Historisches Porträt
Der „Alte vom Berge“
Der Tiroler Gendarm Bartholomäus Del Pero machte sich auch als Schriftsteller einen Namen. Obwohl seine Muttersprache Italienisch war, verfasste er seine Werke auf Deutsch.
Bartholomäus Del Pero verwendete oft Sagenstoffe aus den Dolomiten in seinen lyrische Werken
© Werner Sabitzer
Er liebte die Berge Tirols und hielt sich viel in der Natur auf. Heimat und Natur waren auch bestimmende Themen in seinen literarischen Werken: Bartholomäus Del Pero aus dem Val di Sole in Südtirol war ein heimatverbundener Schriftsteller.
Bortolo Del-Pero wurde am 5. Februar 1850 in Pizzano, einem Ortsteil von Vermiglio an der Straße zum Tonalepass in Südtirol geboren. Er verbrachte die Kindheit in dem italienischsprachigen Bergdorf in ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater war Maurer und Kleinbauer; er wollte, dass Bortolo den Hof übernimmt und ebenfalls als Maurer arbeitet. Die Schulausbildung war dürftig und Bortolo musste schon früh am Hof mitarbeiten. Danach war er Maurergehilfe. Ab Herbst 1864 wohnte er in Venedig bei seinem älteren Bruder, einem Zivilgeometer der österreichischen Geniedirektion. Venedig gehörte damals zum Kaisertum Österreich. In der Lagunenstadt besuchte der Vierzehnjährige die Figur- und Bauzeichenschule der Akademie der schönen Künste, kehrte aber im April 1865 auf dringendem Wunsch seines Vaters zur landwirtschaftlichen Arbeit in sein Heimatdorf nordwestlich von Trient zurück. Im Herbst 1865 kam Bortolo wieder nach Venedig und setzte seine Ausbildung in der Akademie fort. Als jedoch in der Lagunenstadt ein Krieg drohte, musste der Südtiroler Ende Jänner 1866 wieder nach Hause reisen. Die Venedig-Aufenthalte bezeichnete Bortolo später in einem seiner Werke als seine schönste Jugendzeit.
Als Zwanzigjähriger trat Bortolo am 30. September 1870 den dreijährigen Wehrdienst bei den Tiroler Kaiserjägern an. Im Grundbuchblatt war vermerkt: „Muttersprache: Italienisch. Beruf: Maurerpolier“. Als Südtiroler verstand er zwar etwas Deutsch, erlernte die deutsche Sprache aber erst bei den Kaiserjägern richtig. Auf Ersuchen seines Vaters kehrte Bortolo nach dem Wehrdienst auf den kleinen Bauernhof zurück und arbeitete wieder als Maurer.
Gendarmerie-Karriere.
1878 trat Bartholomäus Del Pero, wie er sich nun eingedeutscht nannte, als Probegendarm in das Landesgendarmeriekommando (LGK) für Tirol und Vorarlberg ein und zog nach Innsbruck. Am 1. Juli 1879 wurde er Titularpostenführer und am 6. Februar 1881 Titularwachtmeister. Im LGK übertrug man ihm die Agenden des Verrechnungswesens. Am 1. Mai 1883 wurde er Rechnungswachtmeister und 1884 legte er die Prüfung zum Rechnungsführer ab. Jeweils am 1. November wurde er 1894 Leutnant, 1897 Oberleutnant, 1898 Hauptmannrechnungsführer 2. Klasse und 1901 Hauptmannrechnungsführer 1. Klasse. 1911 trat Del Pero 61-jährig auf eigenes Ansuchen bei der Gendarmerie in den Ruhestand.
Heimatverbundener Lyriker.
Bartholomäus Del Pero (um 1930): Gendarmerieoffizier und Schriftsteller
© Nachlass Hans Lederer/Forschungsinstitut Brenner-Archiv
Bartholomäus Del Pero verfasste vorwiegend lyrische Werke und verwendete oft Sagenstoffe aus den Dolomiten und dem Trentino. Auch die Natur und sagenumwobene Orte wie den Thiersee bei Kufstein verarbeitete er lyrisch. Dazu kamen Berglieder, Erzählungen sowie Bären- und Jagdgeschichten aus dem Val di Sole. 1889 erschien Del Peros erster Gedichtband „Bilder und Sagen“ mit Gedichten und Balladen aus Tirol. 1913 folgte ein zweiter Band mit dem Titel „Spuren eines Lebens“. Das Werk enthielt laut den „Innsbrucker Nachrichten“ vom 5. Februar 1925 „Marksteine einer dichterischen Selbstbiographie Del Peros in stimmungsvollen Liedern, die Heimat und Hochgebirgsnatur, Vaterland und Volkstum bekränzen“. Diese Publikation enthielt das Melodram „Schlacht auf dem Berg Isel“, eine Verherrlichung des Tiroler Freiheitskampfes, angefügt, das von Josef Pembaur sen. vertont wurde.
1931 veröffentlichte Del Pero den Gedichtband „Zwischen Karwendel und Dolomiten“, in dem er die Bergwelt der Dolomiten und des Karwendelgebirges pries. „Die Gemüts- und Gedankenwelt eines mit Dichteraugen und sinnendem Geiste genießenden Alpinisten findet hier in kräftiger Lebensbejahung und vollendeter Form poetischen Ausdruck“, hieß es in einer Rezension in den „Tiroler Heimatblättern“. Del Pero veröffentlichte unzählige literarische Beiträge in einer Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, vor allem in den „Innsbrucker Nachrichten“ und den „Tiroler Heimatblättern“. In seinem Nachlass fand man auch eine Sammlung unveröffentlichter Lyrik in italienischer Sprache, die er in das Deutsche übersetzte.
