Sicherheitsgipfel 2025
Wie auf ein Blackout reagieren?
Das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) und die Raiffeisen Holding veranstalteten den Sicherheitsgipfel 2025 zum Thema „Blackout – Vom Risiko zur Resilienz: Wie Wirtschaft und Staat auf ein Blackout reagieren“.
Sicherheitsgipfel – Panel Sicherheits- und Krisenmanagement als staatliche Querschnittsaufgabe: Roman Hahslinger (Moderator), Mario Drobics (AIT), Gerald Lischka (BMI), Robert Mayer (Feuerwehrpräsident), Gerald Ortner (Landespolizeidirektor Steiermark), Peter Vorhofer (Regierungsberater für Krisenvorsorge und Krisenbewältigung)
© Katharina Schiffl
Staat und die Gesellschaft müssen vor Bedrohungen wie Blackout, Naturkatastrophen oder Terroranschlägen geschützt werden. Notfallpläne liegen sowohl bei den staatlichen Sicherheitsorganen bereit, bei den Gesundheitsbehörden sowie den Betreibern der kritischen Infrastruktur. Regelmäßige Übungen sichern die Handlungsabläufe für den Tag X. Dennoch bestehen nicht kalkulierbare Risiken und Probleme, die durch ein gut vorbereitetes Krisenmanagement bewältigt werden können. Das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) und die Raiffeisen Holding luden am 27. November 2025 in Wien zum Sicherheitsgipfel 2025 mit dem Thema „Blackout – Vom Risiko zur Resilienz: Wie Wirtschaft und Staat auf ein Blackout reagieren“.
Beim Thema Blackout-Vorsorge tun viele Institutionen, Organisationen, und Unternehmen sehr viel“, so Innenminister Gerhard Karner. In Österreich sind auch bereits rund 200 Polizeidienststellen bei einem Stromausfall notstromversorgt. Eine Rechtsgrundlage für von Maßnahmen in einer Krisensituation stellt das kürzlich geschaffene Resilienz-Kritischer-Einrichtungen-Gesetz RKEG dar. Dabei soll der Schutz von Einrichtungen gewährleistet werden, beispielsweise Energieversorgungsunternehmen und deren Infrastruktur. Das Innenministerium hat gegenwärtig den Auftrag, Bescheide vorzubereiten und den Strategieauftrag mit der Erstellung einer Tätigkeitsliste umzusetzen, was im Krisenfall getan werden muss, um etwas 200 bis 300 Institutionen bundesweit physisch zu schützen.
Austrian Power Grid.
Sicherheitsgipfel: Gerhard Karner, Gerhard Christiner, Lena Schwarz, Naemi Loibl © Katharina Schiffl
„Die Netze müssten im Sinne von Leistungsspitzen ausgebaut werden, weil nur wenn die Sonne scheint und der Wind weht, der Strom eingespeist wird“, sagte Vorstandssprecher und technischer Vorstand von Austrian Power Grid (APG), Gerhard Christiner. Daraus ergebe sich die Frage, was mit diesen Leistungsspitzen geschehen solle, wenn mehr Strom verbraucht als produziert werde.
„Um einen Blackout zu verstehen ist es wichtig, den Begriff Versorgungssicherheit klar zu definieren. Dieser wird in Österreich teilweise inflationär betrachtet und oft mit einer Energiekrise verwechselt, obwohl dies zwei grundsätzlich unterschiedliche Dinge sind“, erläuterte Christiner.
Die Versorgungssicherheit setzt sich aus einigen Elementen zusammen. Dazu gehört die Bedarfsdeckung aus der sich die Frage nach ausreichend vorhandenen Kraftwerksressourcen in Österreich und Europa ergibt, um den Strombedarf jederzeit decken zu können. „Wir verfügen über genug Ressourcen, weil wir auch eine größere Menge an konventionellen Kraftwerken installiert haben. Dazu gehören Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke, die aber einen entsprechenden Preis haben“, sagte Christiner.
Die Infrastruktur, bestehend aus dem staatenübergreifenden Leitungsnetz ist nicht nur hierzulande, sondern in ganz Europa die Schwachstelle bei der Versorgung mit elektrischer Energie. Ebenso werden Systemdienstleistungen vernachlässigt. Diese sind deshalb wichtig, da Strom ein Produkt ist, das in Echtzeit geliefert werden muss. Das Netz verfügt über keine Speicherfähigkeit und die Systemsicherheit muss permanent sichergestellt sein. So es in diesem Bereich zu einer Fehlentwicklung kommt, führt diese meist zu einem Blackout.
Eine durchgehende Digitalisierung ist notwendig, um all diese Parameter optimal zu überwachen und um im Bedarfsfall Gegenmaßnahmen einzuleiten. Der größte Stromausfall im kontinentaleuropäischen Stromnetz ereignete sich am 28. April 2025 in Spanien und Portugal, der auf die Volkswirtschaft beider Länder massive Auswirkungen hatte. „Dieses Blackout war in seiner Entstehung erstmalig. In diesem Fall handelte es sich um einen Überspannungskollaps und nicht um einen Frequenzkollaps“, analysierte der Vortragende. An diesem Tag gab es im spanischen Stromnetz erhöhte Spannungswerte, die für das österreichische Netz unverträglich wären.
