bergungen von Personen wichtige Aufgaben für die Flugpolizei, gerade dafür ist dieser Standort optimal gelegen. Damit können wir künftig Niederösterreich, Wien und das Burgenland bestmöglich mit den notwendigen Einsätzen der Flugpolizei und Einsätzen der Cobra abdecken und gleichzeitig auch das gemeinsame Training von Einsatzkommando und Flugpolizei verstärken.“ Am 25. Juni 2022 wurde in der Innenstadt von Wiener Neustadt anlässlich der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Bundeslandes Niederösterreich im Rahmen einer Cobra-Vorführung auch auf die dreißigjährige Geschichte des Einsatzkommandos in Wiener Neustadt zurückgeblickt.

Gregor Wenda


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2022

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