Gedenkstätten für Exekutivbedienstete
Zwei Denkmäler im Bezirk Zwettl
Im Bezirk Zwettl in Niederösterreich befinden sich zwei Gedenkstätten für im Dienst getötete Gendarmeriebeamte – für Adalbert Absulka in Ottenschlag und für Franz Garschall in Rosenau.
Gedenkstein in Ottenschlag für den 1890 getöteten
Gendarmen Adalbert Absulka © Werner Sabitzer
Gendarmeriepostenführer Adalbert Absulka, Kommandant des Gendarmeriepostens Ottenschlag in Niederösterreich, ging am 17. April 1890 am Abend auf Patrouille. Gegen 21 Uhr traf er auf einen einrückenden Kollegen. Am nächsten Tag um halb fünf Uhr in der Früh wurde ein Mann von einem Fuhrwerker ca. einen Kilometer außerhalb des Ortes Ottenschlag neben der Straße nach Spitz auf einem Acker liegend gesehen. Der Fuhrwerker glaubte, es handle sich um einen Betrunkenen, der seinen Rausch ausschlafe. Deshalb kümmerte er sich nicht um ihn. Um halb sechs Uhr sah ein Fuhrmann aus Ottenschlag den neben der Straße liegenden Mann. Sein Kopf war blutverschmiert.
Bei dem Bewusstlosen handelte es sich um Adalbert Absulka. Er wurde mit einem Wagen in seine Wohnung nach Ottenschlag gebracht und von einem Arzt versorgt. Absulka starb am Abend an seinen Verletzungen, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die Obduktion ergab eine Schädelzertrümmerung, innere Blutungen und weitere schwere Verletzungen durch heftige Gewalteinwirkung. Die Uniformkappe und das Dienstgewehr fehlten. Sie wurden ca. drei Kilometer vom Tatort entfernt gefunden. Der Gewehrkolben war abgebrochen.
Die Ermittler vermuteten, dass Absulka ermordet oder von einem Fuhrwerk niedergestoßen und dann zum Auffindungsort gebracht worden war. Sechs Fuhrleute, die in der Tatnacht auf der Straße nach Spitz unterwegs waren, wurden im Gendarmerieposten Ottenschlag verhört. Der 18-jährige Bauernsohn Vinzenz Tiefenböck aus Plesberg wurde aufgrund von Indizien festgenommen und wegen Totschlag angeklagt. Er war in der Tatnacht mit einem Fuhrwerk unterwegs. Aufgrund der Ermittlungen nahmen die Gendarmen an, dass Absulka Tiefenböck angehalten habe, weil das Pferdegespann nicht beleuchtet gewesen sei. Tiefenböck dürfte daraufhin vom Wagen aus mit einem Prügel auf den Gendarmen heftig eingeschlagen haben. Absulka dürfte durch die Attacken gestürzt und unter die Räder des Gespanns gekommen sein. Der blutige Prügel wurde in der Nähe der Stelle gefunden, an der das Gewehr und die Uniformkappe lagen. Bei der Gerichtsverhandlung am 11. Juni 1890 in Krems wurde Tiefenböck wegen unzureichender Beweise freigesprochen. Die Geschworenen hatten die Schuldfrage verneint. Der Fall blieb unaufgeklärt. Adalbert Absulka wurde im Ortsfriedhof Ottenschlag bestattet.
Kreuz und Gedenkstein.
Der Gedenkstein in Ottenschlag ist
überwuchert, die Inschrift verwittert
© Werner Sabitzer
Gendarmen des Landesgendarmeriekommandos für Niederösterreich ließen in Erinnerung an Adalbert Absulka im Ortsfriedhof Ottenschlag einen Grabstein und an der Auffindungsstelle des Toten, ca. 500 m außerhalb des Ortsgebiets von Ottenschlag, neben der Bundesstraße 217, ein eisernes Kreuz errichten. Das Kreuz verwitterte im Lauf der Jahre. Deshalb beschlossen die Gendarmen, an dessen Stelle einen Gedenkstein für Adalbert Absulka zu errichten. Der Gedenkstein wurde am 11. September 1932 feierlich enthüllt. Auf der polierten Vorderseite befindet sich folgende goldfarbene Inschrift in Großbuchstaben: „Adalbert Absulka / Gendarmeriepostenführer / wurde am 18.4.1890 durch fremde Hand / im Dienst tödlich verletzt hier aufgefunden / Gewidmet von den Kameraden des LGK für NÖ, 1932“.
Das Denkmal wurde 1970 über Initiative des GP Ottenschlag renoviert. Die Kosten für die Renovierungsarbeiten wurden von der Gemeinschaftskasse beim Landesgendarmeriekommando für Niederösterreich getragen. Heute ist der Gedenkstein von Sträuchern überwuchert und die Schrift ist verwittert.
