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  2. Ausgabe 9-10/2026
  3. Interview Christian Stella

Interview

Sicherheit im Hintergrund

Cyber-Sicherheit und Digitalisierung verändern die Polizeiarbeit. Christian Stella, Leiter der Sektion IV im Innenministerium, über die Herausforderungen für die Sicherheitsverwaltung.

Christian Stella: „Wir schaffen die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Polizei.“
Christian Stella: „Wir schaffen die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Polizei.“
© Gerd Pachauer

Sie sind seit über einem Jahr Leiter der Sektion IV. Wo haben Sie in diesem ersten Jahr die Schwerpunkte gesetzt?
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung und dem Aufbau des Bundesamts für Cyber-Sicherheit. Gleichzeitig investieren wir in moderne IT, Infrastruktur und Ausrüstung. Die Sektion IV verantwortet ein sehr breites Spektrum – von der IT und Cyber-Sicherheit über das Bau- und Liegenschaftsmanagement bis zur Beschaffung von Fahrzeugen, Uniformen und Einsatzmitteln. Unser Ziel ist es, die Polizei technisch und organisatorisch so aufzustellen, dass sie ihre Aufgaben auch unter veränderten Rahmenbedingungen zuverlässig erfüllen kann.

Wie zeigt sich die Arbeit der Sektion IV im Polizeialltag?
Wir verstehen uns als Service-Sektion. Gute Arbeit merkt man oft gerade daran, dass sie kaum auffällt. Wenn die IT funktioniert, der Streifenwagen einsatzbereit ist oder die notwendige Schutzausrüstung rechtzeitig zur Verfügung steht, können sich die Kolleginnen und Kollegen ganz auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. Unser Ziel ist es, ihnen den Rücken freizuhalten. Je besser wir unsere Arbeit machen, desto besser können sie ihre erfüllen – nämlich für die Sicherheit der Menschen in Österreich zu sorgen.

Warum braucht Österreich ein Bundesamt für Cyber-Sicherheit?
Cyber-Sicherheit zählt zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Heute hängt nahezu der gesamte Polizeidienst von funktionierenden IT-Systemen ab. Ohne sie könnten viele Kernaufgaben der Polizei nicht mehr erfüllt werden. Wie wichtig deren Schutz ist, zeigen die täglichen Angriffe. Allein im vergangenen Jahr waren unsere Systeme an einzelnen Tagen rund 50 Millionen DDoS-Anfragen ausgesetzt – mutmaßlich auch durch staatliche Akteure. Gleichzeitig eröffnet künstliche Intelligenz Angreifern neue Möglichkeiten. Umso wichtiger ist es, unsere Systeme widerstandsfähig zu machen.
Mit dem Bundesamt für Cyber-Sicherheit schaffen wir dafür eine zentrale Organisationseinheit. Das Innenministerium trägt hier eine besondere Verantwortung, weil zahlreiche Regis­ter und digitale Anwendungen der öffentlichen Verwaltung über unsere Sys­teme betrieben werden. Unser Ziel ist es, die Cyber-Sicherheit nachhaltig zu stärken und Österreich noch besser gegen digitale Bedrohungen zu schützen.

Sie führen eine große Sektion mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Was ist Ihnen im Umgang mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besonders wichtig?
Führung beginnt für mich mit Kommunikation. Gute Entscheidungen entstehen, wenn man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zuhört und ihre Erfahrungen einbezieht. Sie kennen ihre Aufgaben und Herausforderungen oft am besten. Ebenso wichtig sind für mich Respekt und Transparenz. Nicht jede Entscheidung kann im Konsens getroffen werden, sie sollte aber nachvollziehbar sein. Wer die Gründe kennt, trägt Entscheidungen eher mit und kann sie auch gegenüber anderen vertreten.
Ich pflege einen kollegialen Führungsstil. Das Per-Du ist für mich Ausdruck einer offenen Unternehmenskultur – entscheidend sind jedoch gegenseitiger Respekt, Vertrauen und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Wenn Sie auf Ihre Laufbahn zurückblicken: Welche Erfahrungen helfen Ihnen in Ihrer heutigen Funktion am meisten?
Vor allem der unmittelbare Kontakt mit den Menschen hat mich geprägt. Als Streifenpolizist und später im Außendienst habe ich gelernt, wie wichtig rasche Entscheidungen, Teamarbeit und praxisnahe Lösungen sind. Am stärksten geprägt hat mich jedoch die Leitung der Flugpolizei. Dieser hochspezialisierte Bereich nimmt innerhalb der Polizei eine Sonderstellung ein und stellt besondere fachliche und organisatorische Anforderungen. Mein Anspruch war stets, die Flugpolizei als Aushängeschild des Innenministeriums weiterzuentwickeln. Mit dem Einsatz und der Abwehr von Drohnen ist in den vergangenen Jahren zudem ein Aufgabenfeld hinzugekommen, das kontinuierlich an Bedeutung gewinnt.
Auch meine Zeit als Landespolizeidirektor-Stellvertreter im Burgenland hat meinen Blick erweitert. Bei Projekten wie der Einführung von ELKOS oder dem Aufbau der Landesleitzentrale habe ich erlebt, wie wichtig es ist, Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umzusetzen. Diese Erfahrungen prägen meine Arbeit als Sektionschef bis heute.

