Gedenkstätten für Exekutivbeamte (37)
Gedenkstätten in Retz
Im Weinviertler Ort Retz erinnert ein Doppel-Grabdenkmal an die beiden 1956 ermordeten Gendarmen Franz Rist und Josef Zauner. Eine Gedenktafel ist dem Polizeihauptmann und NS-Widerstandskämpfer Johann Newald gewidmet, der von den Nazis hingerichtet wurde.
Doppelgrabstätte im Friedhof Retz für die 1956 im Dienst ermordeten Gendarmen Franz Rist und Josef Zauner © Werner Sabitzer
Der 46-jährige Revierinspektor Franz Rist, Kommandant des Gendarmeriepostens Retz, und sein Kollege, der 38-jährige Rayonsinspektor Josef Zauner, wurden in der Nacht auf den 31. August 1956 in Obernalb in Retz in Ausübung ihres Dienstes von einem Gewalttäter ermordet. Die 69-jährige Beamtenwitwe A. Schneider, Pflegemutter des amtsbekannten Gewalttäters Erwin Maitner, ersuchte am 30. August 1956, gegen 23 Uhr, telefonisch die Gendarmerie in Retz um Hilfe. Maitner hatte wieder einmal auf seine Pflegemutter eingeschlagen. Er war im Alter von fünf Monaten von der Familie Schneider als Pflegekind aufgenommen worden. Schon als Kind war er sozial auffällig. Nachdem er als 15-Jähriger gegen seine Pflegemutter gewalttätig geworden war, wurde er in ein Erziehungsheim eingewiesen. Nach der Entlassung kam er wieder in die Obhut der Pflegemutter. Er ging keiner Arbeit nach und immer wieder musste die Gendarmerie gegen ihn einschreiten.
Johann Newalds Name ist auch auf
einer Gedenktafel in der Landespolizei-
direktion Wien am Schottenring verewigt
© Werner Sabitzer
Nach dem Anruf der Pflegemutter wussten die Gendarmen, dass sie es mit einem gefährlichen Gewalttäter zu tun hatten. Postenkommandant Franz Rist und die Gendarmen Josef Zauner und Karl Engelbrecht fuhren zum Einsatzort. Patrouillenleiter Engelbrecht sicherte das Haus außen ab, um eine eventuelle Flucht des Täters zu verhindern. Rist und Zauner gingen zur verbarrikadierten Schlafzimmertür, hinter der sich Maitner verschanzt hatte, und zwängten sie auf. In diesem Augenblick trat ihnen Maitner entgegen und schoss mit einer US-amerikanischen Armeepistole, Kaliber 12 mm, mehrmals auf die beiden Gendarmen. Diese erwiderten das Feuer. Als Engelbrecht die Schüsse hörte, eilte er ins Haus und sah seine Kollegen und Maitner auf dem Boden liegen. Rayonsinspektor Zauner lebte noch und bat, einen Arzt zu holen. Auch Postenkommandant Rist gab noch Lebenszeichen von sich. Die beiden Gendarmen starben auf der Fahrt ins Krankenhaus Hollabrunn im Rettungswagen. Auch Maitner überlebte die Schüsse des Täters nicht. Er hatte mehrere Treffer abbekommen. Die ermordeten Gendarmen fanden ihre letzte Ruhestätte am Ortsfriedhof Retz. Erzbischof Franz Kardinal König zelebrierte die Seelenmesse.
Doppelgrabstätte.
Am Friedhof Retz wurde den beiden getöteten Gendarmen gegenüber der „Halle des Lichts“ eine Doppelgrabstätte gewidmet und am 17. April 1957 in einer Gedenkfeier gesegnet. Es handelt sich um dunkle Marmorgrabplatten. Der linke Grabstein hat die Inschrift: „Zum Gedenken an / Gendarmerierevierinspektor / Franz Rist / Kommandant des Gendarmeriepostens Retz / welcher in Erfüllung seiner Berufspflicht / am 29. September 1956 durch Mörderhand / sein Leben lassen muszte“. Darunter sind die Daten seiner Ehefrau graviert: „Antonia Rist / 1911 – 1968“. Der rechte Grabstein ist gleichartig gestaltet. Die Inschrift lautet: „Zum Gedenken an / Gendarmerierayonsinspektor / Josef Zauner / eingeteilter Beamter des Gendarmeriepostens Retz / welcher in Erfüllung seiner Berufspflicht / am 29. September 1956 durch Mörderhand / sein Leben lassen muszte“. Darunter befinden sich die Daten von drei Familienangehörigen, die ebenfalls hier bestattet sind. Auf beiden Grabplatten befindet sich am unteren Ende zentriert eine Darstellung der „Flammenden Granate“, das Korpsabzeichen der Gendarmerie.
Gedenktafel für Widerstandskämpfer.
Gedenktafel in Retz in Erinnerung an den Juristen, Polizisten
und Widerstandskämpfer Johann Newald © Werner Sabitzer
Dr. iur. Johann Newald, geboren am 20. Jänner 1901 in Kottingneusiedl, Stadtgemeinde Laa an der Thaya in Niederösterreich, studierte Rechtswissenschaften. Er war Hauptmann der Schutzpolizei in Wien und schloss sich einer monarchistischen Widerstandsgruppe gegen das nationalsozialistische Gewaltregime an. Newald wurde am 4. Oktober 1944 verhaftet, wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ mit Feldurteil des Obersten SS- und Polizeigerichts zum Tod verurteilt und am 27. Oktober 1944 in Prien am Chiemsee mit dem Fallbeil hingerichtet.
Johann Newald gründete im Juli 1921 die katholisch-österreichische Studentenverbindung „Rugia Röschitz“ (später: „Rugia Retz“) mt. Diese Mittelschulverbindung stiftete über Initiative des Stadtamtsdirektors a. D. Gilbert Dürr in ihrer Heimstätte in der Pfarrgasse 9 in Retz eine Gedenktafel mit folgender Aufschrift: „Andenken / an unseren Bundesbruder / Dr. jur. Johann / Newald v. Siegfried / Polizeihauptmann in Wien / Als Widerstandskämpfer / am 27. 10. 1944 in Prien / am Chiemsee hingerichtet / Er starb für ein freies / Österreich. / Fiducit! / K.Ö.ST.V. Rugia Retz 1988“. Die Gedenktafel wurde am 12. November 1988 an der Fassade des Zubaus im Hof angebracht. Johann Newalds Name ist auch auf der Gedenktafel im Vorraum zum Festsaal der Landespolizeidirektion Wien am Schottenring 7-9 verewigt.
Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Arnberger, Heinz; Kuretsidis-Haider, Claudia (Hg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung, Mandelbaum, Wien 2011
Fritz, Herbert; Krause, Peter; Lang Raimund: Couleurstudentische Zeichen und Gedenkstätten in Niederösterreich; in: Festschrift zum Pennälertag 2004, hg. vom Mittelschüler-Kartell-Verband, 2004, S. 42
Pennerstorfer, Peter: Mord an zwei Gendarmen vor 65 Jahren in Obernalb, Bezirk Hollabrunn. In: Polizei Niederösterreich. Das Info-Magazin der Landespolizeidirektion, Nr. 1/2021, S. 54-55
Jugendlicher Tunichtgut erschoss 2 Gendarmen. In: Erlafthal-Bote, 1. September 1956, S. 1
Neuerrichtetes Grabmal für gefallene Gendarmen. In: Illustrierte Rundschau der Gendarmerie, Nr. 6/1957, S. 18
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2026
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