Gedenkstätten für Exekutivbeamte (38)
Ehrenmal in Ebensee
Durch die Detonation eines Sprengkörpers in der Saline Ebensee kam der Gendarmeriebeamte Kurt Gruber ums Leben. Eine Gedenkstätte in Ebensee erinnert an den ermordeten Rayonsinspektor.
Ehrenmal in Ebensee für den bei einem Sprengstoffanschlag getöteten Gendarmen Kurt Gruber
© Werner Sabitzer
Am 23. September 1963, kurz nach sechs Uhr früh, detonierte an der Traunsee-Uferstraße zwischen Traunkirchen und Ebensee in Oberösterreich eine Bombe und zerstörte das 1861 errichtete Löwendenkmal. Zwei Motorradfahrer, die während der Detonation am Denkmal vorbeifuhren, blieben unverletzt.
Eineinhalb Stunden später entdeckte der 23-jährige Johann Gaigg, Kabinenführer der Feuerkogelseilbahn in Ebensee, ein Paket, das vom Dach einer Gondel gefallen war. Gaigg glaubte, dass es sich um einen Lausbubenstreich gehandelt habe. Das Paket war aber eine Sprengfalle. Der Zeitzünder war auf 14 Uhr eingestellt. In der Gondelkabine befanden sich fünf Schulkinder. Spezialisten entschärften die Bombe. Gegen acht Uhr entdeckte ein Arbeiter in der Saline Ebensee an einem Solereinigungsbehälter einen schwarzen, tickenden Wecker. Von ihm führten Zündschnüre zu zwei Hohlladungen und zu einem Sprengkörper. Kurz nach zehn Uhr begannen fünf Gendarmeriebeamte mit der Entschärfung. Sie schnitten die Zündschnüre durch und entfernten die Sprengladungen. Der 42-jährige Kurt Gruber von der Erhebungsabteilung des Landesgendarmeriekommandos Oberösterreich nahm die abgeschnittene Zündschnur eines Sprengsatzes in die Hand. Allerdings gab es auch einen Zugzünder. Plötzlich detonierten Teile des Sprengkörpers. Hohe Mengen an Sole ergossen sich aus den zerstörten Behältern.
Rayonsinspektor Kurt Gruber
© LPD Wien
Rayonsinspektor Gruber wurde sofort getötet. Seine Kollegen Bezirksinspektor Johann Winkler und Rittmeister Albrecht Schröder, dessen Sohn Klaus Albrecht Schröder später Direktor des Museums „Albertina“ in Wien war, wurden schwer verletzt. Weitere Anwesende, darunter ein Richter erlitten leichte Verletzungen.
An den Tatorten in Ebensee stellte man hinterlegte Ausweise der neofaschistischen Jugendorganisation „Giovane Italia“ mit der aufgedruckten Botschaft „Hände weg von den Carabinieri!“ sicher. Der Sprengstoff-Sachverständige Polizeimajor Alois Massak stellte fest, dass es sich bei der Sprengladung um reines TNT für militärische Zwecke handelte. Der elektrische Spezialzünder und der „Veglia“-Wecker waren italienische Erzeugnisse.
Die Fahndung nach den Bombenlegern verlief zunächst erfolglos. Eine Spur führte nach Italien: Die Sprengkörper ähnelten jenem vom Anschlag auf das Andreas-Hofer-Denkmal am Berg Isel in Innsbruck zwei Jahre zuvor. Außerdem hatten Zeugen ein Auto mit italienischem Kennzeichen gesehen.
Auch bei einem Sprengstoffanschlag in Wien führten die Spuren nach Italien: Am 18. August 1962 wurde ein Sprengstoffanschlag auf das „Russendenkmal“ am Schwarzenbergplatz vereitelt. Auf einem Sockel des Bauwerks entdeckte man eine Tasche mit etwa fünf Kilogramm TNT und einem Wecker-Zeitzünder. Bei der Sprengung des Andreas-Hofer-Denkmals am Berg Isel am 1. Oktober 1961 war ein gleichartiger Wecker verwendet worden. In der Tasche befanden sich auch 29 Blankomitgliedsausweise der ASAN (Associazione Studentesca Azione Nazionale), einer den Neofaschisten nahestehenden Studentenorganisation.
Milde Strafen.