Der Polizeiberuf war für Sie schon früh ein Berufswunsch. Wie ist dieses Interesse entstanden?
Der Polizeiberuf hat mich schon als Kind fasziniert. Meine Großmutter arbeitete im Gendarmeriezentralkommando, mein Großvater war Polizist in Wien. Ich habe viel Zeit mit ihnen verbracht und ihren Erzählungen über den Polizeialltag aufmerksam zugehört.
Besonders mein Großvater berichtete von seiner Arbeit in der Fernschreibstelle, über die damals Informationen zu Straftaten und Einsätzen einliefen. Seine Geschichten gaben mir einen Einblick in die Polizeiarbeit, den man über die Medien kaum bekam. Dadurch stand für mich schon früh fest, dass ich diesen Beruf ergreifen möchte. Deshalb bin ich unmittelbar nach der Matura, im August 1984, zur Polizei gegangen.

Christian Stella: „Unsere Arbeit im Hintergrund ermöglicht es der Polizei, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.“
Christian Stella: „Unsere Arbeit im Hintergrund ermöglicht es der Polizei, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.“
© Gerd Pachauer

Weiterbildung hat Sie während Ihrer gesamten Laufbahn begleitet. Warum war Ihnen das immer wichtig?
Ich war immer neugierig und wollte mich fachlich wie persönlich weiterentwickeln. Nach dem Chargenkurs und dem Offizierskurs boten sich später die Möglichkeit eines Bachelorstudiums und anschließend des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Strategisches Sicherheitsmanagement“, die ich gerne genutzt habe. Weiterbildung eröffnet neue Perspektiven und hilft, den eigenen Horizont zu erweitern. Besonders dankbar bin ich meinem Dienstgeber, der mich dabei unterstützt hat. Ohne diese Möglichkeit wäre mein beruflicher Weg so nicht denkbar gewesen.

Sie betreuen Bachelor- und Masterstudierende. Was nehmen Sie selbst aus dieser Zusammenarbeit mit?
Die Arbeit mit Studierenden macht mir große Freude, weil sie Wissenschaft und Praxis miteinander verbindet. Ich betreue Bachelor- und Masterarbeiten am FH Campus Wien sowie an der Fachhochschule Burgenland und versuche, Themen anzuregen, die auch für das Innenministerium einen Mehrwert bieten. Die Studierenden bringen neue Ideen und wissenschaftliche Methoden ein, wir steuern unsere Praxiserfahrung bei. So entstehen Arbeiten, deren Ergebnisse unmittelbar in die Polizeiarbeit einfließen können.
Während meiner Zeit bei der Flugpolizei wurden auf diese Weise unter anderem mehrere Arbeiten zum Thema Drohnen verfasst, deren Erkenntnisse teilweise bis heute genutzt werden. Davon profitieren beide Seiten: Die Studierenden arbeiten an praxisnahen Fragestellungen, und das Innenministerium erhält wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung seiner Arbeit.

Was würden Sie jungen Menschen sagen, die heute überlegen, Polizistin oder Polizist zu werden?
Zunächst würde ich ihnen zu dieser Entscheidung gratulieren. Der Polizeiberuf ist vielseitig, abwechslungsreich und bietet hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten. Kaum ein anderes Ressort eröffnet so viele unterschiedliche Karrierewege. Mein Rat ist, neugierig zu bleiben und die Chancen zu nutzen, die sich bieten. Ob im Streifendienst, in der Kriminalpolizei, in der IT, bei Spezialeinheiten oder in Führungsfunktionen – wer engagiert ist und bereit ist, sich weiterzuentwickeln, kann seinen eigenen Weg finden. Mein eigener Berufsweg zeigt, wie vielfältig diese Möglichkeiten sind. Ich habe als Inspektor begonnen und durfte im Laufe der Jahre ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Diese Erfahrungen haben mich persönlich und beruflich geprägt und schließlich bis in meine heutige Funktion als Sektionschef geführt.

Ein anspruchsvoller Beruf braucht einen Ausgleich. Wie schaffen Sie ihn?
Sport gehört für mich seit jeher zum Leben und ist bis heute der wichtigste Ausgleich zum Berufsalltag. Während meiner Zeit bei der WEGA waren die Voraussetzungen ideal – Lauftraining und Krafttraining gehörten selbstverständlich dazu. Viele Jahre habe ich außerdem aktiv Fußball gespielt. Heute ist Tennis meine große Leidenschaft. Wegen meiner Knie muss ich beim Fußball zwar etwas kürzertreten, Bewegung gehört aber weiterhin zu meinem Alltag. Besonders schön ist, dass ich dieses Hobby mit meiner Familie teilen kann. Mein jüngster Sohn ist 15 Jahre alt und ebenso sportbegeistert. In unserem kleinen Fitnessraum trainieren wir häufig gemeinsam – das hält fit und schafft zugleich wertvolle gemeinsame Zeit.

Interview: Michaela J. Löff

Zur Person

Christian Stella

  • Eintritt in die Bundespolizei: 1984 (nach der Matura)
  • Streifendienst, Verkehrsabteilung und WEGA
  • Stellvertretender Landespolizeidirektor im Burgenland
  • Projektleiter für die Einführung von ELKOS und den Aufbau der Landesleitzentrale Burgenland
  • Leiter der Flugpolizei
  • Kabinettschef im Bundesministerium für Inneres
  • Seit 1. März 2025 Leiter der Sektion IV – Cyber-Sicherheit, Digitalisierung und Service im Bundesministerium für Inneres
  • Betreuung von Bachelor- und Masterstudierenden

Ausbildung

  • Berufsbegleitendes Bachelorstudium „Polizeiliche Führung“
  • Masterstudiengang „Strategisches Sicherheitsmanagement“ (FH Wiener Neustadt)
  • Doktoratsstudium Public Policy/Public Administration (Danubius University)

Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026

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