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  3. Kriegs- und Opfergräberfürsorge

Kriegs- und Opfergräberfürsorge

Verantwortung sichtbar machen

Im Vorfeld des internationalen Holocaust-Gedenktags wurde am 26. Jänner 2026 auf der Kriegsgräberanlage in Lend (Bezirk Zell am See) eine Tafel enthüllt, auf der über die Hintergründe des Friedhofs informiert wird und über das Grab des früheren Standortarztes des Konzentrationslagers Auschwitz, Franz Bodmann.

Enthüllung der Kontextualisierungstafel auf der Kriegsgräberanlage in Lend
Enthüllung der Kontextualisierungstafel auf der Kriegsgräberanlage in Lend
© BMI

An der Enthüllung der Tafel auf der Kriegsgräberanlage in Lend nahmen Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Inneres (BMI), des Landes Salzburg, des Österreichischen Schwarzen Kreuzes (ÖSK), der Gemeinde Lend sowie zivilgesellschaftlichen Vereine und Initiativen teil.
Das Grab Franz Bodmanns und der Umgang damit waren in den vergangenen Jahren national wie international Gegenstand intensiver Diskussionen. Als Kriegsgrab unterliegt es dem gesetzlichen Schutz der Kriegsgräberfürsorge. Gleichzeitig machte seine belastete Geschichte eine zeithistorische Einordnung notwendig.
Die nun erfolgte Kontextualisierung, die von der Abteilung für historische Angelegenheiten auf Grundlage umfassender Recherchen in Wien und Salzburg erarbeitet und einem Peer-Review unterzogen wurde, ist ein wichtiger Schritt zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur. Sie ermöglicht es, den nachkommenden Generationen die Schrecken und langfristigen Auswirkungen von Krieg, Gewalt und menschenfeindlichen Ideologien eindrücklich vor Augen zu führen und das Bewusstsein für Verantwortung, Menschlichkeit und Frieden zu stärken.
Sie ist zugleich Ausdruck der historischen Verantwortung, „den Opfern des Nationalsozialismus ihre Würde wiederzugeben, indem man die Erinnerung an sie wachhält und auch diejenigen benennt, die sie zu Opfern gemacht haben“, sagte Stephan Mlczoch, Leiter der Abteilung für historische Angelegenheiten im BMI bei der Enthüllung der Kontextualisierungstafel.

Kein Ort der Ehrung, sondern der Mahnung und des Lernens.

Oskar Dohle, Direktor des Salzburger Landesarchivs, bot eine zeithistorische Einordung und unterstrich dabei die Wichtigkeit einer Kontextualisierung solcher Orte, die den Sinn hat, auf das Geschehene genauer hinzusehen. Es folgten Ansprachen des ÖSK-Landesgeschäftsführers Josef Hohenwarter des Bundesrats Silvester Gfrerer in Vertretung der Landeshauptfrau Karoline Edtstadler sowie der Bürgermeisterin Michaela Höfelsauer.
Der für die Kriegs- und Opfergräberfürsorge zuständige Innenminister Gerhard Karner hielt fest: „Erinnerung ist Verantwortung und zugleich ein zentraler Auftrag zur ständigen Weiterentwicklung der Gedenk- und Mahnkultur in unserem Land. Mit einer aktiven Gedenk- und Erinnerungsarbeit leisten wir einen wichtigen Beitrag für Demokratie, Menschenwürde und das Bewusstsein kommender Generationen.“
Gerade deshalb kommt eben der jungen Generation, die sich mit multiplen Krisen konfrontiert sieht, eine besondere Rolle zu. Sie ist nicht nur Zuhörerin, sondern Trägerin dieser Erinnerungskultur von morgen. Wenn junge Menschen aktiv eingebunden werden, wird Geschichte greifbar, persönlich und wirksam. Die örtliche Mittelschule setzte hier ein starkes Zeichen: Mit einem bewegenden musikalischen Beitrag und einem eindringlichen Dialog über Menschenwürde, Demokratie, Hass und Antisemitismus brachten die Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken, Fragen und Haltungen zum Ausdruck und verbanden dabei Historisches mit Gegenwärtigem. Neben den künstlerischen Beiträgen der Mittelschule Lend wurde darauffolgende Enthüllung der Kontextualisierungstafel am Friedhof durch die Polizeimusik Salzburg musikalisch umrahmt. Im Anschluss lud die Gemeindevertretung zu Gesprächen und weiterem Austausch ins Gemeindeamt.

Franz Bodmann trat noch vor der Machtergreifung Adolf Hitlers in Deutschland der NSDAP und 1934 der SS bei. Ab Juni 1942 leitete er als Standortarzt das gesamte Sanitätswesen des KZ Auschwitz. Zeitzeugen zufolge verabreichte er dort eigenhändig Giftspritzen, die gezielt zur Ermordung der Häftlinge eingesetzt wurden. Als Truppenarzt der 5. SS-Panzerdivision „Wiking“, die nachweislich zahlreiche Kriegsverbrechen verübte, geriet er nach dem Rückzug aus Ungarn in US-amerikanische Gefangenschaft. Bodmann nahm sich am 25. Mai 1945 im Polizeilazarett in St. Johann im Pongau das Leben. „Meine Verordnungen werde ich zum Nutzen der Kranken treffen, nach besten Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.“ Mit diesem Auszug aus dem Eid des Hippokrates, der im Nationalsozialismus tausendfach gebrochen wurde, verwies Stephan Mlczoch auf den Widerspruch zwischen dem ärztlichen Berufsethos und den begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Franz Bodmann brachte als Arzt unsagbares Leid und Tod über unzählige Menschen. Dabei nutzte er seine medizinischen Kenntnisse nicht zum Wohle der Menschheit, sondern gegen sie.

Kriegs- und Opfergräberfürsorge in Österreich.

Die Republik Österreich ist aufgrund völkerrechtlicher Bestimmungen sowie der Kriegsgräberfürsorgegesetze verpflichtet, Kriegs- und Opfergräber des Ersten und Zweiten Weltkrieges dauernd und würdig zu erhalten, unabhängig davon, ob die Toten sich im Einzelfall verbrecherischer Handlungen schuldig gemacht haben. Für diese Aufgabe ist die Abteilung für historische Angelegenheiten im Bundesministerium für Inneres zuständig. Die Umsetzung erfolgt im konkreten Fall in mittelbarer Bundesverwaltung durch das Land Salzburg.

Markus Fochler


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2026

 Druckversion des Artikels (PDF, 101 kB)

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