Sicherheitsakademie
Begegnungen, die bleiben
Mit Sensibilisierungsmaßnahmen bereitet die Sicherheitsakademie (SIAK) angehende Polizistinnen und Polizisten auf den Umgang mit Menschen in besonderen Lebenssituationen vor. Im Mittelpunkt stehen persönliche Begegnungen und praktische Erfahrungen.
Eine Gruppe der CS Caritas Socialis besuchte das Bildungszentrum Wien und erhielt Einblicke in die Polizeiausbildung
© SIAK
Bist du mein Sohn?“, fragt eine ältere Frau einen Polizeischüler und lächelt ihn an. Wenige Minuten später sitzen beide beim gemeinsamen Kartenspiel. Die Frau lebt mit Demenz. Für den angehenden Polizisten wird aus einem Ausbildungsinhalt eine persönliche Erfahrung. Auf solche Begegnungen setzt die Sicherheitsakademie (SIAK): Inklusion soll nicht nur vermittelt, sondern erlebt werden.
Seit 2024 ergänzt die SIAK ihre Aus- und Fortbildungsprogramme im Rahmen ihrer Corporate-Social-Responsibility-Initiative um Sensibilisierungsmaßnahmen. Ziel ist es, angehende Polizistinnen und Polizisten auf den Umgang mit Menschen mit Behinderungen, Demenz oder psychischen Erkrankungen vorzubereiten und eine barrierefreie sowie diskriminierungsfreie Dienstausübung zu fördern.
Lernen durch persönliche Begegnungen.
Die Initiative setzt auf unmittelbare Erfahrungen. In regionalen Kooperationen besuchen Polizeischülerinnen und Polizeischüler Tagesstätten, Werkstätten, Schulen und Pflegeeinrichtungen. Umgekehrt kommen Klientinnen und Klienten dieser Einrichtungen in die Bildungszentren der Sicherheitsakademie. Workshops, gemeinsame Aktivitäten und persönliche Gespräche fördern Empathie, Kommunikationsfähigkeit und gegenseitiges Verständnis.
Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit des Bildungszentrums Wien mit der Caritas Socialis. Seit 2024 nehmen jährlich vier Grundausbildungsklassen an Seminaren zum Thema Demenz teil. Nach einer Einführung in Krankheitsbild, Kommunikation und den Umgang mit Betroffenen folgt der persönliche Austausch mit Menschen mit Demenz. Gemeinsame Spiele, kreative Aktivitäten und Bewegungseinheiten schaffen eine Atmosphäre, in der Berührungsängste schwinden und gegenseitiges Verständnis wächst. Alle Wiener Polizeischülerinnen und Polizeischüler besuchen während ihrer Ausbildung außerdem eine psychiatrische Einrichtung. Weitere Projekte führen sie in das „Café Außergewöhnlich“, das Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt integriert, sowie in das Kinderhospiz-Netz Wien.
Kooperationen in ganz Österreich.
Ähnliche Kooperationen bestehen an nahezu allen Bildungszentren der SIAK. Im Bildungszentrum Eisenstadt arbeiten Polizeischülerinnen und Polizeischüler seit 2025 mit „Rettet das Kind Österreich“ zusammen, in Krumpendorf mit dem Verein Autark und in Linz mit der Lebenshilfe Steyr. Das Projekt „Lebenshilfe trifft Polizeischule“ wurde 2025 mit dem oberösterreichischen Inklusionspreis „Fliegender Fisch“ ausgezeichnet.
Sensibilisierung als dauerhafte Aufgabe.
Nicht nur Polizeischülerinnen und Polizeischüler profitieren von den Initiativen. Auch die Lehrenden werden eingebunden. Im September 2026 findet erstmals ein Workshop der Caritas unter dem Titel „Inklusion im Einsatz“ für hauptamtlich Lehrende aller Bildungszentren statt. Im Mittelpunkt stehen der Erfahrungsaustausch und die Weiterentwicklung der Sensibilisierung für den Umgang mit Menschen mit Behinderungen.
Die Anforderungen an die Polizei gehen weit über die klassische Gesetzesvollziehung hinaus. Menschen mit Behinderungen, Demenz oder psychischen Erkrankungen begegnen Einsatzkräften häufig in belastenden Situationen. Persönliche Begegnungen während der Ausbildung schaffen Verständnis und bereiten angehende Polizistinnen und Polizisten auf solche Einsätze vor.
Maria Lankmair
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026
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