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  3. Dauerausstellung

Dauerausstellung

Gendarmeriegeschichte zum Anfassen

Kurator Michael Beyrer (Mitte) und Mitglieder der Traditionsgendarmerie Kärnten; Exponate der Gedarmerieausstellung
Kurator Michael Beyrer (Mitte) und Mitglieder der Traditionsgendarmerie Kärnten; Exponate der Gedarmerieausstellung
© Exekutivhistorischer Verein Vorarlberg, Vmw

In der Vorarlberger Museumswelt in Frastanz wurde am 9. Juni 2026 die Dauerausstellung „1850 – 2005. 155 Jahre Gendarmerie in Vorarlberg“ eröffnet. Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Gendarmerie von ihren Anfängen bis zur Polizeireform 2005.

Träger der Ausstellung ist der bei der Landespolizeidirektion Vorarlberg angesiedelte Exekutivhistorische Verein Vorarlberg (EHV-V), der 2020 gegründet wurde. Dem Verein gehören mehr als 70 Mitglieder an. Präsidentin ist Landespolizeidirektorin Uta Bachmann.
Die Wurzeln der Sammlung reichen bis in die Gendarmerieschule Feldkirch-Gisingen zurück, wo ab 1953 eine Sammlung für Ausbildungszwecke entstand. Nach mehreren Standortwechseln und Jahren der Einlagerung entstand die Initiative, die historischen Bestände dauerhaft zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit der Vorarlberger Museumswelt in Frastanz fand sich schließlich ein geeigneter Partner. Die Gendarmerieausstellung bildet den ersten Baustein eines künftigen „Blaulichtmuseums“, das die Geschichte der Sicherheits- und Rettungsorganisationen des Landes dokumentieren soll.

Das Ausstellungskonzept orientiert sich an den politischen und gesellschaftlichen Epochen vom Vormärz bis zur Zweiten Republik. Es basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Institutionsgeschichte und legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Gendarmerie in Vorarlberg. Dargestellt werden die vielfältigen Aufgaben der Exekutive ebenso wie die Integration von Frauen in den Gendarmeriedienst seit den 1990er-Jahren. Ein museumspädagogisches Programm für die polizeiliche Grundausbildung soll angehenden Polizistinnen und Polizisten die Entwicklung der Exekutive sowie die Bedeutung von Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechten vermitteln. Für Kinder und Familien bietet die Ausstellung interaktive Stationen, eine historische Arrestzelle und eine kriminalistische Spurensuche.

Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg.

Exponate der Dauerausstellung in Frastanz: Dorfgendarm und Hundeführer
Exponate der Dauerausstellung in Frastanz: Dorfgendarm und Hundeführer
© Exekutivhistorischer Verein Vorarlberg, Vmw

Der Rundgang beginnt mit den Wurzeln der Gendarmerie im österreichischen Lombardo-Venetien und führt zur Gründung der k.k. Gendarmerie in Vorarlberg ab 1849/50. Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und zeitgenössische Objekte dokumentieren die Entwicklung der Organisation bis zum Ersten Weltkrieg. Zu den besonderen Exponaten zählt ein originales Schreibpult aus einer Gendarmeriepostenkanzlei, das erhalten und restauriert werden konnte. Es veranschaulicht den Dienstalltag der Gründerzeit und steht zugleich für den Erhalt historischer Sachzeugnisse.

Vom Ende der Monarchie bis zum Neubeginn.

Der Übergang von der Monarchie zur Ersten Republik bildet einen zentralen Abschnitt der Ausstellung. Gründungsdokumente des Landesgendarmeriekommandos Vorarlberg aus dem Jahr 1920 sowie die historische Kommandofahne dokumentieren den Aufbau der Sicherheitsverwaltung im neuen Bundesstaat. Ein weiterer Schwerpunkt erinnert an den Begründer der wissenschaftlichen Kriminalistik, Hans Gross, dessen Arbeiten die kriminalpolizeiliche Entwicklung nachhaltig prägten. Ein eigener Ausstellungsbereich widmet sich der Zeit des Austrofaschismus und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Anhand ausgewählter Exponate und der Biografien eines Täters, eines Mitläufers und eines Opfers wird die Rolle der Exekutive wissenschaftlich fundiert und kritisch aufgearbeitet. Der anschließende Abschnitt behandelt den Wiederaufbau der Gendarmerie nach 1945 und ihren institutionellen Neubeginn unter den Bedingungen der französischen Befreiungsmacht sowie den Aufbau eines demokratischen Sicherheitswesens.

Dienstalltag im Wandel.

Ein nachgebildeter Gendarmerieposten vermittelt einen Eindruck vom Polizeialltag vor der Digitalisierung. Originale Büroeinrichtungen, historische Arbeitsmittel und Fahrzeuge zeigen, wie sich Verwaltung, Ermittlungen und Streifendienst im Laufe der Jahrzehnte verändert haben. Exponate zur Kriminaltechnik, zum Verkehrsdienst und zur Arbeit der Diensthundeführer dokumentieren den technischen Fortschritt und den Wandel polizeilicher Aufgaben. Ein weiterer Themenbereich zeigt die historische Rolle der Gendarmerie bei Rettungs- und Katastropheneinsätzen. Dokumentiert werden unter anderem die Entwicklung des Flugeinsatzwesens nach der Lawinenkatastrophe 1954 sowie die Zusammenarbeit mit mit den Feuerwehr- und Rettungsorganisationen.

