Kriegs- und Opfergräberfürsorge
Gedenken an Opfer der NS-Justiz
Die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof ist die zentrale österreichische Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz. Am 27. April 2026 erinnerte eine Gedenkveranstaltung des Bundesministeriums für Inneres an die Verfolgten des NS-Regimes und an die Bedeutung demokratischer Werte.
Staatssekretär Jörg Leichtfried und Vertreterinnen und Vertreter der Opferverbände beim Gedenkakt am 27. April 2026 © BMI/T. Bosina
Die Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofs ist die zentrale österreichische Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz. Hier ruhen Menschen, die in Konzentrations- und Arbeitslagern ums Leben kamen, Opfer medizinischer Verbrechen wurden oder in den letzten Kriegswochen ermordet wurden. Zudem sind hier mehr als 1.000 Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer bestattet, die am Wiener Landesgericht oder am Militärschießplatz Kagran hingerichtet worden sind. Die Gräber stehen unter dem Schutz der Kriegsgräberfürsorgegesetze und werden im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres betreut. Seit 2013 ist die Anlage offiziell nationale Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz.
Festakt im Zeichen der Erinnerung.
Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände und Widerstandskämpferinnen und -kämpfer lud das Innenministerium am 27. April 2026 zu einer Gedenkveranstaltung auf die Gruppe 40. Anlass war der Jahrestag der Wiedererrichtung der Republik Österreich. Mehr als 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur, Wissenschaft und der österreichischen Erinnerungsarbeit nahmen daran teil. Kranzniederlegungen, begleitet von Ehrenposten der Landespolizeidirektion Wien und der Wiener Polizeimusik, bildeten den Rahmen. Mit weißen Rosen konnten die Gäste zudem ein persönliches Zeichen des Gedenkens setzen.
Staatssekretär Jörg Leichtfried betonte in Vertretung von Innenminister Gerhard Karner die Bedeutung demokratischer Grundwerte und deren Schutz angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung. Stephan Mlczoch, Leiter der Abteilung für historische Angelegenheiten im Innenministerium, verwies auf die Verantwortung, NS-Verbrechen aufzuarbeiten und den Opfern ihre Würde zurückzugeben. Als Beispiel nannte er die kürzlich erfolgte Erneuerung des Grabsteins des Widerstandskämpfers Franz Zach, der wegen der Verbreitung illegaler Schriften 1942 in Wien hingerichtet worden war.
Junge Menschen geben den Opfern eine Stimme.
Einen besonderen Akzent setzte die Teilnahme einer Schulklasse des BORG Guntramsdorf. Gemeinsam mit ihren Lehrkräften Mona Klug und Alexander Niederhuber gestalteten die Schülerinnen und Schüler einen Beitrag über junge Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer. Anhand von Abschiedsbriefen vor ihrer Hinrichtung machten sie die Schicksale von fünf Opfern der NS-Justiz hörbar. Eindrucksvoll war die Geschichte von Anna „Anni“ Gräf. Die politisch engagierte Wienerin wurde wegen ihres Widerstands gegen das NS-Regime zum Tode verurteilt und am 11. Jänner 1944 im Alter von nur 18 Jahren hingerichtet.
Mit dem Verschwinden der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gewinnen historische Erinnerungsorte an Bedeutung. Die Gruppe 40 bewahrt das Andenken an die Opfer des Nationalsozialismus und ermöglicht heutigen wie künftigen Generationen einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte. Die Erhaltung der Opfergräberanlage ist Teil der historischen Verantwortung des Bundesministeriums für Inneres.
Susanne Bezdek/Irene Hulka
Literatur:
Lisl Rizy, Willi Weinert (Hg.), „Mein Kopf wird euch auch nicht retten.“ Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft, Wien, 2016.
Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“, Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten Widerstandskämpferinnen und -kämpfer. Ein Führer durch die ‚Nationale Gedenkstätte‘ der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof und zu Opfergräbern auf Wiens Friedhöfen, 4. Auflage, Wien, 2017.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2026
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