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Österreichisch-polnisches Gedenken in Niederösterreich
Am 20. August 2026 gedachte das Bundesministerium für Inneres gemeinsam mit der Botschaft der Republik Polen in Wien der polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Krason und Ludwik Michalski, die während ihrer Flucht mit einem Flugzeug am 21. August 1943 abstürzten.
In wenigen Tagen jährt sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Angriff Hitler-Deutschlands auf das benachbarte Polen zum 81. Mal. Seine Folgen sind bis heute immer noch spürbar und sichtbar, so wie etwa im niederösterreichischen Aspang-Markt im Bezirk Neunkirchen. Dort stürzten am 21. August 1943 die beiden polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Krason und Ludwik Michalski mit einem Bomber der Reihe Ju-88 wenige Kilometer nach ihrem Start vom Luftpark Wiener Neustadt auf ihrer Flucht in die Freiheit ab. Die beiden Piloten kamen ums Leben, wurden geborgen und zwei Tage später am Pfarrfriedhof in Unteraspang in einer anonymen Grabstätte beigesetzt. So wie die Grabinschrift des Kriegsgrabes verblasste auch die Erinnerung an diesen Vorfall im Laufe der Zeit. Vor wenigen Jahren wurde der Vorfall unter Federführung des Innenministeriums in seiner Verantwortung für die Kriegs- und Opfergräber zeithistorisch aufgearbeitet.
Da das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs eine fortwährende gesellschaftliche Verantwortung darstellt, fand am 20. August 2026 – am Vortag des Jahrestags des Absturzes – eine gemeinsame Gedenkveranstaltung des Bundesministeriums für Inneres und der Botschaft der Republik Polen in Unteraspang statt.
Nach der Eröffnung durch den für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständigen Abteilungsleiter im Bundesministerium für Inneres, Stephan Mlczoch, richteten der Nationalratsabgeordnete Thomas Elian in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leiter und die Bürgermeisterin der Marktgemeinde Aspang-Markt, Doris Faustmann, Grußworte an die Anwesenden. In seiner Gedenkansprache bekräftigte dann der Botschafter der Republik Polen in Österreich, Zenon Kosiniak-Kamysz, die Bedeutung des grenzüberschreitenden Gedenkens an die Opfer und des Bekenntnisses zu Frieden, Menschenwürde, Demokratie und historischer Verantwortung. Die darauffolgende Kranzniederlegung wurde unter zusätzlicher Teilnahme von Landespolizeidirektor-Stellvertreter Manfred Aichberger und dem Militärattaché der Republik Polen umrahmt von Ehrenposten der Landespolizeidirektion Niederösterreich sowie der Polizeimusik Niederösterreich durchgeführt. Zudem hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, mit einer weißen Rose ein persönliches Zeichen des Gedenkens zu setzen.
Die Veranstaltung unterstrich die nationalstaatliche und europäische Dimension der Erinnerungskultur. Gerade die internationale Beteiligung macht deutlich, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Folgen des Zweiten Weltkriegs auch eine gemeinsame europäische Erinnerung und ein solidarisches Eintreten für den Frieden erfordern.
Gedenken
Bereits am 31. August 2023 wurde von der Abteilung für historische Angelegenheiten im Bundesministerium für Inneres gemeinsam mit der Botschaft der Republik Polen in Wien die erste Gedenkveranstaltung vor Ort in Anwesenheit des Innenministers Gerhard Karner sowie des polnischen Gesandten Janusz Styczek und des stellvertretenden Direktors der Abteilung für Historische Forschung im polnischen Institut für nationales Gedenken Konrad Graczyk organisiert. Im Zuge der zeithistorischen Aufarbeitung wurde das Grab vom Innenministerium neugestaltet, eine Inschrift mit den Namen der beiden polnischen Staatsbürger darauf angebracht sowie eine zeithistorische Kontextualisierung an der Friedhofsmauer enthüllt.
Zeithistorische Aufarbeitung
Erst durch Recherchen von Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer sowie einigen Kennern aus der Region wurde man auf diesen Fall wieder aufmerksam. Unter Federführung des für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständigen Bundesministeriums für Inneres wurde dann im Zusammenwirken mit dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung und der Botschaft der Republik Polen das anonyme Grab exhumiert. Dank der archäologischen Begleitung vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien sowie der anthropologischen Untersuchungen des Naturhistorischen Museums Wien konnte die Identität der beiden Personen festgestellt werden. Im Grab aufgefundene Flugzeugteile konnten darüber hinaus dem Flugzeugtyp Ju-88 zugeordnet werden.