Eurovision Song-Contest 2026
Großeinsatz hinter der Musikshow
Rund 3.500 Polizistinnen und Polizisten und ein achttägiger Großeinsatz: Der Eurovision Song Contest 2026 in Wien stellte die Sicherheitsbehörden vor besondere Herausforderungen. Eine komplexe Sicherheitsarchitektur gewährleistete den störungsfreien Ablauf der weltweit beachteten Musikveranstaltung.
Sichtbare Polizeipräsenz in der Wiener Stadthalle war Teil des Sicherheitskonzepts für den Eurovision Song-Contest 2026 © BMI/T. Bosina
Tausende Besucherinnen und Besucher strömten an den Veranstaltungstagen zur Wiener Stadthalle sowie zu zahlreichen Public Viewings im gesamten Stadtgebiet. Polizeipräsenz, Einlasskontrollen und Sicherheitsüberprüfungen prägten das Erscheinungsbild des Eurovision Song-Contests. Hinter den Kulissen arbeitete eine umfassende sicherheitspolizeiliche Einsatzorganisation, die über Monate vorbereitet worden war. Der polizeiliche Einsatz wurde als „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) geführt. Über den Einsatzstab „Delta“ der Landespolizeidirektion Wien liefen die Informationen zusammen, von dort aus erfolgte die operative Führung und Koordination der beteiligten Kräfte.
3.500 Polizistinnen und Polizisten standen während der ESC-Woche im Einsatz. Unterstützung erhielt Wien aus nahezu allen Bundesländern. Neben Einsatzeinheiten aus Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Kärnten und dem Burgenland waren Kräfte der Direktion Spezialeinheiten, der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst, des Bundeskriminalamts, der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität, sprengstoffkundige Organe, Drohnenspezialisten sowie Beamtinnen und Beamte der Cobra eingebunden. Ergänzt wurde das Kräfteaufgebot durch Polizeikräfte aus Bayern im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
Die Sicherheitsmaßnahmen beschränkten sich nicht auf die Wiener Stadthalle. Zum Einsatzraum zählten auch das Eurovision Village am Rathausplatz, Fan-Zonen, Public Viewings sowie zahlreiche Begleitveranstaltungen im Stadtgebiet. Darüber hinaus wurden während der ESC-Woche insgesamt 29 Versammlungen polizeilich begleitet. Trotz der außergewöhnlichen Personalbindung musste der reguläre Polizeidienst uneingeschränkt aufrechterhalten werden. Streifendienst, kriminalpolizeiliche Ermittlungen und laufende Einsatzlagen wurden parallel bewältigt. Gleichzeitig fanden weitere Großveranstaltungen und Sportereignisse statt. Die Bewältigung dieser Mehrfachbelastung erforderte eine präzise Planung und Koordination sämtlicher Kräfte.
Einsatzstab „Delta“ als Schaltzentrale.
Die operative Steuerung erfolgte über den Einsatzstab „Delta“, der in zwölf Einsatzabschnitte gegliedert war. Diese umfassten unter anderem die Bereiche Intervention, Objektschutz, Veranstaltungssicherheit, Nachrichtendienst, Cybercrime sowie technische Gefahrenabwehr. Ein permanenter Informationsaustausch mit der Stadt Wien, dem Bundesheer, Rettungsorganisationen und weiteren Behörden ermöglichte die Erstellung eines laufend aktualisierten Gesamtlagebildes. Die kontinuierliche Informationsverdichtung und der strukturierte Informationsfluss zwischen den Einsatzabschnitten bildeten die Grundlage für taktische und operative Entscheidungen.
Spezialkräfte des EKO Cobra unterstützten die Sicherheitsmaßnahmen während des Eurovision Song-Contests 2026 © LPD Wien
Cyber-Abwehr im Fokus.
Eine zentrale Rolle spielte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Grundlage dafür war die erhöhte Terrorwarnstufe in Österreich auf Stufe vier von fünf. Zwar lagen keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung des Eurovision Song-Contests vor, dennoch wurden laufend aktuelle Bedrohungsanalysen erstellt und bewertet. Neben klassischen Gefährdungsszenarien standen insbesondere Entwicklungen im digitalen Raum im Fokus.
Unter Federführung des Innenministeriums wurde eigens eine „Cybersecurity-Coordination-Group“ eingerichtet, in der Vertreterinnen und Vertreter der DSN, des Bundeskriminalamts sowie weiterer nationaler und internationaler Fachstellen zusammenarbeiteten. Während der Veranstaltungswoche registrierten die Expertinnen und Experten rund 500 Cyber-Angriffe auf Systeme und Infrastruktur im Zusammenhang mit dem Eurovision Song-Contest. Die Angriffe konnten erkannt und abgewehrt werden.
Spezialkräfte und Drohnenabwehr.
Zur technischen Gefahrenabwehr kamen Maßnahmen der Direktion Spezialeinheiten zum Einsatz. Dazu gehörten die Einrichtung von Flugverbotszonen, die Detektion von Drohnen sowie der Einsatz spezialisierter Kräfte aus den Bereichen Entschärfung, Observation und Personenschutz. Auch die internationale Zusammenarbeit spielte eine wichtige Rolle. Insbesondere mit den bayerischen Sicherheitsbehörden bestand ein enger Informationsaustausch.
Polizeidiensthunde mit ihren Hunde-
führern sorgten für Sicherheit beim ESC
© LPD Wien
Positive Bilanz.
Aus polizeilicher Sicht verlief der Eurovision Song-Contest 2026 geordnet und ohne größere sicherheitsrelevante Zwischenfälle. Bei den offiziellen ESC-Veranstaltungen wurden insgesamt mehr als 130.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Allein die Eurovision-Village am Rathausplatz verzeichnete an Spitzentagen mehr als 10.000 Gäste. Im Verlauf der Woche wurden 74 Anzeigen erstattet und 16 Personen festgenommen. Körperliche Zwangsmaßnahmen größeren Ausmaßes oder Waffengebrauch waren nicht erforderlich. Einzelne Vorfälle – darunter das unbefugte Eindringen in einen abgesperrten Bereich sowie der Versuch, mit einer gefälschten Akkreditierung Zugang zu einem Backstage-Bereich zu erlangen – konnten rasch erkannt und polizeilich bearbeitet werden.
Der Eurovision Song-Contest 2026 verdeutlichte die Komplexität moderner Großveranstaltungen. Internationale Aufmerksamkeit, hohe Besucherzahlen, hybride Bedrohungsszenarien und Cyber-Risiken erfordern eine eng verzahnte Sicherheitsarchitektur sowie die Zusammenarbeit von Behörden und Organisationen.
Der Erfolg des Einsatzes beruhte vor allem auf jener Arbeit, die für Besucherinnen und Besucher kaum sichtbar blieb: monatelange Vorbereitung, permanente Lagebeobachtung, laufende Analysen und die enge nationale wie internationale Kooperation.
Sophie Stummer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2026
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