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Aktuelles

"Operation Ancora": Internationales Schleppernetzwerk zerschlagen

Mehr als 100.000 Menschen wurden illegal nach Mitteleuropa geschleust. Es kam zu mehr als 130 Festnahmen.

Innenminister Gerhard Karner präsentierte am 10. März 2026 in Graz gemeinsam mit Vertretern der Fremdenpolizei, des Landeskriminalamts, des Bundeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Wien die Ermittlungsergebnisse der "Operation Ancora".
"Der Kampf gegen die illegale Migration ist eine der zentralen Aufgaben der Sicherheitsbehörden. Es geht um den Schutz der Bevölkerung und auch den Schutz der geschleppten Menschen. Daher muss es unser gemeinsamer Ansatz sein, der brutalen und menschenverachtenden Schlepper-Mafia die Geschäftsgrundlage zu entziehen", sagte Innenminister Gerhard Karner. "Mein großer Dank gilt auch allen an dieser Erfolgsamtshandlung beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die hochprofessionelle und perfekt koordinierte Arbeit." Auch Justizministerin Anna Sporrer äußerte sich anlässlich dieses Ermittlungserfolges: "Der Erfolg der Operation ‚Ancora‘ belegt wieder einmal eindrucksvoll die exzellente Arbeit unserer Staatsanwaltschaften als einer der zentralen Pfeiler der Strafverfolgung in Österreich. Nur durch die nahtlose und professionelle Kooperation zwischen Justiz, Polizei und internationalen Partnern wie Europol schaffen wir es, kriminelle Netzwerke grenzüberschreitend zu zerschlagen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen."

Ermittlerinnen und Ermittlern der Polizeiinspektion Spielfeld-FGP gelang ein bedeutender Schlag gegen eine der aktivsten Schlepperorganisationen entlang der Südost-Balkanroute. Im Rahmen der "Operation Ancora" wurden in Kooperation mit nationalen und internationalen Sicherheitsbehörden mehr als 130 Tatverdächtige festgenommen und eine weit verzweigte Struktur der organisierten Kriminalität bis in höchste Hierarchieebenen entscheidend geschwächt. Die Ermittlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BK), mehreren Landeskriminalämtern, der Staatsanwaltschaft Wien sowie internationalen Polizeibehörden – insbesondere Europol.

Südsteiermark als Ausgangspunkt

Den Ausgangspunkt der Ermittlungen bildeten unter anderem regelmäßige Schwerpunktaktionen der steirischen Fremdenpolizei (FGA) im Grenzraum zu Slowenien. Im Dezember 2023 kam es im Zuge derartiger Kontrollen im Bezirk Leibnitz zu einer riskanten Flucht eines mutmaßlichen Schlepperfahrzeuges. Dabei durchbrach der Lenker eine errichtete Straßensperre und flüchtete mit hoher Geschwindigkeit vor der Polizei. Auch die Abgabe von Schüssen konnte das Fluchtfahrzeug zunächst nicht stoppen. Kurz darauf verunfallte das Fahrzeug auf der Fahrbahn. Im Pkw befanden sich acht geschleppte Personen aus Syrien, die bei dem Unfall unverletzt blieben. Die damaligen Ermittlungen wegen des Verdachts der Schlepperei führten zu den bislang umfangreichsten Ermittlungen in der Geschichte der steirischen Fremdenpolizei.

Organisierte Kriminalität

Im Rahmen der daraufhin gegründeten "Operation Ancora" und zeitaufwändigen Strukturermittlungen gelang es Ermittlerinnen und Ermittlern der Fremdenpolizei in Spielfeld, eine international agierende Schlepperorganisation auszuforschen. Ihr sollen Schätzungen zufolge mehrere hundert Mitglieder entlang der Südost-Balkanroute angehört haben. Dabei kann die Täterstruktur – ausgehend von einem syrischen Clan – als streng hierarchisch organisiert beschrieben werden. Bisherigen Ermittlungen zufolge dürften fünf autonome Teilorganisationen entlang unterschiedlicher Routenabschnitte mit jeweils bis zu 80 Fahrern agiert haben. Sie sollen im Zeitraum von Herbst 2023 bis Mai 2025 mehr als 100.000 Menschen illegal von der Türkei über Südost-Europa und Österreich bis nach Deutschland geschleppt haben. Die illegalen Gewinne des Netzwerkes werden dabei auf über eine Milliarde Euro geschätzt.

Haupttatverdächtige in Haft

Als logistischer Dreh- und Angelpunkt des kriminellen Netzwerks galt ein Handyshop in Wien-Ottakring. Seit einem koordinierten Zugriff mit der Unterstützung von rund 60 Einsatzkräften der Wiener Polizei sowie Spezialkräften von EKO Cobra und WEGA im Mai 2025 befinden sich sechs Haupttatverdächtige über Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in Untersuchungshaft. Bei Hausdurchsuchungen wurden Waffen und Suchtmittel sichergestellt. Die Männer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren zeigen sich teilweise geständig. Die Staatsanwaltschaft Wien arbeitet derzeit an einer Anklage gegen die in Wien bzw. Budapest wohnhaften Männer aus Afghanistan, Syrien bzw. der Russischen Föderation. Bei den weiteren ausgeforschten Tatverdächtigen untergeordneter Hierarchieebenen handelt es sich überwiegend um Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren (vereinzelt bis zu 60 Jahre). Sie stammen aus der Republik Moldau, Rumänien, Georgien sowie der Ukraine und wurden großteils über Social-Media-Kanäle für unterschiedliche Aktivitäten rekrutiert.

Dimension der Ermittlungen

Der Ermittlungskomplex der "Operation Ancora" zählt zu den umfangreichsten Ermittlungsverfahren im Bereich der Schlepperkriminalität in den vergangenen Jahren. Insgesamt führten Ermittlerinnen und Ermittler über 150 Beschuldigtenvernehmungen durch, werteten hunderte Mobiltelefone aus und analysierten mehrere Terabyte an digitalen Daten. Im Zuge der Ermittlungen konnten mehr als 1.000 Schlepperfahrzeuge identifiziert werden. Zudem gelang es den Ermittlerinnen und Ermittlern, eine tödlich endende Flucht eines Schlepperfahrzeuges in Kroatien mit drei Todesopfern aufzuklären. Der aus den vergangenen beiden Jahren resultierende Ermittlungsakt umfasst mittlerweile rund 14.000 Seiten.

Symbolbild: "Operation Ancora": Internationales Schleppernetzwerk zerschlagen.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 30087 vom Dienstag, 10. März 2026, 16:02 Uhr
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