Europol
OK, Korruption, Geldwäsche
Der Finanzexperte Burkhard Mühl gab in einem Vortrag am 28. Jänner 2026 im Innenministerium in Wien Einblicke in die aktuellen Entwicklungen der grenzüberschreitenden Kriminalitätsbekämpfung.
Burkhard Mühl beleuchtete insbesondere die Rolle von Europol in der Finanz- und Wirtschaftskriminalität
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In seinem Vortrag beleuchtete der ehemalige Leiter des Europäischen Zentrums für Finanz- und Wirtschaftskriminalität (EFECC) Burkhard Mühl insbesondere die Rolle von Europol in der Finanz- und Wirtschaftskriminalität und die sicherheitspolitischen Herausforderungen in Europa.
Organisierte Kriminalität agiere heute schneller, digitaler und internationaler denn je. Drogenhandel, Geldwäsche, Betrug oder Cybercrime seien zunehmend transnationale Phänomene. Ermittler stoßen bei ihrer Arbeit in einzelnen Staaten rasch an ihre Grenzen. Welche Rolle Europol in diesem Umfeld spielt und warum insbesondere Finanzermittlungen an Bedeutung gewinnen, zeigte Mühl auf.
„Kriminalität ist heute nahezu immer länderübergreifend organisiert. Europol unterstützt nationale Behörden daher nicht nur analytisch, sondern auch operativ – etwa durch gemeinsame Fallbesprechungen, Joint Investigation-Teams oder operative Taskforces. Ein Beispiel dafür sind koordinierte Schwerpunktaktionen gegen sogenannte ,High-Value-Targets‘ im Bereich der Geldwäsche, die bereits zu zahlreichen Festnahmen und Beschlagnahmungen geführt haben“, berichtete Mühl.
Burkhard Mühl war von Dezember 2020 bis Dezember 2025 der hochrangigste Vertreter Österreichs bei Europol. Seine Laufbahn führte ihn vom Kriminaldienst über das Bundeskriminalamt und das Bundesministerium für Inneres (BMI) in zentrale Funktionen auf EU-Ebene. Seit dem Ende seiner Amtszeit bei Europol ist Mühl im Referat V/A/3/b (EU-Angelegenheiten) des BMI tätig, ehe er im April 2026 seinen Ruhestand antreten wird. Sowohl auf europäischer wie österreichischer Ebene prägte er maßgeblich den Aufbau der Geldwäschebekämpfung auf österreichischer und auf europäischer Ebene mit.
Ein Fokus seiner Arbeit bei Europol lag auf dem Grundsatz „Follow the money“. Die Vermögensabschöpfung stagniert europaweit seit Jahren auf niedrigem Niveau – trotz steigender Gewinne, insbesondere aus dem Drogenhandel und Online-Betrug. Besorgniserregend sei die Professionalisierung der Geldwäsche, die als eigenständige Dienstleistung angeboten wird. Dies geschieht mittlerweile häufig digitalisiert und unter Nutzung von Kryptowährungen.
EU SOCTA 2025.
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im aktuellen EU Serious and Organised Crime Threat Assessment Report (EU-SOCTA) wider, der alle vier Jahre veröffentlicht wird. Im Bericht wird vor einer Destabilisierung der Europäischen Union gewarnt, und zwar durch organisierte Kriminalität, Korruption und die Unterwanderung legaler Wirtschaftsstrukturen.
Digitalisierung und neue Technologien wirken als Beschleuniger, während kriminelle Netzwerke auch im Kontext hybrider Bedrohungen agieren (Cyber-Kriminalität, Finanzkriminalität, Sabotageakte, Desinformationskampagnen etc.)
Vor diesem Hintergrund wird die Stärkung von Europol diskutiert. Bereits 2025 wurde die Verordnung angepasst, unter anderem zur besseren Bekämpfung von Schlepperei. Für 2026 wird eine Reform erwartet. Mühl begrüße grundsätzlich eine Verstärkung der Agentur, betonte jedoch, dass Europol weiterhin unterstützend tätig bleiben müsse: „Die innere Sicherheit ist Teil der nationalen Souveränität, Europol soll diese ergänzen, nicht ersetzen.“
Mit Blick auf neue Phänomene wie KI-gestützte Kriminalität zeigte sich Mühl vorsichtig optimistisch. Das Problembewusstsein sei vorhanden, Ausbildungen und Ressourcen innerhalb Europols würden gezielt ausgebaut, insbesondere im Bereich Forschung und Innovation. Bei einem anschließenden Austausch mit dem Publikum war man sich einig: Entscheidend sei eine klare politische Priorisierung. „Investitionen in die Sicherheit Europas sind Investitionen in die Demokratie“, sagte Mühl.
Sophie Stummer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2026
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