Im Februar 1965 nahmen italienische Polizisten bei einer Razzia in Genua viele Neofaschisten fest. Einer der Festgenommenen, der 28-jährige, ehemalige Fremdenlegionär Giorgio M., gab zu, an den Attentaten in Ebensee beteiligt gewesen zu sein. Aufgrund seiner Aussagen wurden vier weitere Verdächtige verhaftet. Als Motiv nannte er „Vergeltung“ für die Attentate österreichischer Extremisten in Italien. Bei Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler Tagebuchaufzeichnungen, Situationspläne, Fotos und Ausweise der „Giovane Italia“. Die mutmaßlichen Attentäter von Ebensee wurden freigelassen, nachdem der italienische Justizminister seine Zustimmung zu einer Anklage verweigert hatte. Eine solche Zustimmung wäre für ein im Ausland verübtes Verbrechen notwendig gewesen. Im August 1967 kam es doch noch zu einem Prozess. Allerdings war nur einer der Beschuldigten im Gerichtssaal anwesend, die anderen vier waren untergetaucht oder hatten sich ins Ausland abgesetzt. wegen fahrlässiger Tötung, Sprengstoffbesitz und eines Anschlags auf die öffentliche Sicherheit und die Sicherheit von Verkehrseinrichtungen. 1971 reduzierte das Berufungsgericht die Höhe der Haftstrafen beträchtlich. Giorgio M. war in der Zwischenzeit verstorben.
Über die mutmaßlichen Leute im Hintergrund der Anschläge wurde nicht verhandelt. Erst später verdichteten sich Aussagen und Indizien, dass die neofaschistische Bewegung MSI (Movimento Sociale Italiano) und der italienische Militärgeheimdienst SIFAR (Servizio Informazioni Forze Armate) an den Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen.
Südtirol-Konflikt.
Wecker der Sprengfalle von Ebensee
© Werner Sabitzer
Tiroler Nationalisten („Südtirol-Bumser“) verübten in Südtirol in den 1960er-Jahren eine Reihe von Anschlägen, um die Autonomie der deutschsprachigen italienischen Provinz herbeizuführen. Die erste Anschlagserie wurde mit der „Herz-Jesu-Nacht“ vom 11. auf den 12. Juni 1961 eingeleitet. Im Raum Bozen und Meran wurden fast 40 Strommasten gesprengt, sowie Eisenbahneinrichtungen und faschistische Denkmäler. Ein italienischer Eisenbahnbediensteter kam bei der Entschärfung einer Sprengladung ums Leben. Die zweite Anschlagserie war gewaltiger. Insgesamt gab es mehr als 300 Sprengstoffanschläge auf Strommasten, Polizeikasernen und andere italienische Einrichtungen.
Am 20. August 1966 wurde auf das Wiener Stadtbüro der italienischen Fluglinie „Alitalia“ ein Sprengstoffanschlag mit vier Kilogramm TNT verübt. Der Sachschaden war groß, Menschen kamen nicht zu schaden. Bei den Tätern handelte es sich nicht um Italiener, sondern um zwei Österreicher, die zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.
Der Südtirol-Konflikt schwelte weiter. 1969 wurde ein zweites Autonomie-Abkommen unterzeichnet, aber erst mit dem Autonomie-Paket von 1992 wurde der Streit zwischen Österreich und Italien endgültig beigelegt.
Ehrenmal.
Beim Kriegerdenkmal im Zentrum Ebensees erinnert eine Skulptur an den beim Sprengstoffanschlag ums Leben gekommenen Gendarmeriebeamten Kurt Gruber. Das Ehrenmal wurde vom akademischen Bildhauer Johann (Hans) Kienesberger (1948–2019) aus Ebensee geschaffen. Auf einer gebogenen Mauer befindet sich ein dreiteiliges Kupferrelief. Links davon stehen die Worte „DEM ⁄ GEDENKEN / DES /GENDARMINSP. / KURT / GRUBER / DER HIER / IN SEINER / PFLICHT- / ERFÜLLUNG / DEN TOD FAND“. Auf der rechten Seite des Ehrenmals befindet sich ein Kreuz mit der Jahreszahl 1963 und folgende Schrift: „GEWIDMET VON DER GENDARMERIE ERS. ABT. LINZ“. Das zerstörte Löwendenkmal wurde 1964 wieder aufgebaut.
Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Kassmannhuber, Alfons: Ehrenmal – im Gedenken an Gendarmerierayonsinspektor Kurt Gruber. In: Illustrierte Gendarmerierundschau, Nr. 12/1966, S. 7-8
Riegler, Thomas: Bomben & Geheimnisse: Die Attentate von Ebensee. In: salto.bz, 22. September 2018, www.salto.bz/de/article/22092018/die-attentate-von-ebensee
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026
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