Wanderausstellung „The Vicious Circle“
Erinnerung gegen Antisemitismus
Mit der Ausstellung „The Vicious Circle“ holte das Innenministerium eine internationale Wanderausstellung nach Wien. Sie zeigt historische und aktuelle Formen antisemitischer Gewalt und unterstreicht die Bedeutung von Erinnerung, Bildung und Prävention für eine demokratische Gesellschaft.
Eröffnung der Ausstellung „The Vicious Circle“ im BMI: Stephan Mlczoch, Wolfgang Sobotka, Gerhard Karner, Maiken Umbach, David Roet, Graham Fisher, Oskar Deutsch © Karl Schober
Mit der Sonderausstellung „The Vicious Circle“ setzte das Innenministerium ein Zeichen gegen Antisemitismus, Extremismus und historische Gleichgültigkeit. Die internationale Wanderausstellung wurde am 17. April 2026 von Innenminister Gerhard Karner und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, eröffnet. Die Ausstellung beleuchtet antijüdische Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert und spannt den Bogen von den Novemberpogromen 1938 bis zum Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Sie macht deutlich, dass Antisemitismus kein historisch abgeschlossenes Phänomen ist, sondern bis heute eine Bedrohung für demokratische Gesellschaften darstellt. „Antisemitismus zu bekämpfen, heißt, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen. Wir setzen alles daran, Jüdinnen und Juden in Österreich ein Leben in Sicherheit zu ermöglichen“, betonte Innenminister Karner. Die Ausstellung verdeutliche die enge Verbindung von historischer Aufarbeitung, Prävention und Sicherheitspolitik.
Internationale Perspektiven.
Zu den Ehrengästen zählten der israelische Botschafter David Roet und der US-Botschafter Arthur Graham Fisher. Beide verwiesen auf die internationale Dimension des Antisemitismus und die Bedeutung gemeinsamer Anstrengungen gegen Hass, Extremismus und Desinformation. Der ehemalige Nationalratspräsident und frühere Innenminister Wolfgang Sobotka zeigte historische Kontinuitäten antisemitischer Vorurteile auf. Oskar Deutsch verwies auf die aktuelle Situation jüdischer Gemeinden und die Notwendigkeit, jüdisches Leben wirksam zu schützen. Die Historikerin Maiken Umbach vom UK National Holocaust-Museum erläuterte das Konzept der Ausstellung, das Mechanismen von Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt sichtbar macht.
Fünf Geschichten, ein gemeinsames Muster.
Im Mittelpunkt von „The Vicious Circle“ stehen fünf Fallbeispiele aus Berlin (1938), Bagdad (1941), Kielce (1946), Aden (1947) und Israel (2023). Anhand von Originalobjekten, Dokumenten und multimedialen Inhalten wurde gezeigt, wie jüdische Gemeinschaften trotz unterschiedlicher historischer und geografischer Rahmenbedingungen ähnliche Erfahrungen von Pogromen, Vertreibung und Gewalt machen mussten. Die Ausstellung verdeutlichte, wie rasch gesellschaftliches Zusammenleben durch Hass und Ausgrenzung zerstört werden kann.
Bildung als Prävention.
Nach der Eröffnung besuchten Polizeischülerinnen und -schüler des Bildungszentrums Wien die Ausstellung. Damit wurde ein Zeichen gesetzt: Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Extremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil moderner Polizeiarbeit und demokratischer Sicherheitskultur.
„The Vicious Circle“ wurde vom UK National Holocaust-Museum entwickelt und im Jänner 2025 erstmals in London präsentiert. Anschließend war die Ausstellung unter anderem im Europäischen Parlament, im Berliner Parlament und an der Universität Münster zu sehen. Die Präsentation im Innenministerium war die erste Station in Österreich. Bis 8. Mai 2026 besuchten 300 Personen die Ausstellung im Amtsgebäude in der Hinteren Zollamtsstraße. Weitere Stationen in Europa sowie eine digitale Erweiterung sind geplant.
Eva-Marina Strauss
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2026
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