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Geschichte

Ein Hofnarr aus Altaussee

Der Altausseer Joseph Fröhlich machte Karriere als Hofnarr und Taschenspieler am Hof des Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, August des Starken.

Denkmal des Kärntner Bildhauers Johann Feilacher für den Hofnarren Joseph Fröhlich in Altaussee.
Denkmal des Kärntner Bildhauers Johann Feilacher für den Hofnarren Joseph Fröhlich in Altaussee.
© Werner Sabitzer

Joseph Fröhlich, geboren am 18. Februar 1694 im Altausseer Ortsteil Puchen, war der Sohn des Kramers Wolfgang Fröhlich aus Steyr und der Altausseerin Ursula Gatterer, deren Familie eine Mühle an der Traunbrücke betrieb. Die spätere Scheichlmühle ist heute ein Gasthaus an der Ortseinfahrt von Altaussee. Joseph Fröhlich erlernte das Müllerhandwerk; erhielt aber – als uneheliches Kind – erst mit 17 Jahren den für das Erlernen eines Handwerks notwendigen „Legitimationsbrief“.
Schon während der Lehrzeit war er zu Späßen aufgelegt. Überliefert ist folgende Anekdote: Als der immer Hungrige von seinem Lehrherrn erwischt wurde, wie er sich am Speck des Müllers bediente, stopfte sich der Bursche seinen Hosenboden aus, um die Hiebe des Lehrherrn schmerzfrei zu überstehen. Als der Müller zuschlug, brüllte Fröhlich wie am Spieß. Der Lehrherr durchschaute den Trick, musste aber derart lachen, dass er die Prügelstrafe nicht fortsetzte. Nach der Lehre begab sich Fröhlich, wie damals üblich, „auf die Walz“. Auf seiner Wanderschaft gelangte er nach Norddeutschland, wo er bei einem Schausteller und Scharlatan Taschenspielertricks erlernt haben dürfte.

Fröhlich am Hof.

Nach der Rückkehr in seinen Heimatort heiratete Fröhlich 1719 eine Tirolerin, zwei Jahre danach kam ihr Sohn Jakob auf die Welt. Kurz darauf verließ die Familie das Ausseerland und kam ins protestantische Oberfranken. Joseph Fröhlich trat auf Jahrmärkten und bei anderen Gelegenheten mit Zauberkunststücken auf. In Bayreuth wurde er von Markgraf Georg Friedrich Carl zu Brandenburg-Bayreuth als „Hofnarr“ aufgenommen. Taschenspieler, Gaukler und Narren waren in der Barockzeit begehrte Unterhalter an den Höfen der Herzöge, Fürsten und Könige; die Hofnarren kommentierten auch das politische Geschehen in „Hanswurstiaden“ und konnten sich viel erlauben.
Im Jahr 1725 kam Fröhlich von Bayreuth nach Dresden, wo er erfolgreich seine Kunststücke vorführte. In einer Beschreibung heißt es: „Der Fremdling erregte großes Aufsehen auf den Straßen, sintemal er im schwäbischen Bauernhabit, so in weißen Hosen und einem spitzen Hut besteht, auf einem kleinen schwarz-weiß gefleckten Tigerpferde einherreitet, auf der Brust das markgräflich-bayreuthische Wappen tragend. Er hatte die Ehre vor dem König aufzutreten ... Er habe dabei von niemandem gesehene Kunststücke aufgeführt.“ Im März 1727 kam das zweite Kind der Fröhlichs auf die Welt, zwei Monate danach starb seine Frau im Alter von 36 Jahren. Nur sechs Wochen später heiratete der Witwer in Bayreuth Eva Christiane Zöbler.

Büste des Hofnarren Joseph Fröhlich im Kammerhofmuseum Bad Aussee.
Büste des Hofnarren Joseph Fröhlich im Kammerhofmuseum Bad Aussee.
© Werner Sabitzer

Königlicher Hoftaschenspieler.

Die Schwester des Bayreuther Markgrafen war mit Friedrich August I. (1670-1733) verheiratet, der wegen seiner angeblichen Kraft und der hohen Zahl seiner unehelichen Kinder „der Starke“ genannt wurde. Er war Kurfürst von Sachsen und als August II. ab 1697 König von Polen. Um zum König von Polen gewählt zu werden, konvertierte der Protestant wieder zum Katholiken.

„Graf von Saumagen“.

Joseph Fröhlichs Karriere als königlicher Hoftaschenspieler bei August dem Starken begann. Er nahm an Reisen, Aufmärschen und Jagden des Königs teil und konnte seine gesellschaftliche Stellung am Hof ausbauen. Der Gaukler gehörte zur besseren Gesellschaft in Dresden; die neue Meißner Porzellanfabrik stellte Porträts von Joseph Fröhlich her, die heute bei Sammlern (und auch Dieben) begehrt sind. Am Dresdner Hof trat er häufig mit seinem Partner „Baron Schmiedel“ auf, dem „Reise-Post und Jagd Courir“.
Am königlichen Hof ging es nicht nur vornehm und gesittet zu. Joseph Fröhlich musste auch Prügel einstecken und war mitunter als Opfer beim „Fuchsprellen“. Füchse und manchmal Wildschweine wurden von mehreren Männern auf einem Leder so lange in die Luft geschleudert, bis sie zu Tode „geprellt“ waren. Hin und wieder dürfte an die Stelle der Tiere der Hofnarr getreten sein, er kam aber glimpflich davon. 1730 „verlieh“ König August dem dicken Altausseer Hofnarren ein Spottwappen und den Titel „Graf von Saumagen“.

Hofnarr-Fröhlich-Figur im Kammerhofmuseum Bad Aussee.
Hofnarr-Fröhlich-Figur im Kammerhofmuseum Bad Aussee.
© Werner Sabitzer

Nach dem Tod August des Starken folgte ihm sein Sohn nach, der den gesamten Hofstaat übernahm, darunter Joseph Fröhlich ließ seine Kontakte zur Heimat nie abreißen. 1735 erwarb er die alte Steinmühle am Meranplatz in Bad Aussee, verkaufte sie aber nach einem Brand 1753. In diesem Haus mit seiner Sgraffitomalerei dürfte sein Sohn Jakob das Müllerhandwerk erlernt haben. 1742 erschien ein gedrucktes Werk mit Spottversen über das Leben Fröhlichs. Zwei Jahre später wurde er „Königlich Polnischer Mühlenkommissar“. 1754 bekamen Fröhlich und sein Sohn Jacob vom König in Marienmont bei Warschau auf Lebenszeit eine Mühle und das Backrecht. Der Mühle waren eine Schänke und eine Landwirtschaft angeschlossen.
Während des Siebenjährigen Kriegs drangen im Jahr 1756 preußische Truppen in Sachsen ein. Der Hofstaat, darunter Joseph Fröhlich, flüchtete aus Dresden nach Warschau. Ein Jahr später, am 24. Juni 1757, starb der Hofnarr aus Altaussee im Alter von 63 Jahren.

Bronzeplastik.

Am Neustädter Elb­ufer in Dresden erinnert eine Bronzeplastik an den populären Hofnarren Fröhlich. Sie steht vor der Gaststätte „Narrenhäusl“. An dieser Stelle hatte Joseph Fröhlich 1755 ein Haus gebaut, im Volksmund „Klein-Moritzburg“ genannt, das nach vielen Umbauten beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 zerstört wurde.

Werner Sabitzer


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2022

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