Prävention
Spielerisch Sicherheit lernen
Die Idee eines ehemaligen Vorarlberger Gendarmen wurde zu einer österreichweiten Erfolgsgeschichte. Im Wiener Prater feierte die Kinderpolizei ihr 20-jähriges Bestehen.
Bundespolizeidirektor Michael Takács und Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl feierten mit Kindern das 20-jährige Bestehen der Kinderpolizei im Wiener Prater
© Tobias Bosina
Tommi-Bär, Maskottchen der Kinderpolizei
© BMI
Mit einem großen Fest im Verkehrsgarten des Wiener Praters feierte die Kinderpolizei am 1. Juli 2026 ihr 20-jähriges Bestehen. Rund 400 Volksschulkinder der dritten und vierten Schulstufe erlebten einen abwechslungsreichen Präventionstag. An interaktiven Stationen lernten sie spielerisch, Gefahren im Alltag, im Internet und im Straßenverkehr zu erkennen und richtig zu handeln. Gemeinsam mit Feuerwehr, Jugendrotkreuz und Johannitern erkundeten sie Einsatzfahrzeuge und erlebten Vorführungen der Polizeidiensthunde.
An der Veranstaltung nahmen unter anderem Bundespolizeidirektor Michael Takács, Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl und AUVA-Generaldirektor Alexander Bernart teil. Kinderpolizeipräsident Robert Steiner führte gemeinsam mit Maskottchen „Tommi“ durch das Programm. Zwanzig Jahre Kinderpolizei stehen für gelebte Prävention, Vertrauen und die Stärkung von Kindern. Begonnen hat alles mit einer Idee des Vorarlberger Gendarmen Markus Amann. Aus einer regionalen Initiative entstand eine Erfolgsgeschichte, die seither hunderttausende Kinder erreicht hat.
Vertrauen statt Angst.
Für Markus Amann war Prävention von Beginn an mehr als die Vermittlung von Regeln. Schon als junger Gendarm in Vorarlberg war er überzeugt, dass Sicherheitsarbeit bei den Jüngsten beginnen muss. Sein Ziel war es, Kindern Gefahren verständlich zu machen und gleichzeitig Vertrauen in die Polizei aufzubauen.
„Kinder sind unsere Zukunft. Wir müssen sie frühzeitig über mögliche Gefahren aufklären. Nur dann können sie sich selbst entwickeln und stark werden – im Straßenverkehr genauso wie im Alltag“, sagt Amann. Ebenso wichtig war ihm, Vertrauen zwischen Polizei, Kindern und Eltern aufzubauen. „Viele Menschen verbinden die Polizei vor allem mit Strafen oder negativen Erfahrungen. Wir wollten Vertrauen schaffen und den Familien zeigen, dass die Polizei ein verlässlicher Partner ist.“ Aus diesem Gedanken entstand eine Idee, die weit über Vorarlberg hinaus Wirkung entfalten sollte.
Von Vorarlberg nach ganz Österreich.
Markus Amann, Initiator der Kindergendarmerie
© www.ogv.at
Am Anfang stand die Überzeugung eines einzelnen Gendarmen. Im Jahr 2000 setzte Markus Amann seine Idee in Vorarlberg in die Praxis um – zunächst mit viel persönlichem Engagement und Überzeugungsarbeit. „Es war nicht einfach, Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzte von der Idee zu überzeugen“, erinnert sich Amann. „Ich denke an unzählige Gespräche, viele Abstimmungstermine und zahlreiche Zugfahrten nach Wien. Aber ich war überzeugt, dass sich der Einsatz lohnt.“
Der Erfolg gab ihm recht. Die Kinderpolizei wurde in Vorarlberg von Kindern, Eltern und Schulen begeistert aufgenommen und fand auch in den Medien große Resonanz. Das Interesse wuchs rasch über Vorarlberg hinaus. Schließlich griff auch das Innenministerium die Initiative auf. 2005 fiel die Entscheidung, die Kinderpolizei auf ganz Österreich auszuweiten.
Spielerisch Sicherheit lernen.
Die Kinderpolizei vermittelt Volksschulkindern auf spielerische Weise Grundlagen der Verkehrs- und Kriminalprävention. Im Mittelpunkt stehen Verantwortung, Rücksichtnahme und Zivilcourage. Die Kinder lernen, Gefahren zu erkennen, Konflikte friedlich zu lösen und sich im Straßenverkehr sicher zu verhalten.
Nach der Einführung der Kinderpolizei führte Markus Amanns beruflicher Weg über zahlreiche Stationen der Öffentlichkeitsarbeit. Er war Pressesprecher des Landesgendarmeriekommandos Vorarlberg, Sprecher der Bundesministerinnen Elisabeth Gehrer und Liese Prokop sowie Kommunikationsverantwortlicher der Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Zuletzt leitete er die Unternehmenskommunikation der Hilcona AG. Seiner Grundüberzeugung blieb Amann stets treu: Kommunikation bedeutet für ihn, Vertrauen zu schaffen, Menschen zu verbinden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken – Werte, die bereits die Kinderpolizei geprägt haben.
Generationen verbinden.
Polizistinnen vermitteln Kindergartenkindern spielerisch Sicherheitswissen
© Gerd Pachauer
Nach einer Krebserkrankung gründete Markus Amann in Bludenz den Verein „Ahna & Ähne“. Ziel des Projekts ist es, Begegnungen zwischen den Generationen zu fördern und älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einzubringen. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaft, Wertschätzung und Zusammenhalt. Auch hier schließt sich der Kreis zur Polizei: Seit Kurzem kooperiert der Verein mit der LPD Vorarlberg. „Diese Zusammenarbeit verbindet Generationen und Institutionen.
Als ehemaliger Polizist freut mich das ganz besonders“, sagt Markus Amann. Was mit der Idee eines Vorarlberger Gendarmen begann, ist heute ein österreichweit verankertes Präventionsprojekt. Die Kinderpolizei begleitet seit zwei Jahrzehnten Generationen von Kindern und verfolgt bis heute ihr ursprüngliches Ziel: Vertrauen schaffen, Verantwortung fördern und Kinder stark machen. (www.kinderpolizei.at )
Sophie Stummer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026
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