Kroatien
Vertraute Hilfe im Urlaubsland
Wenn österreichische Urlauber in Kroatien Hilfe benötigen, unterstützen sie während der Sommermonate Polizistinnen und Polizisten aus ihrer Heimat. Sie helfen nach Diebstählen, dem Verlust von Dokumenten oder Verkehrsunfällen und arbeiten mit den kroatischen Behörden zusammen.
Wolfgang Zsivkovits (Mitte) unterstützte mit kroatischen Kollegen österreichische Urlaubsgäste an der Adriaküste. Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Projekts „Sicheres Reiseziel“ auf der Festung Sveti Nikola in Šibenik.
© Michael Ellenbogen; Innenministerium der Republik Kroatien MUP
Eine Urlauberin aus Polen fand auf der Insel Pag eine Tasche mit österreichischen Ausweisen und Bargeld. Über Bezirksinspektor Wolfgang Zsivkovits konnte der Besitzer rasch ausfindig gemacht werden. Noch während seiner Heimreise erhielt er seine Tasche zurück. „Als ich mit dem Herrn telefonierte und ihm den Fund mitteilte, hörte ich im Hintergrund, wie seine Frau und die Kinder jubelten“, erzählt der Polizeibeamte von der Polizeiinspektion Litzelsdorf im Bezirk Oberwart im Burgenland, der im Juli 2026 in der Hafenstadt Zadar Dienst versah. Solche Einsätze gehören zum Alltag der österreichischen Polizistinnen und Polizisten, die während der Sommermonate ihre kroatischen Kolleginnen und Kollegen unterstützen.
In Umag waren Revierinspektorin Ranka Gringinger von der Autobahninspektion Haid und Inspektor Fahir Alimujkic von der Polizeiinspektion Schärding aus Oberösterreich für die österreichische Polizei im Einsatz. Auch beim Fußballspiel zwischen NK Opatija und Austria Salzburg in Rijeka unterstützten sie ihre kroatischen Kolleginnen und Kollegen. Viele österreichische Fans nutzten die Gelegenheit zum Gespräch und freuten sich über die Polizeibediensteten aus ihrer Heimat. Während seines einmonatigen Einsatzes war Bezirksinspektor Wolfgang Zsivkovits nicht nur in Zadar, sondern auch auf den Inseln Ugljan, Pašman und Pag im Einsatz. Dabei unterstützte er seine kroatischen Kolleginnen und Kollegen unter anderem bei Kontrollen auf Campingplätzen.
Zusammenarbeit ohne Hoheitsbefugnisse.
Ranka Gringinger (li.) mit Fußballfans beim Spiel zwischen NK Opatija und Austria Salzburg in Rijeka
© Privat
Die österreichischen Polizistinnen und Polizisten verfügen in Kroatien über keine exekutiven Befugnisse. Sie dürfen ausschließlich im Rahmen von Nothilfe und Notwehr einschreiten. Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis funktioniert, zeigte auch ein Bootsunfall bei Zaton nahe Zadar. Gemeinsam mit kroatischen und deutschen Kollegen unterstützte Wolfgang Zsivkovits die Klärung des Sachverhalts. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um eine zivilrechtliche und nicht um eine strafrechtliche Angelegenheit handelte. Weitere Ermittlungen waren daher nicht erforderlich. Die meisten Einsätze betreffen verlorene Dokumente oder Wertgegenstände. Geht es um Straftaten, wird der Verbindungsbeamte des Innenministeriums an der österreichischen Botschaft in Zagreb eingebunden.
Bewährte internationale Kooperation.
Die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Kroatien besteht seit 2006. Während der Sommermonate unterstützten heuer 108 Polizeibeamtinnen und -beamte aus 23 Staaten die kroatische Polizei in den Tourismusregionen entlang der Adriaküste. Österreich beteiligte sich mit sechs Beamtinnen und Beamten, die im Juli und August in Umag und Zadar im Einsatz standen. Grundlage dafür bilden das bilaterale Polizeikooperationsabkommen sowie ergänzende europäische Rechtsvorschriften.
Den Erfolg dieser Zusammenarbeit würdigte Kroatien am 20. Juli 2026 mit einem Festakt auf der Festung Sveti Nikola in Šibenik. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Projekts „Sicheres Reiseziel“ bezeichnete der kroatische Vizepremier und Innenminister Davor Božinović die Initiative als internationales Markenzeichen der Sicherheitskooperation. Anton Drazina, Leiter der Polizeiverwaltung Zadar, sieht darin einen wichtigen Beitrag zur täglichen Zusammenarbeit: „Die österreichischen Polizeibediensteten helfen den Besucherinnen und Besuchern aus ihrem Heimatland bei der Kontaktaufnahme mit den zuständigen Behörden und stellen bei Bedarf auch den Kontakt zur österreichischen Botschaft her. Das ist für uns sehr hilfreich.“ „Das Projekt ,Sicheres Reiseziel‘ sollte auch auf die Vor- und Nachsaison ausgeweitet werden. Immer mehr österreichische Gäste besuchen die Adriaküste außerhalb der Sommermonate“, sagte Drazina.
Erfahrung, Sprache und Fingerspitzengefühl.
Umag: Ranka Gringinger (2.v.r) und Fahir Alimujkic (re.) mit kroatischen Polizeibediensteten
© Privat
Für einen Einsatz an der kroatischen Adriaküste reicht polizeiliche Erfahrung allein nicht aus. Voraussetzung sind gute Kroatischkenntnisse sowie die Bereitschaft, sich auf ein anderes Umfeld einzulassen. Die entsandten Beamtinnen und Beamten arbeiten täglich mit ihren kroatischen Kolleginnen und Kollegen zusammen und werden vollständig in deren Dienstbetrieb eingebunden.
Für Wolfgang Zsivkovits ist das keine Hürde. Als Burgenlandkroate kann er sich mit den kroatischen Kolleginnen und Kollegen problemlos verständigen. Die Begegnungen mit österreichischen Urlaubern seien meist positiv. „Meistens freuen sich die Besucher, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt“, erzählt er.
Bewährtes Modell.
Die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Kroatien hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten bewährt. Sie erleichtert nicht nur die Betreuung österreichischer Urlaubsgäste, sondern stärkt auch den fachlichen Austausch zwischen den Polizeibehörden beider Länder. Grundlage dafür sind das bilaterale Polizeikooperationsabkommen von 2007 sowie ergänzende europäische Rechtsvorschriften.
Für die österreichischen Polizistinnen und Polizisten ist der Erfolg des Projekts jedoch vor allem an den vielen kleinen Einsätzen des Alltags messbar – dann, wenn aus einem Problem im Urlaub dank rascher und unkomplizierter Hilfe keine langwierige Belastung wird.
Für Wolfgang Zsivkovits zeigt sich der Erfolg des Projekts in den vielen kleinen Einsätzen des Alltags. „Die Menschen freuen sich, wenn sie im Ausland auf Polizistinnen und Polizisten aus ihrer Heimat treffen.“ Für den Polizeibeamten aus dem Burgenland war der Sommerdienst in Kroatien vor allem eine Chance zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. „Stillstand war für mich beruflich nie eine Option“, sagt Zsivkovits.
Michael Ellenbogen
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026
Druckversion des Artikels (pdf, 437 kB)