Technik und Exekutivdienst.

Mehrere Ausstellungsbereiche dokumentieren die technische Entwicklung der Gendarmerie – von der Kommunikation über Bewaffnung und Ausrüstung bis zum Fahrzeugwesen. Sie zeigen den Wandel der Exekutive im Zuge des technischen Fortschritts. Ein nachgestellter Tatort vermittelt Einblicke in die kriminaltechnische Spurensicherung. Ergänzt wird dieser Bereich durch Exponate zur Vorarlberger Kriminalgeschichte sowie zur Arbeit der Diensthundeführer.
Ein weiterer Fokus widmet sich dem Streifendienst. Anhand einer vollständig ausgestatteten Patrouillentasche werden die Einsatzmittel des damaligen Polizeialltags anschaulich dargestellt. Auch der Verkehrsdienst ist mit historischen Exponaten vertreten. Zu sehen sind unter anderem Geräte zur Geschwindigkeitsmessung, ein Alkomat der ersten Generation sowie Unterlagen zur früheren Verkehrsunfallaufnahme vor dem Einsatz moderner Messtechnik.

Erinnern und reflektieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das restaurierte Bundeswappen der ehemaligen Schulabteilung des Landesgendarmeriekommandos Vorarlberg, unter dem Generationen von Gendarmen ihren Diensteid auf die Republik Österreich ablegten. Ein weiterer Ausstellungsbereich widmet sich dem polizeilichen Anhaltevollzug und greift anhand des Falls des „vergessenen Häftlings“ von Höchst 1979 Fragen nach Rechtsstaatlichkeit und staatlichem Gewaltmonopol auf.

Von der Gendarmerie zur Polizei.

Historische Amtsschilder und Dienststellenbezeichnungen zeichnen die Entwicklung der österreichischen Exekutive von der Eingliederung der Zollwache bis zu den Behördenreformen und der Entstehung der heutigen Landespolizeidirektionen nach. Die Repräsentationsuniform des verstorbenen Polizeiseelsorgers Otto Krepper steht stellvertretend für die Gegenwart der Polizei.
Die Kinderecke mit interaktiven Elementen vermittelt jungen Besucherinnen und Besuchern spielerisch die Aufgaben der Polizei. Grenz- und Amtsschilder verweisen zugleich auf die besondere Lage Vorarlbergs im Vierländereck. Den Abschluss des Rundgangs bildet ein Bereich über die Vorarlberger Einsatzeinheit und das Einsatzkommando Cobra. Er erinnert an die Entstehung der Sondereinsatzgruppe in Vorarlberg und würdigt die Leistungen moderner Spezialeinheiten.

Ehrenamtliches Engagement.

EHV-Vorstand: Obmann-Stv. Roland Messmer, Präsidentin Uta Bachmann und Obmann Michael Beyrer
EHV-Vorstand: Obmann-Stv. Roland Messmer, Präsidentin Uta Bachmann und Obmann Michael Beyrer
© Exekutivhistorischer Verein Vorarlberg, Vmw

Die Ausstellung wurde ohne öffentliche Fördermittel ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement der Mitglieder des Exekutivhistorischen Vereins und der Vorarlberger Museumswelt verwirklicht. Trotz begrenzter finanzieller Mittel entstand eine wissenschaftlich fundierte Ausstellung, die die Geschichte der Gendarmerie dauerhaft dokumentiert.
Die Dauerausstellung wurde im Beisein zahlreicher Gäste aus Polizei, Politik, Museen und Traditionsvereinen eröffnet. Musikalisch begleitet von der Vorarlberger Polizeimusik marschierte eine Abordnung der Kärntner Traditionsgendarmerie in historischen Uniformen auf. Auch ehemalige Gendarmen sowie Vertreter exekutivhistorischer Vereinigungen aus mehreren Bundesländern nahmen an der Feier teil.
In ihren Ansprachen würdigten die Festredner die Bedeutung der Ausstellung für die Bewahrung der Geschichte der österreichischen Gendarmerie sowie ihren Beitrag zur Bildungsarbeit. Hervorgehoben wurden insbesondere das ehrenamtliche Engagement der Beteiligten und die enge Zusammenarbeit zwischen dem Exekutivhistorischen Verein, der Landespolizeidirektion Vorarlberg und der Vorarlberger Museumswelt. Im Rahmen des Festakts wurden verdiente Vereinsmitglieder ausgezeichnet, bevor die museale Präsentation offiziell eröffnet wurde.
Die Dauerausstellung „1850–2005. 155 Jahre Gendarmerie in Vorarlberg“ befindet sich in der Vorarlberger Museumswelt in Frastanz. Sie kann während der Öffnungszeiten des Museums sowie nach vorheriger Terminvereinbarung besucht werden.
www.museumswelt.com  

Michael Beyrer


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026

 Druckversion des Artikels (pdf, 506 kB)

 

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