Ab den 1880er-Jahre stand Del Pero in freundschaftlichem Kontakt mit einer Reihe von Literaten, darunter Martin Greif, Angelika und Ludwig von Hörmann, Anton Müller (Pseudonym: Bruder Willram), Johann Georg Obrist, Josef Weingartner und Ignaz Vinzenz von Zingerle. Del Peros dichterisches Vorbild und Förderer war der bekannte Tiroler Schriftsteller, Naturforscher und Universitätsprofessor Adolf Pichler (1819–1900), den er 1888 kennengelernt hatte. Im Literatenkreis „Adolf-Pichler-Gemeinde“ wirkte er an der Herausgabe der Werke von Adolf Pichler, Anton Renk und Franz Kranewitter mit. Bis ins hohe Alter engagierte sich Del Pero im Deutschen und Österreichischen Alpenverein in Innsbruck.
„Hochlandsänger“.
Bartholomäus Del Pero wurde mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone, der Bronzenen Militärverdienstmedaille und weiteren Ehrenzeichen ausgezeichnet. Seine Frau Antonia Kleisl (1856–1927) wirkte ebenfalls als Schriftstellerin und veröffentlichte Erzählungen in einigen Zeitschriften. Auch Del Peros Tochter Silvia (1880–1960) verfasste Gedichte. Bartholomäus Del Pero starb 83-jährig am 13. Mai 1933 in Innsbruck. Die Stadt widmete ihm ein Ehrengrab auf dem Innsbrucker Westfriedhof. Der Dichter Karl Paulin beendete seinen Nachruf auf Del Pero mit dem Satz: „Nun deckt die Heimaterde den Leib des Hochlandsängers, auf sein Grab schauen die ewigen Berge nieder, die er wie kein anderer geliebt, und die Heimat bekränzt in Dank und Verehrung den Namen ihres treuen Sohnes, ihres Dichters.“
Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Del Pero, Bartholomäus: Bilder und Sagen. Wagner, Innsbruck 1889
Del Pero, Bartholomäus: Spuren eines Lebens. Ausgewählte Gedichte. Schmidt, München 1913
Del Pero, Bartholomäus: Zwischen Karwendel und Dolomiten. Neue Gedichte. Das Bergland-Buch, Graz, Wien, Leipzig, Berlin 1931
Del Pero, Bartholomäus: Der Probegendarm. In: Tiroler Sonntagsblatt, 5. Jänner 1930
Tiroler Heimatblätter 1931, 9. Jg., Heft 10, S. 357
Lederer, Hans: Ein treuer Freund Adolf Pichlers. Bartholomäus Del-Pero, dem Altmeister der Tiroler Dichter, zu seinem 80. Geburtstage am 5. Februar 1930. In: Innsbrucker Nachrichten, Nr. 28/1930, S. 5-6
Paganini, Oriana: Bartolomeo Del Pero. Ein Dichter aus dem Val di Sole in Innsbruck. In: Tiroler Almanach/Almanacco Tirolese. Nr. 2000/01, S. 116
Paulin, Karl: Firnenfreund in Silberlocken. Zum 100. Geburtstag des Tiroler Lyrikers Bartholomäus Der Pero. In: Tiroler Tageszeitung, Nr. 34/1951, S. 8
Prem, Simon Marian: Bartholomäus Del-Pero. Zu seinem 70. Geburtstag. In: Innsbrucker Nachrichten, 4. Februar 1920, S. 1
Bartholomäus Del-Pero, 75 Jahre alt. In: Tiroler Anzeiger, 31. Jänner 1925
Bartholomäus Del Pero. In: Herrmann Schneider, Hildegard: Andreas Hofer und die Tiroler Freiheitskämpfe als musikalisches Sujet. Ereignisse – Heldentum –Erinnerung. In: Der Schlern, Jg./Nr. 7, 2009, S. 4-53
Bartholomäus Del Pero. (Gestorben am 13. Mai 1933). In: Tiroler Heimatblätter, Nr. 7-8/1933, S. 287-288
Forschungsinstitut Brenner-Archiv, Universität Innsbruck (Hg,): Bartholomäus Del Pero. Eintrag in: Lexikon Literatur Tirol, literaturtirol.at/lexikon/92
Bartholomäus Del Pero
Der Alte vom Berge
Bin vom Berg der Kräutermann,
Wurzelgräber, Schätzeheber –
Alle Kräuter kenn‘ ich,
Alle Blumen nenn‘ ich –
Meine Heimat ist der Tann.
Was der Sommer reich mir bot,
Farbenprächtig, zaubermächtig,
Bring‘ ich froh zu Markte,
Dass der Mensch erstarkte,
Zu bezwingen selbst den Tod.
In den Kräutern, Wurzeln kreist
Kraft des Strebens, Kraft des Lebens,
Zu verjüngen wieder,
Was liegt alt darnieder,
Zu verjüngen Herz und Geist.
Alles ist, was ich gewann,
Farbenprächtig, zaubermächtig –
Selbst die blaue Blume
Zu des Berges Ruhme
Schenkte mir der Tann.
Nur zwei Groschen für das Stück!
Kauft euch Kräuter, arme Häuter,
Die ihr lässt voll Bangen,
Tief die Köpfe hangen!
Kauft euch Frohsinn, Jugend, Glück!
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026
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