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EU-Drogenbericht 2020

Gefahr durch Überdosierung

Illegale Drogen: Stoffe von oftmals hoher Wirksamkeit oder Reinheit sind eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit.
Illegale Drogen: Stoffe von oftmals hoher Wirksamkeit oder Reinheit sind eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit.
© Andrey Popov

Kokain und Heroin werden zunehmend in Europa konsumiert. Die am häufigsten konsumierte Droge ist Cannabis. Organisierte kriminelle Gruppen haben die illegale Drogenproduktion in Europa verstärkt.

Die Zahl der Sicherstellungen von Kokain liegt auf Rekordniveau, die beschlagnahmte Menge an Heroin hat sich zuletzt fast verdoppelt. Das geht aus dem am 9. Juni 2021 vorgestellten EU-Drogenbericht 2020 hervor, der von der EU-Drogenbeobachtungsstelle (www.emcdda.europa.eu) veröffentlicht wurde. Er basiert auf der Grundlage von Daten aus 29 Ländern (EU-27, Türkei und Norwegen). Im Bericht wird vor den Risiken für die öffentliche Gesundheit gewarnt, die von der Verfügbarkeit und Verwendung einer breiteren Palette von Stoffen ausgehen, die oft von hoher Wirksamkeit oder Reinheit sind. Etwa 4,3 Millionen EU-Bürger haben 2020 Kokain konsumiert, das sind 1,3 Prozent der 15- bis 64-Jährigen und rund 400.000 Personen mehr als 2018. Ecstasy konsumierten rund 2,7 Millionen Personen in der EU – um rund 100.000 mehr als 2019. Der Amphetamin-Konsum stieg um rund 300.000 auf etwa zwei Millionen Abnehmer.

Cannabis

Cannabis war die am meisten konsumierte Droge: 25,2 Millionen EU-Bürger im Alter von 15 bis 64 Jahren griffen zu Marihuana oder Haschisch (2018: 24,7). Cannabisharz und Cannabiskraut weisen heute im Schnitt doppelt so viel THC auf wie vor zehn Jahren. Opioide wurden bei 82 Prozent aller tödlichen Überdosierungen nachgewiesen. Der vermehrte Heroinkonsum und daraus entstehende Schäden geben laut dem Bericht Grund zur Sorge. Organisierte kriminelle Gruppen haben die illegale Drogenproduktion in Europa verstärkt, um Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels zu umgehen, wodurch Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken entstehen. „Die von organisierten kriminellen Gruppen betriebenen Drogenmärkte sowie die Rekordmenge an sichergestelltem Kokain und die hohen Mengen beschlagnahmten Heroins belegen die anhaltende Bedrohung durch Kriminelle, die Lieferketten, Transportwege und große Häfen für den Drogenschmuggel zu nutzen suchen“, sagt EU-Innenkommissarin Ylva Johansson, anlässlich der Präsentation des EU-Drogenberichts 2020.

Cannabisharz und Cannabiskraut weisen heute im Schnitt doppelt so viel THC auf wie vor zehn Jahren.
Cannabisharz und Cannabiskraut weisen heute im Schnitt doppelt so viel THC auf wie vor zehn Jahren.
© Victor Moussa - stock.adobe.com

Digitalisierung des Drogenmarktes.

Der Bericht zeigt, dass organisierte kriminelle Gruppen ihr Vorgehen während der Covid-19-Krise rasch änderten, besonders beim Einzelverkauf. Da der Straßenverkauf von Drogen durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit schwierig war, nutzten Konsumierende und Händler Onlinemärkte im Darknet, Social-Media-Plattformen sowie Paket- und Heimlieferdienste.
Drogenhändler passten sich an Reisebeschränkungen und Grenz­schließungen an – etwa in einigen Änderungen bei den Schmuggelrouten und -methoden, wobei der Schmuggel in Containern und über kommerzielle Lieferketten stärker in den Vordergrund rückte und weniger auf den Einsatz menschlicher Kuriere gesetzt wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass in den frühen Lockdown-Phasen das Interesse der Verbraucher an Substanzen, die üblicherweise mit Freizeitveranstaltungen in Verbindung gebracht werden (z. B. MDMA), geringer war, da die Menschen zu Hause blieben. Die Analyse von Abwasserproben einiger europäischer Städte legt jedoch nahe, dass der Konsum der meisten Drogen wieder anstieg, nachdem die Beschränkungen für Reisen und gesellschaftliche Zusammenkünfte im Sommer 2020 gelockert worden waren.

Besondere Bedenken

Besondere Bedenken bestehen beim Missbrauch von Benzodiazepinen, die nicht für therapeutische Zwecke eingesetzt werden oder für medizinische Zwecke in Europa nicht zugelassen sind. Ein Anstieg des Konsums dieser Drogen ist bei Hochrisiko-Drogenkonsumierenden, Strafgefangenen und einigen Gruppen von Freizeitdrogenkonsumierenden zu beobachten, was möglicherweise auf die hohe Verfügbarkeit und die niedrigen Kosten dieser Substanzen sowie auf pandemiebedingte psychische Gesundheitsprobleme zurückzuführen ist. Im Bericht wurde auch eine Studie über die Risiken eines unkontrollierten Auftretens neuer Benzodiazepine auf dem Markt für neue psychoaktive Substanzen veröffentlicht, die mit Vergiftungen und Todesfällen in Verbindung gebracht wurden.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2021

 Druckversion des Artikels (pdf, 226 kB)

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