Suchtmittelbereicht 2025
Drogenmärkte im Wandel
Die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz ist 2025 leicht zurückgegangen. Gleichzeitig zeigen die Sicherstellungen und Ermittlungen Veränderungen auf den illegalen Drogenmärkten. Besonders Kokain und synthetische Drogen beschäftigen die Sicherheitsbehörden.
Kokain-Sicherstellung: Der Kokainhandel zählt zu den dynamischsten Bereichen der Suchtmittelkriminalität
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In Österreich wurden 2025 36.801 Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz registriert, um 1,4 Prozent weniger als 2024. Während die Zahl der Vergehen zurückging, nahm jene der Verbrechen zu. Es wurden 2.293 Personen festgenommen. 42,3 Prozent der bekannten Verdächtigen waren ausländische Staatsangehörige; bei den Verbrechenstatbeständen betrug ihr Anteil 52,2 Prozent. Die Polizei stellte 2025 rund 2,8 Tonnen Cannabis, 275 Kilogramm Kokain, 38 Kilogramm Amphetamin, 37 Kilogramm Methamphetamin sowie mehr als 113.000 Ecstasy-Tabletten sicher. Die Mengen geben allerdings nur einen Teil des illegalen Drogenmarktes wieder: Sie hängen unter anderem davon ab, welche Ermittlungsverfahren geführt und welche größeren Lieferungen in einem Jahr entdeckt werden.
Cannabis ist weiterhin das am häufigsten sichergestellte illegale Suchtmittel in Österreich. 2025 wurden 290 Cannabisplantagen entdeckt, weniger als im Jahr davor. Aus der Zahl der entdeckten Anlagen allein lässt sich allerdings nicht auf das tatsächliche Ausmaß der Produktion schließen. Neben dem Anbau in Österreich spielt auch die Einfuhr von Cannabis aus dem Ausland eine Rolle.
Kokain.
Rund 20 Prozent der Suchtmittelanzeigen 2025 betrafen Kokain. Die Zahlen zeigen gegenüber 2024 eine deutliche Zunahme. Gleichzeitig stellte die Polizei rund 275 Kilogramm Kokain sicher. Auch internationale Entwicklungen beeinflussen den österreichischen Markt. Die weltweite Kokainproduktion befindet sich auf hohem Niveau, Europa ist ein bedeutender Absatzmarkt. Österreich spielt dabei sowohl als Konsumland als auch als Transit-, Lager- und Verteilstaat eine Rolle. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden verfügen international agierende Tätergruppen, darunter Netzwerke aus dem Westbalkan, teilweise über direkte Verbindungen zu Lieferanten in Südamerika.
Ergänzende Hinweise auf die Entwicklung des Konsums liefern Abwasseruntersuchungen. Dabei werden Rückstände bestimmter Substanzen im Abwasser gemessen und daraus Rückschlüsse auf den Konsum in der untersuchten Bevölkerung gezogen. Diese Ergebnisse ergänzen die Kriminalstatistik, sind mit Anzeigen- oder Sicherstellungszahlen aber nicht unmittelbar vergleichbar.
Synthetische Drogen.
Bei Methamphetamin und Ecstasy wurden 2025 höhere Sicherstellungsmengen verzeichnet. Bei MDMA ist Österreich vor allem Import- und Bestimmungsland; Produktionsstätten wurden 2025 in Österreich nicht festgestellt. Die Herstellung synthetischer Drogen erfolgt überwiegend außerhalb Österreichs.
Eine besondere Herausforderung stellen neue psychoaktive Substanzen dar. Das europäische Frühwarnsystem beobachtet mittlerweile rund 1.000 Substanzen. Hinzu kommen Mischpräparate unbekannter Zusammensetzung und gefälschte Arzneimittel, die hochwirksame synthetische Opioide enthalten können. 2025 wurden in Österreich außerdem rund 259 Kilogramm Ketamin sichergestellt.
Gesundheitliche Folgen.
Nach den zuletzt verfügbaren Daten starben 2024 in Österreich 257 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums. Bei tödlichen Überdosierungen spielt häufig der Mischkonsum verschiedener Substanzen eine Rolle, insbesondere die Kombination von Opioiden mit Alkohol, Psychopharmaka oder anderen Suchtmitteln. Rund ein Viertel der Verstorbenen war jünger als 25 Jahre.
Ein wesentlicher Teil der Ermittlungsarbeit betrifft heute digitale Kommunikation und international vernetzte Tätergruppen. Besondere Bedeutung haben dabei Erkenntnisse aus verschlüsselten Kommunikationsplattformen wie ANØM und Sky ECC. Seit 2021 wertet die österreichische Polizei entsprechende Daten aus.
Daraus entwickelte sich unter anderem die Operation „Achilles“, einer der umfangreichsten Ermittlungskomplexe der österreichischen Kriminalpolizei. Die Ermittlungen betreffen mehrere Tausend Tatverdächtige und kriminelle Gruppierungen. Die bisher abgeschlossenen Verfahren führten zu Freiheitsstrafen von insgesamt mehr als 1.300 Jahren. In einem der Verfahren wurde erstmals in Österreich ein führendes Mitglied einer international agierenden Suchtmittelorganisation rechtskräftig zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
Vermögensermittlungen.
Neben der Sicherstellung von Drogen gewinnt die Abschöpfung krimineller Gewinne an Bedeutung. 2025 wurden in 1.361 Fällen Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 5,7 Millionen Euro sichergestellt, darunter 4,3 Millionen Euro Bargeld. Vermögensermittlungen sollen verhindern, dass Gewinne aus dem Suchtmittelhandel in den legalen Wirtschaftskreislauf gelangen oder für weitere Straftaten verwendet werden.
Ermittlung und Prävention.
Rund 600 Exekutivbedienstete sind in Österreich schwerpunktmäßig mit der Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität befasst. Sie arbeiten auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene sowie mit Zoll, Justiz und internationalen Partnern zusammen.
Neben der Strafverfolgung bildet die Prävention einen weiteren Schwerpunkt. Das Programm „Look@your. Life“ richtet sich insbesondere an 13- bis 17-Jährige und behandelt neben Suchtprävention auch Persönlichkeitsstärkung sowie den Umgang mit Konflikten und Risiken im Internet. 2025 wurden 941 Präventionsmaßnahmen durchgeführt und mehr als 20.700 Menschen erreicht.
Daniel Lichtenegger
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2026
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