Aktuelles
Zwischen Breaking News und Tatortarbeit
Schwere Straftaten, Notfälle und Unfälle stellen nicht nur Einsatzorganisationen, sondern auch Presseverantwortliche vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund fand am 25. September 2025 im Pressesalon des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC) ein Dialogforum zur Notfall- und Unfallberichterstattung statt.
"Eine verantwortungsvolle und faktenbasierte Berichterstattung ist für das Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der Polizei oder andere Blaulichtorganisationen von zentraler Bedeutung", betonte BMI-Ressortsprecher Patrick Maierhofer bei der Veranstaltung. "Gleichzeitig müssen Persönlichkeitsrechte und die Menschenwürde stets gewahrt bleiben."
In ihrem gemeinsamen Vortrag "Zwischen Breaking News und Tatortarbeit – Wie mediale Berichterstattung Ermittlungen der Polizei beeinflusst" machten Patrick Maierhofer und der Pressesprecher der LPD Steiermark, Markus Lamb, deutlich, dass Polizeisprecher eine besondere Rolle als Schnittstelle zwischen Einsatzkräften, Öffentlichkeit und Medien einnehmen. Sie bewegen sich dabei in einem Spannungsfeld: Einerseits sollen sie Transparenz schaffen und das Vertrauen der Bevölkerung stärken, andererseits dürfen laufende Ermittlungen nicht gefährdet werden.
Lamb veranschaulichte, wie stark mediale Berichterstattung Ermittlungen beeinflussen kann: "Medienaufrufe tragen immer wieder zu Fahndungserfolgen bei. Voreilige oder ungenaue Berichte können aber auch zu Vorverurteilungen führen oder polizeiliche Maßnahmen erschweren." So verwies er etwa auf Fälle, in denen Live-Berichterstattungen taktische Maßnahmen vereitelt oder Menschen über Medien vom Tod ihrer Angehörigen erfahren haben, bevor die Polizei eine persönliche Verständigung vornehmen konnte.
Verantwortung und Transparenz
Um Betroffene und Ermittlungen zu schützen, gelte daher als Standard, dass Presseaussendungen keine identifizierenden Daten beinhalten und sich Polizeisprecher bei taktischen Details und klaren Hinweis aus kriminaltaktischen Gründen bedeckt halten. "Das ist auch durchaus legitim, denn anders als das gerichtliche Hauptverfahren sind die Schritte des Ermittlungsverfahrens nicht generell öffentlich", erklärte Lamb. Die beiden Sprecher appellierten an die Medien, diese Vorgehensweise auch in ihrer Berichterstattung darzustellen, um verständlich zu machen, warum bestimmte Informationen seitens der Polizei nicht preisgegeben werden.
Das Programm umfasste zudem Fachvorträge von Professor Elmar Kuhn zu ethischen, Rechtsanwalt Meinhard Ciresa zu rechtlichen und John Herzog zu textlichen Aspekten der Notfallberichterstattung. Der Präsident des ÖJC schilderte die Journalistenperspektive aus seiner Zeit als ORF-Korrespondent.
Abschließend diskutieren die Vortragenden im Rahmen eines Panels über aktuelle Herausforderungen und Best-Practice-Beispiele. Ziel war es, einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit Notfällen in der Berichterstattung zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen Medien und Einsatzorganisationen nachhaltig zu stärken.