Gewaltschutz
Gewalt sichtbar machen: Leben unter Missbrauch in nahen Beziehungen in Österreich – LUMINA
Das KIRAS-Projekt LUMINA untersucht das Dunkelfeld von Gewalt gegen Frauen durch aktuelle oder frühere Partner. Am 8. Oktober 2026 findet in Wien das Kick-off-Meeting statt.
Zu oft finden sich Meldungen über Misshandlungen, schwere Gewalt oder Mord an Frauen in den Tageszeitungen wieder, wobei vielfach Verdächtige aus dem engen Umfeld stammen.
Gewalt durch Partner oder Ex-Partner ist die häufigste Form von Gewalt in der Privatsphäre. Statistisch erfasst wird das Phänomen durch die Polizeiliche Kriminalstatistik und die ausgesprochenen Annäherungs- und Betretungsverbote – das sogenannte "Hellfeld". Ein erheblicher Teil der Gewalterfahrungen wird jedoch nicht angezeigt und bleibt damit im polizeilichen Dunkelfeld. Die Gründe dafür reichen unter anderem von Scham und Angst vor Konsequenzen bis hin zu fehlendem Wissen über Unterstützungsangebote.
Ziel des Projektes LUMINA ist das Sammeln nationaler und internationaler Erkenntnisse, um eine wissenschaftlich fundierte Erhebung des Dunkelfelds durch eine Befragung von Frauen zum Thema Gewalt in der Privatsphäre durchzuführen. Darauf aufbauend gilt es, geeignete und zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen abzuleiten sowie die Strafverfolgung und den Opferschutz zu verbessern.
Methodisch werden anfangs die Datenlage und der Forschungsstand für Österreich sowie relevante internationale Vergleichsstudien erhoben. Danach erfolgen die Konzeption und Testung mithilfe eines wissenschaftlich fundierten Fragebogens und im Anschluss eine repräsentative Befragung von Frauen in Österreich zu möglichen Gewalterfahrungen. Vor dem Hintergrund der Thematik müssen dabei auch Opferschutz und Traumasensibilität berücksichtigt werden. Den Studienverantwortlichen ist die Gegenüberstellung der Befragungsergebnisse mit den Erkenntnissen der Kriminalstatistik wichtig. Ein zentrales Merkmal von LUMINA ist die klare Zuordnung der erhobenen Gewalthandlungen zu strafrechtlich relevanten Delikten, um Dunkel- und Hellfeld systematisch vergleichen zu können.
Durch die bis Ende 2027 gewonnenen Erkenntnisse soll ein Mehrwert geschaffen werden, da durch die Sichtbarmachung des Dunkelfeldes eine fundierte Grundlage geschaffen wird, um Prävention, Opferschutz und Strafverfolgung gezielt weiterzuentwickeln.
Bedarfsträger des Projekts sind das Büro 1.7 – Gewaltschutz im Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissenschaft und Forschung (IWF) der SIAK. Das Projekt wird im Rahmen von KIRAS, dem österreichischen Sicherheitsforschungsförderprogramm des Bundesministeriums für Finanzen, das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt wird, finanziert.
Ansprechpartnerinnen sind Petra Warisch vom Bundeskriminalamt sowie Martina Stöffelbauer und Corinna Obermaier aus dem Institut für Wissenschaft und Forschung.