Suchtmittelkriminalität
Drogenschmuggel im U-Boot
Einsatzkräfte der portugiesischen Polizei und Marine fingen in der internationalen Operation „El Dorado“ ein mit mehr als 1,7 Tonnen Kokain beladenes U-Boot im Atlantik ab, das auf dem Weg zur Iberischen Halbinsel war. Die illegalen Drogen waren für den europäischen Markt bestimmt.
Zum Transport von Drogen am Seeweg werden neben
U-Booten „Narcolanchas“ genutzt: leistungsstarke
Schnellboote © Policia Judiciaria
An der Operation „El Dorado“ beteiligt waren die Polizei, die portugiesische Luftwaffe, die britische National Crime Agency (NCA), die französische Direction Nationale du Renseignement et des Enquêtes Douanières (DNRED), die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) und die Joint Interagency Task Force South. Nach Angaben der portugiesischen Polizei (www.policiajudiciaria.pt) ist der Erfolg der Operation vor allem auf die Informationen zurückzuführen, die das in Lissabon ansässige Maritime Analysis and Operations Centre on Drug Trafficking (MAOC-N) weitergegeben hat. In diesem Zentrum sind acht Länder der Europäischen Union zusammengeschlossen (Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Spanien, die Niederlande und Portugal), um die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Drogenhandels auf See und aus der Luft zu verstärken.
Das Abfangen von derartigen Schiffen kommt immer wieder vor – gerade vor der Küste Spaniens und Portugals. Der Konsum und die Produktion von Kokain haben in den vergangenen Jahren zugenommen, wie die Daten des Weltdrogenberichts 2025 der Vereinten Nationen bestätigen. Die Entwicklung ist auf eine Erhöhung des Angebots aufgrund der hohen Produktion in Lateinamerika zurückzuführen, aber auch auf eine gestiegene Nachfrage nach Kokain auf der ganzen Welt. Europa gilt als einer der lukrativsten Märkte, weshalb die kriminellen Netzwerke nach schnellen und möglichst risikofreien Wegen suchen, die Drogen nach Europa zu schmuggeln. Der iberischen Halbinsel kommt im Kampf gegen Drogenschmuggel strategisch und operativ eine wichtige Rolle zu.
„Narcolanchas“.
Zum Transport von Drogen am Seeweg werden „Narcolanchas“ genutzt, leistungsstarke Schnellboote. Laut spanischen und portugiesischen Behörden können diese Boote bis zu zehn Meter lang sein, eine Geschwindigkeit von knapp 150 Kilometern pro Stunde erreichen und bis zu drei Tonnen Drogen transportieren. Die Schnellboote werden meist genutzt, um Drogenladungen von größeren Booten auf See, die aus Südamerika kommen, in europäische Häfen zu transportieren. Die Betankung erfolgt zum Beispiel in Gewässern um die Kanarischen Inseln, ehe die Fracht auf den „Narcolanchas“ in Spanien an Land gebracht wird. Die Kriminellen setzen auf verschlüsselte Kommunikation nach höchsten technologischen Standards, um bei ihren Machenschaften nicht entdeckt zu werden. Eine Konfrontation zwischen den Kriminellen und den Behörden artet in der Küstengegend von Spanien und Portugal oftmals in eine Verfolgungsjagd aus, wobei im Februar 2024 zwei Polizisten der Guardia Civil ums Leben kamen, als ihr Boot gerammt wurde.
Drogen-U-Boote.
Die ausgefeilteste Variante, um Drogen am Seeweg nach Europa zu schmuggeln, ist jene mit Drogen-U-Booten. Der Vorteil dieser Boote ist, dass sie sehr große Mengen an Drogen transportieren können – von mehreren Hundert Kilos bis zu mehreren Tonnen pro Fahrt.
Laut Einschätzung der Vereinten Nationen im Weltdrogenbericht 2025 ist der Einsatz derartiger Drogen-U-Boote seit der Covid-19-Pandemie noch häufiger geworden. Das erste derartige Schiff wurde 2019 sichergestellt. Es war aus Venezuela ausgelaufen und war das erste beschlagnahmte Schiff, das so konzipiert war, mit dem größten Teil des Rumpfes unter Wasser zu navigieren und sich nahe an der Wasseroberfläche zu bewegen. Es erreichte sein Ziel jedoch nicht und wurde vor der Küste Galiciens in Spanien aufgefunden. Es war mit drei Tonnen Kokain beladen. Laut Einschätzung von Experten ist der Einsatz von Drogen-U-Booten die profitabelste Transportmöglichkeit von Drogen. Die Investitionen sind geringer und die Chancen, dass die Drogenlieferung ihr Ziel erreicht, sind größer.
M. L.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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