Gedenkstein für Franz Garschall.
Im November 1922 wurde in Rosenau im Waldviertel, zwischen Rosenau-Dorf und Gerlas, neben einem Feldweg ein auf einem gemauerten Sockel stehender Gedenkstein aus Granit errichtet, gestiftet von Kollegen der Gendarmerie. Die verwitterte Inschrift lautet: „Hier fand / Gend. Beamter / Franz / Garschall / durch Verbrecherhand / am 24. Juni 1922 / den Heldentod“.
Am 24. Juni 1922 wurden in Gschwendt und Waldhams Einbrüche verübt, bei denen Bargeld und Schmuck gestohlen wurden. Gendarmeriepatrouillenleiter Franz Garschall vom Gendarmerieposten Zwettl verfolgte auf einem Feldweg bei Dorf Rosenau mit dem Fahrrad zwei Verdächtige. Als er die Männer am 25. Juni gegen 14 Uhr in der Nähe der Winkler-Mühle aufforderte, stehen zu bleiben, drehte sich einer von ihnen um und schoss mit einer Klapplaufpistole dreimal auf Garschall. Der Gendarm erlitt einen Bauchschuss. Er schoss den flüchtenden Männern nach, verfehlte sie aber. Garschall schleppte sich Richtung Dorf Rosenau, brach aber bei der Winkler-Mühle zusammen. Der Mühlenbesitzer holte ärztliche Hilfe und verständigte die Gendarmerie. Franz Garschall starb gegen 19 Uhr an seinen inneren Blutungen.
Denkmal für den im Juni 1922 in Rosenau
im Waldviertel ermordeten Gendarmen
Franz Garschall vom Gendarmerieposten
Zwettl © Stadtarchiv Zwettel
Franz Garschall galt als mustergültiger und verlässlicher Gendarm. Er hatte während des gesamten Ersten Weltkriegs als Soldat gedient und war dreimal verwundet und mehrmals ausgezeichnet worden.
Die Täter, der 24-jährige Steinmetzgehilfe Emanuel Karlik aus Amaliendorf bei Gmünd und der 22-jährige Markthelfer Franz Ludwig aus Neu-Dietmanns, wurden am 31. August 1922 in Wien festgenommen und vom Geschworenengericht in Krems am 24. März 1923 wegen Totschlags, versuchte schwere Körperverletzung und mehrfachen Einbruchs schuldig gesprochen. Ludwig, der im Mai 1922 aus dem Gefängnis im Bezirksgericht Waidhofen an der Thaya geflüchtet war, wurde zu zehn Jahren und Karlik zu viereinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Emanuel Karlik verübte nach seiner Haftentlassung neuerlich Einbrüche. Nach einem Einbruch in das Postamt Neubistritz wurde er festgenommen, konnte aber aus dem Bezirkgericht Humpoletz flüchten. Am 8. November 1930 brach er mit zwei Komplizen in das Steueramt Gmünd ein. Während die Komplizen festgenommen werden konnten, gelang Karlik neuerlich die Flucht. Am 29. November 1930 verübte er mit einem Komplizen einen Einbruch in das Postamt Langschlag und versuchte am 1. Dezember 1930, in das Postamt Brand einzubrechen. Drei Tage später wurde Karlik in einer Wohnung in Amaliendorf von Gendarmen festgenommen.
Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Ottenschlag (Ermordung eines Gendarmen). In: Kremser Volksblatt, 26. April 1890, S. 7.
Todtschlag. In: Deutsches Volksblatt, 13. Juni 1890, S. 16
Einweihung eines neuen Gedenksteines für einen im Jahre 1890 im Dienste gefallenen Gendarmen. In: Öffentliche Sicherheit, Nr. 11/1932, S. 19
Chronik des Bezirksgendarmeriekommandos Zwettl
Chronik des Gendarmeriepostens Schweiggers
Stadtarchiv Zwettl
Der Gendarmenmord bei Rosenau. In: Reichspost, 30. März 1923, S. 8
Gendarmenmord bei Zwettl. In: Neues Wiener Journal, 29. Juni 1922, S. 8.
Gendarmenmord bei Zwettl. In: Reichspost, 29. Juni 1922, S. 4
Die Gendarmenmörder von Zwettl. Eine gefährliche Räuberbande. In: Deutsches Volksblatt, 11. August 1922, S. 4
Gedenkstein für einen ermordeten Gendarmen. In: Reichspost, 13. November 1922, S. 2
Verhaftung des Gendarmenmörders und Kasseneinbrechers Karlik. In: Freiheit!, 5. Dezember 1930, S. 3
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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