Digitale Sicherheit
„Sicher und FAIRnetzt“
Digitale Gewalt, Desinformation und extremistische Einflussnahmen stellen zunehmende Herausforderungen dar. Der Schwerpunktmonat „Sicher und FAIRnetzt“ widmete sich daher der Stärkung digitaler Sicherheit und der Sensibilisierung für Gefahren im digitalen Raum.
Sensibilisierung für Gefahren im digitalen Raum: Andreas Loibner von der Kriminalprävention des Bundeskriminalamts referierte über Formen digitaler Gewalt und sexualisierter Online-Kriminalität
© ÖIF/Soldatenko
Anlässlich des „Safer-Internet-Days“ am 10. Februar 2026 initiierte das Bundesministerium für Inneres (BMI) ab dem 26. Jänner 2026 einen bundesweiten Schwerpunktmonat mit dem Titel „Sicher und FAIRnetzt“. Ziel dieser Initiative war es, Prävention, Information und Sensibilisierung im Hinblick auf Gefahren im digitalen Raum zu stärken. Im Fokus stand insbesondere der Schutz vor digitaler Gewalt, Desinformation sowie extremistischen Einflussnahmen – auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung künstlicher Intelligenz.
Im Rahmen dieses Schwerpunktmonats fanden österreichweit Informationsveranstaltungen an Schulen und Universitäten, in Unternehmen sowie in Beratungsstellen statt. Präventionsbeamtinnen und -beamte sowie Fachpersonal vermittelten Inhalte zu digitaler Sicherheit, Fake News, Propaganda und Extremismus im Netz. Ziel war es, Lehrende, Schülerinnen und Schüler, Mitarbeitende sowie potenziell Betroffene aller Altersgruppen für aktuelle Herausforderungen im digitalen Raum zu wappnen.
Am 29. Jänner 2026 fand im Integrationszentrum Wien die Expertinnen- und Experten-Tagung „Sicher und FAIRnetzt – Schutz vor Extremismus und digitaler Gewalt in Zeiten künstlicher Intelligenz“ statt. Die Veranstaltung wurde von der BMI-Abteilung für Grund- und menschenrechtliche Angelegenheiten in Kooperation mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) ausgerichtet.
Kriminalprävention.
Andreas Loibner von der Kriminalprävention des Bundeskriminalamts referierte über Formen digitaler Gewalt und sexualisierter Online-Kriminalität wie beispielsweise Sextortion – einer Erpressungsmethode, bei der Täter über soziale Netzwerke oder Videochats intime Aufnahmen erschleichen und Betroffene anschließend mit deren Veröffentlichung erpressen, oder Cybergrooming – das gezielte Ansprechen von Kindern und Jugendlichen im Internet zur Anbahnung sexueller Kontakte. Anhand typischer Warnsignale zeigte er auf, wie Täter Vertrauen aufbauen und welche Risiken ein sorgloser Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Medien birgt. Er stellte Präventionsempfehlungen für Betroffene, Eltern und Kinder vor, darunter sichere Privatsphäre-Einstellungen, kritischen Umgang mit Online-Kontakten, Beweissicherung und rasche Kontaktaufnahme mit Polizei oder Beratungsstellen. Er präsentierte das bundesweite Gewaltpräventionsprogramm „Under 18“ des Bundeskriminalamts, das sich mit Gewaltprävention – auch digitaler Gewalt – und Suchtdeliktsprävention befasst und österreichweit von rund 450 Präventionsbeamtinnen und -beamten an Schulen umgesetzt wird.
Radikalisierungsprävention.
Eine Expertin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), die einen Hintergrund in der Kriminalsoziologie hat, beleuchtete Formen und Ausprägungen von Radikalisierung anhand von Beispielen wie dem versuchten Anschlag auf das Wiener Taylor-Swift-Konzert sowie das Messerattentat in Villach, wo ein 23-jähriger Syrer mit einem Klappmesser mehrere Passanten verletzte und einen 14-Jährigen tötete.
Die Präventionsexpertin erläuterte den Prozess der Radikalisierung mit Push- und Pull-Faktoren: Push-Faktoren wie Diskriminierungserfahrungen, persönliche Krisen, soziale Isolation sowie Wut und Frustration würden Menschen aus der Gesellschaft herausdrängen und ihre Anfälligkeit für extremistische Ideologien erhöhen. Dem gegenüber stehen Pull-Faktoren, mit denen extremistische Gruppen anziehend wirken, etwa durch das Versprechen von Identität und Sinnstiftung, Zugehörigkeit und Gemeinschaft, einfachen ideologischen Erklärungen komplexer Probleme sowie der Faszination von Macht und Gewalt. Verstärkt werden diese Dynamiken durch das Internet und soziale Medien, die Propaganda, Vernetzung und Rekrutierung erleichtern. Sie betonte, dass Radikalisierung ein individueller, nicht linearer Prozess sei, der stark vom sozialen Umfeld und Kontakten zu bereits radikalisierten Personen beeinflusst werde.
Zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung gab es Informationstische zu den Angeboten der Kriminalprävention (Under 18), zu „Digitaler Sicherheit“, den Angeboten der Cyberkids, zu den Themenschwerpunkten Hate-Crime und Hate-Speech, der Initiative Gemeinsam.Sicher und der ÖIF informierte über dessen Angebote mit einem Schwerpunkt auf Maßnahmen in der Männerberatung.
Cyber-Kids.
Cyber-Kids: Kindern wurde ein Grundverständnis für die Gefahren im Internet vermittelt
© LPD Steiermark
Ergänzend zur Tagung wurden im Schwerpunktmonat bundesweit über 240 Informationsveranstaltungen durchgeführt. Darunter das Polizeipräventionsprojekt „Cyber-Kids“, das von Bezirkskoordinatorinnen und -koordinatoren der Polizei gemeinsam mit weiteren Beamtinnen und Beamten umgesetzt wurde. Im Bezirk Südoststeiermark nahmen am 10. Februar 2026 insgesamt 130 Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Schulstufe an einem interaktiven Workshop mit fünf Themenstationen teil. Vermittelt wurden altersgerechte Grundkenntnisse zum Internet, zum sicheren Umgang mit Apps und Online-Spielen, zu Chatregeln, Datenschutz, sicheren Passwörtern sowie zu Altersgrenzen und Nutzungshinweisen. Auch Themen wie Fake News, Hass im Netz und Risiken sozialer Medien wurden behandelt. Ergänzend dazu fand ein Elternabend mit rechtlichen Informationen und praxisnahen Tipps zur sicheren und verantwortungsvollen Internetnutzung statt.
Maria Rennofer-Elbe
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2026
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