Spanien verfügt allerdings über eine Ausnahme und darf über einen Spannungshöchstwert von 35 Kilovolt verfügen. Die Kraftwerke, die an diesem Tag in Spanien am Netz waren, es handelte sich dabei um Wind- und Photovoltaikkraftwerke, konnten keine echte Spannungsregelung sicherstellen. Dazu kam, dass in dieser Zeit zu wenige konventionelle Kraftwerke das spanische Stromnetz versorgten. All das führte zum totalen Zusammenbruch der Stromversorgung.
Wiener Linien.
Selbstverständlich löst ein derartiges Ereignis einen Dominoeffekt auf die öffentliche Infrastruktur und hier insbesondere auf das Verkehrswesen aus. „Die Metro sowie die Straßenbahnen fielen in Spanien und Portugal sofort aus. Die Elektrobusse fuhren auf die Dauer ihrer Batterieladung weiter und die mit Diesel betriebenen Autobusse konnten bis zur Betankung in Betrieb gehalten werden“, berichtete Lena Schwarz von den Wiener Linien, die sich mit den Auswirkungen des Blackouts auf den öffentlichen Verkehr in Spanien beschäftigte. Zu Beginn des Blackouts in Spanien sowie im benachbarten Portugal war auf Grund fehlender Informationen nicht klar, welche Regionen beider Länder betroffen waren. Eine Zeit lang war auch nicht sicher ob große Teile Europas vom Stromausfall betroffen waren. Neben den nicht mehr funktionierenden öffentlichen Verkehrsmitteln brach auch die dazugehörende Kommunikationsstruktur zusammen.
Welche Erfahrungen haben öffentliche und private Institutionen sowie Unternehmen gemacht, die auf zukünftige Entscheidungen einen maßgeblichen Einfluss haben? „Es sollte die Notstromversorgung für den TETRA Funk (Terrestrial Trunked Radio) ausgebaut werden. Zudem sind Mitarbeiterschulungen wichtig, um diese für einen Blackout vorzubereiten“, erläutere Schwarz. Auch die Anschaffung von Dieselgeneratoren, die über lange Zeit zur Aufrechterhaltung des Notstromnetzes eingesetzt werden, wäre nötig. „Bei einem Stromausfall im gesamten Stadtgebiet verfügen wir bei den Wiener Linien über zwei verschiedene Pläne, wie das Blackout-Handbuch und die Maßnahmenpläne der Fachabteilungen“, erklärte die Referentin. Einem flächendeckenden Stromausfall begegnen die Wiener Linien in drei Phasen. Dazu zählt die Einrichtung eines Krisenstabes, die Betriebseinstellung der U-Bahn und der Straßenbahn sowie ein genauer Tätigkeitsablauf des im Dienst befindlichen Personals in einem Notfall. Zumindest ein Teil der Bundeshauptstadt wird mit einem Notbusnetz verkehrstechnisch versorgt.
Das Bundesministerium für Inneres (BMI) als zentrale Koordinationsstelle für die öffentliche Sicherheit im gesamten Bundesgebiet erarbeitete mit dem Projekt „Blackout-Vorsorge 2022-2024“ verbindliche Rahmenvorgaben, die die Handlungsfähigkeit des BMI in einem Blackout-Fall in organisatorischer, personeller und technischer sowie in logistischer Hinsicht sicherstellen. „Das geht über die Bezirkspolizeikommanden bis zu den örtlichen Polizeiinspektionen. Das heißt, jede Dienststelle in Österreich weiß, was zu tun ist, wenn der Fall eintritt“, definierte der Landespolizeidirektor der Steiermark, Gerald Ortner den Ablaufplan beim Auftreten eines Blackouts. Die örtlichen Polizeiinspektionen arbeiten im Krisenfall mit den anderen Blaulichtorganisationen und Gemeindeeinsatzstellen zusammen. „Wir hatten im Dezember 2023 in der Steiermark über zwei Bezirke einen Stromausfall. Das war kein Blackout, aber zwei Tage fiel in diesem Gebiet der Strom aus. Dabei konnte unsere Einsatzorganisation testen, ob unsere Planungen funktionieren“, sagte Ortner.
„Grundsätzlich ist das Interesse für Themen zu Krisenvorbereitungen in Österreich stark angestiegen. Man beschäftigt sich damit. Das ist eine gute Nachricht“, sagte Peter Vorhofer, der Regierungsberater für Krisenvorsorge und Krisenbewältigung. Aus gesamtstaatlicher Sicht ist die Resilienz ein wichtiger Faktor. Diese zeigt sich darin, ob eine Gesellschaft drei Phasen durchlaufen kann.
Drei Phasen.
Die Phase 1 beschreibt die Bewältigungsfähigkeit, die Phase 2 steht für die Anpassungsfähigkeit und die Phase 3 repräsentiert die Umgestaltungsfähigkeit. Die größte Herausforderung stellt jedoch die Bewältigungsfähigkeit dar. „Wie lange dauert der Schockmoment, bis wir zu arbeiten beginnen, um Gegenmaßnahmen einzuleiten“, sagte der Berater der österreichischen Bundesregierung.
Michael Ellenbogen
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2026
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