Bundesamtsgebäude Minoritenplatz
Investition in die Sicherheit
Nach der Entkernung des Bundesamtsgebäudes Minoritenplatz bis zum Rohbau aus dem Jahr 1986 arbeitet man an der Wiederherstellung der Geschoßdecken. In Kürze werden 1.000 neue Fenster eingebaut. Bisher läuft alles nach Plan. Ende 2028 wird die Aufnahme des Dienstbetriebs erwartet.
Baustelle im „Herzen Wiens“: Das Bundesamtsgebäude Minoritenplatz im Regierungsviertel wird modernisiert © Gerd Pachauer
Das Bundesamtsgebäude (BAG) Minoritenplatz, zentral in der Wiener Innenstadt gelegen, ist mit dem BAG Herrengasse Hauptsitz der Zentralleitung des Bundesministeriums für Inneres. Das BAG Minoritenplatz war nach fast 40 Jahren sanierungsbedürftig, da die Betriebs- und Funktionsfähigkeit des Standortes nicht mehr den Anforderungen entsprach. Im Zuge der Generalsanierung wird in dem Gebäude das Bundeslagezentrum eingerichtet.
Die Generalsanierung des BAG Minoritenplatz betrifft etwa 26.000 Quadratmeter (vergleichbar mit der Verkaufsfläche von 5 bis 6 Hypermärkten). „Eine komplexe Lage inmitten des Regierungsviertels, im unmittelbaren Nahbereich von besonders schützenswerten Objekten, beliebten Versammlungsplätzen – sozusagen am Schaupatz von Diplomatie und Demokratie – ist baulich herausfordernd und logistisch eng begrenzt“, sagt Marianne Waldstein-Wartenberg von der Abteilung IV/A/5 (Bau- und Immobilienmanagement) im Innenministerium, zuständig für Großprojekte. „Das erfordert Kalkulation, Planung und Vorbereitung“. Dank der Zu- und Abfahrtsregelung zur Baustelle und eines Online-Buchungssystems wird verhindert, dass Lkw-Schlangen den Verkehr im Umfeld lahmlegen und es zu Auswirkungen auf der Ringstraße und für die ganze Stadt kommt. „Was für uns selbstverständlich ist, verblüfft Passanten, die verdutzt schauen, weil eine Baustelle von einer meterhohen Mauer samt Stacheldraht umzäunt wird und gleich mehrere Kameras das Areal überwachen“, sagt Waldstein-Wartenberg. Grund sei die präzise Einhaltung der Vorgaben aus dem Bundes-Krisensicherheitsgesetz, auch bereits während der Bauphase. Kolleginnen und Kollegen der Direktion Staatschutz und Nachrichtendienst (DSN) begleiten dieses Bauvorhaben in zahlreichen Bereichen mit ihrer Expertise.
Bundesamtsgebäude Minoritenplatz:
Wiederherstellung der Geschoßdecken
© Gerd Pachauer
Im BAG „Minoritenplatz neu“ werden laut Waldstein-Wartenberg das Bundeslagezentrum eine Polizeiinspektion und die Büros der BMI-Zentralstelle neu errichtet. Die Generalsanierung beinhaltet auch die thermische Sanierung der Fassade. Das Gebäude „Minoritenplatz neu“ ist so konzipiert, „dass die Investition nachhaltig ist und die Räume erneut lange Jahre dienen werden. Im Kontext der Sparmaßnahmen bedeutet das umsichtige Überlegungen, was in welcher Ausführung verwirklicht werden soll“, sagt die Mitarbeiterin der Bauabteilung. Das Gebäude erhält ein neues Portal, im Inneren des Objekts soll es heller werden. „Die neue Bürolandschaft, umgeben von einer begrünten Innenhoffassade samt Balkonen, wird eine gute Mischung zwischen offenen Kommunikationsflächen und Räumen sein, die höchste Konzentration und fokussiertes Arbeiten begünstigen“, sagt die Expertin für Großprojekte. Eine zentrale Besprechungsebene und ein Konferenzbereich nach modernsten Standards samt Presse-Foyer entstehen ebenfalls. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten schon Einblicke ins Konzept der Planer im Musterbüro in der Herrengasse im vergangenen Juli gewinnen.
Baufortschritte.
Seit Baubeginn im Mai 2025 wurde das Gebäude entkernt und auf den Rohbauzustand aus 1986 zurückgeführt. Es bleibt nur das tragende Gebäudeskelett. Das aktuelle Bild ist geprägt von Betonflächen, freiliegender Bewehrungseisen, Stahlbetonstützen und Pfeilern. Seit November 2025 werden etwa 1.000 Fenster eingebaut. Die durchbrochenen Geschoßdecken werden in den kommenden Wochen geschlossen und die Ausbauphase beginnt.“
Eine Herausforderung war es, die über 700 Bediensteten des BAG Minoritenplatz samt Büroausstattung für die Dauer der Generalsanierung in andere BAGs zu übersiedeln. Zuständig waren mehrere Abteilungen der Sektion IV (Cyber-Sicherheit, Digitales und Service). „Nur mit eigenen Kräften wäre eine Übersiedlung in dieser Dimension nicht möglich gewesen. Wir haben eine Speditionsfirma als Partner“, sagt Christoph Tuller, vom Referat IV/A/6/b (Interne Services). Von Beginn an gab es interne Überzeugungsarbeit zu leisten. „Die meisten Kolleginnen und Kollegen sahen das sportlich, aber einige waren etwas verunsichert. Die Option auf die Rückkehr in ein generalsaniertes Gebäude hat dann aber viel relativiert. Auch unsere Vorarbeiten mit den Raumkoordinatoren der Sektionen, mit den Abteilungen in der Direktion Digitale Services und Informationsrunden für alle von den Übersiedlungen betroffenen Abteilungen haben für Klarheit, Planbarkeit und Verständnis gesorgt. Am Ende ging dank der peniblen Vorbereitungen alles tipptopp über die Bühne“, berichtet Tuller. Es gab sogar ein eigens konzipiertes Handbuch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darin fanden sich Empfehlungen für ein effektives Packen von Umzugskartons samt Farbleitsystem, Anleitungen für den sicheren Transportmodus von IT-Ausrüstungsgegenständen, Tipps für den Umgang von zurückbleibenden und zu vernichtenden Gegenständen, bis hin zur Beantwortung der Frage, was mit den leeren, ausgepackten Kartons konkret zu geschehen hat. Eine der schwierigeren Aufgaben war der Transport der Technik.
„Wegen der grundsätzlichen Sensibilität wurde sämtliches technisches Equipment von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meines Teams in allen Büros am alten Standort Minoritenplatz abgebaut und und in den neuen Büros aufgestellt“, sagt Kirsten Schwarz, Leiterin des Referats IV/DDS/10/c (Mobiler und Vor-Ort-Support). „Die größte Herausforderung für uns waren die Quantität und der Zeitfaktor. Unsere Kolleginnen und Kollegen im Amtsgebäude Hintere Zollamtsstraße mussten so rasch wie möglich technisch wieder arbeitsfähig sein. Meist lagen zwischen dem Ausziehen aus dem Minoritenplatz und der Aufnahme des Dienstbetriebs am neuen Standort ein bis zwei Tage.“
Die Übersiedlungen starteten abteilungsweise beginnend mit Jänner 2025 und waren mit Ende März 2025 abgeschlossen. Es wurden etwa 5.000 Übersiedlungskartons, 1.200 Kästen, 900 Stühle, 650 Rollcontainer und 700 Computer übersiedelt.
M. W.-W.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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