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Sicherheitsforschung

KI und Cyber-Sicherheit

Der Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Forschung im Dialog“ mit der Joanneum-Research-Forschungsgesellschaft mbH (JR) fand am 11. November 2025 im Innenministerium statt.

Kontinuierlich ändernde Bedrohungen wie organisierte Kriminalität und Terrorismus aber auch die zunehmende Abhängigkeit von technologischen Systemen. Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) bringen neue Herausforderungen für Sicherheitsbehörden mit sich. Damit diese bewältigt werden können, ist die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen von zentraler Bedeutung.

Forschung im Dialog.

Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Forschung im Dialog“ im BMI
Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Forschung im Dialog“ im
BMI © Gerd Pachauer

Die Veranstaltungsreihe des Innenministeriums soll einen Austausch über Chancen und Herausforderungen gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen ermöglichen und den Dialog zwischen Forschung und Praxis stärken. Bei der Auftaktveranstaltung stellten Vertreterinnen und Vertreter von Joanneum Research ihre Forschungsschwerpunkte und aktuellen Ergebnisse vor. Joanneum Research ist eine außeruniversitäre Forschungsgesellschaft mit Hauptsitz in Graz. Rund 500 Mitarbeitende aus über 25 Nationen arbeiten an sechs Standorten in Österreich an Lösungen und Technologien für Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Bereich der digitalen Technologien, insbesondere im Institut Digital. Dieses entwickelt unter anderem kompakte und energieeffiziente Sensorsysteme, die Daten direkt vor Ort mithilfe lokaler Edge-KI-Systeme verarbeiten. Edge-KI bedeutet, dass künstliche Intelligenz dezentral und unmittelbar an der Datenquelle arbeitet, ohne dass die Daten an zentrale Server übertragen werden müssen. Solche Systeme können beispielsweise genutzt werden, um Geräusche wie Schüsse, Explosionen oder Hilferufe in Echtzeit zu erkennen.
Darüber hinaus beschäftigt sich das Institut mit der Erstellung räumlicher digitaler Zwillinge, die zur Simulation und Vorbereitung von Einsatzszenarien dienen können. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die KI-gestützte Entscheidungsfindung: Dabei generiert ein KI-System Empfehlungen auf Basis relevanter Informationen und Standards, während die finale Entscheidung be­wusst bei einem Menschen bleibt.

KI und kritische Infrastruktur.

In zwei Vorträgen wurde auf die Themen KI in der Sicherheitsforschung und Schutz kritischer Infrastruktur auf physischer und Cyber-Ebene eingegangen. Andreas Windisch, Leiter der Forschungsgruppe Intelligent Vision Applications am Institut Digital, berichtete über KI-Entwicklungsschwerpunkte und KI-Anwendungsfälle von Joanneum Research.
In der Präsentation wurden Forschungsprojekte vorgestellt, wie zum Beispiel das Projekt „PALM – Prison Analytics with large Language Models“, das im österreichischen Cyber-Sicherheitsforschungsprogramm K-PASS durchgeführt wird. Dabei soll ein System entwickelt werden, das es Strafvollzugspersonal ermöglicht, Fragen zu vollzugsrelevanten Lebensumständen stellen zu können. Dadurch sollen eine effizientere Verwaltung, eine verbesserte soziale und medizinische Betreuung der Insassen sowie die frühzeitige Erkennung und Vermeidung von sicherheitsrelevanten Vorfällen erreicht werden.
KI-Systeme im Bereich der Cyber-Sicherheit bieten sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Einerseits können sie für Cyber-Angriffe eingesetzt werden, andererseits dazu beitragen, IT-Sys­teme auf solche Angriffe vorzubereiten, beispielsweise durch automatisierte Bedrohungstests. Darüber hinaus bieten digitale Zwillinge neue Möglichkeiten für die Simulation und Übung zur Abwehr von Cyber-Angriffen.
Markus Bergen, Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Fernerkundung und Geoinformation am Institut Digital, konzentrierte sich in seinem Vortrag auf den Schutz kritischer Infrastruktur auf physischer und Cyber-Ebene. Hier sind vor allem durch die rasanten Entwicklungen und dem niederschwelligen Zugang zu Drohnen neue Risiken entstanden. Daher müsse die Infrastruktur vor unbefugten Drohnen geschützt werden, was mit Hilfe von (akustischen) Sensorlösungen erreicht werden kann. Hier können Sensoren im Zusammenspiel mit KI eingesetzt werden, um die automatische Erkennung, Lokalisierung und das Tracking von Drohnen zu ermöglichen. Drohnen sollen jedoch nicht nur als Risiko wahrgenommen werden, sondern können auch eine Chance darstellen, beispielsweise zur Lagebildgewinnung, Überwachung und in der Missionsplanung. Laut dem Vortragenden gilt es im Bereich der Cyber-Resilienz, vernetzte Systeme vor Cyber-Angriffen und Ausfällen zu schützen. Hier könne Echtzeiterkennung von Bedrohungen und automatisierte Reaktionen zum Einsatz kommen, die auf einer Kombination aus KI und Edge-Computing basieren. Anwendungsfälle gebe es etwa in den Bereichen Energie, Wasser, Mobilität und Kommunikation.
Im Anschluss an die Vorträge boten Diskussionsrunden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich mit den JR-Vertreterinnen und -Vertretern zu vernetzen. Abschließend wurde die Veranstaltung mit einem Ideenforum abgerundet, bei dem ein Austausch zwischen den JR-Vertreterinnen und -Vertretern und Expertinnen und Experten des Innenministeriums zu verschiedenen Forschungsideen stattfand.
Speziell die nationalen Förderprogramme KIRAS und K-PASS, finanziert durch das Bundesministerium für Finanzen, bieten ausgezeichnete Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bedarfsträgern, Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf nationaler Ebene. Die erfolgreiche Auftaktveranstaltung förderte einen intensiven Austausch von Ideen und Erfahrungen. Die Diskussionen verdeutlichten das große Interesse an dem Thema Sicherheitsforschung und künstliche Intelligenz. Weitere Termine in der Veranstaltungsreihe „Forschung im Dialog“ sind bereits in Planung, um den Dialog zwischen Forschung und Praxis weiter zu intensivieren.

Paul Fasching


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026

 Druckversion des Artikels (pdf, 358 kB)

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