KI in der Polizeiarbeit
Smarte Ermittlungen
Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt in der Polizeiarbeit zunehmend an Bedeutung. Bei einer Veranstaltung der Reihe „Campus Lectures“ an der Hochschule Campus Wien diskutierten Expertinnen und Experten am 20. Mai 2026 über Chancen, Grenzen und rechtliche Rahmenbedingungen dieser Technologie.
Marlon Possard und Markus Zeppenfeld diskutierten über
Chancen und Risiken von KI in der Polizeiarbeit
© HCW/Leitner
Bio-Capture ermöglicht die kontaktlose Erfassung von Finger-
abdrücken und unterstützt die biometrische Identifizierung
© BMI/G. Pachauer
KI-gestützte Systeme sind in Sicherheitsbehörden, der Strafverfolgung und der öffentlichen Verwaltung keine Zukunftsvision. Sie unterstützen bei der Mustererkennung, der Auswertung großer Datenmengen und der Analyse komplexer Sachverhalte. Dadurch können Ermittlungen beschleunigt und Ressourcen gezielter eingesetzt werden. „Wenn wir von künstlicher Intelligenz sprechen, dann geht es nicht nur um Technik. Es geht ebenso um Recht, Demokratie, öffentliche Verwaltung und ethische Fragen“, sagte Dr. Marlon Possard, Wissenschaftler an der Hochschule Campus Wien sowie Leiter des Departments für Ethik der künstlichen Intelligenz am Institut für digitale Transformation und künstliche Intelligenz der Sigmund- Freud-Privatuniversität Wien und Berlin.
Unterstützung für Ermittlungen.
Zu den möglichen Einsatzbereichen zählen die Gesichtserkennung, die automatisierte Analyse von Ermittlungsakten, die Kennzeichenerfassung sowie die Auswertung großer Datenmengen. Besonders bei der Untersuchung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs können intelligente Systeme Ermittlerinnen und Ermittler entlasten und die Sichtung relevanter Inhalte beschleunigen. Weitere Anwendungsfelder sind die vorausschauende Einsatzplanung, die Schusswaffendetektion und akustische Erkennungssysteme. Moderne Systeme können Schussgeräusche erfassen, deren Herkunft lokalisieren und Einsatzkräfte gezielt zum Ereignisort führen. Auch im Bereich des Predictive Policing kommen KI-gestützte Verfahren zum Einsatz. Dabei werden Daten analysiert, um potenzielle Tatorte oder Tatzeiten zu identifizieren und präventive Maßnahmen zu unterstützen. Der Einsatz solcher Systeme wird international erprobt und wirft rechtliche und ethische Fragen auf.
Rechtlicher Rahmen.
Trotz der technischen Möglichkeiten bleibt die Verantwortung beim Menschen. „Auch wenn viele Arbeitsvorgänge von KI-Systemen unterstützt werden können, muss die Letztentscheidung weiterhin der Mensch treffen. Das sieht der AI Act im Rahmen der menschlichen Aufsicht und in Bezug auf 'Human in the loop' explizit so vor“, betonte Possard.“ betonte Possard. Mit dem europäischen AI Act wurden erstmals umfassende Regelungen für den Einsatz von KI-Systemen geschaffen. Für Behörden und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben sich neue Anforderungen hinsichtlich Kompetenz, Transparenz und verantwortungsvoller Nutzung. Nachholbedarf sieht Possard insbesondere bei der Nutzung KI-gestützter Verwaltungsanwendungen. Andere europäische Staaten und die Schweiz seien etwa bei der automatisierten Anonymisierung von Akten oder beim automatischen Schwärzen personenbezogener Daten bereits weiter.
KI in der Praxis.
In Österreich kommt künstliche Intelligenz bereits bei der digitalen Fingerabdruckidentifizierung zum Einsatz. Mit Bio-Capture wird die biometrische Identitätsfeststellung am Einsatzort möglich – schnell, mobil und rechtlich geregelt. Fingerabdrücke können direkt vor Ort rasch mit bestehenden Datenbeständen abgeglichen werden. Auch in der Sicherheits- und Gebäudetechnik gewinnt KI an Bedeutung. Intelligente Systeme unterstützen Zutrittskontrollen, Alarm- und Brandschutzanlagen sowie die Überwachung sensibler Bereiche. „Wir bieten Plattformen an, die individuell auf die Anforderungen unserer Kunden zugeschnitten werden können“, erläuterte DI (FH) Markus Zeppenfeld, Produktmanager für Sicherheitstechnik bei Primion Technology, einem Anbieter von Sicherheits- und Zutrittsmanagementsystemen. In seinem Gastvortrag mit Live-Demonstration präsentierte er Praxisbeispiele aus den Bereichen Bildanalyse und Critical Event Management. Für die Expertinnen und Experten steht fest: Künstliche Intelligenz wird die Polizeiarbeit und die öffentliche Verwaltung künftig noch stärker prägen. Entscheidend werde sein, technologische Möglichkeiten mit rechtsstaatlichen, ethischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Michael Ellenbogen
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2026
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