Innenministerium
Italienische Militärinternierte
Das Schicksal italienischer Militärinternierter des 2. Weltkriegs stand im Zentrum eines vom Innenministerium mit italienischen Organisationen abgehaltenen Symposiums am 5. November 2025 in Wien.
Am 5. November 2025 fand im Festsaal der Marokkanerkaserne in Wien das Symposium zum Thema „Italienische Militärinternierte und ihr Erbe in Österreich – Ein Beitrag zur transnationalen Erinnerungskultur anlässlich 80 Jahre Kriegsende“ statt. Die Abteilung III/S/3 für historische Angelegenheiten des Innenministeriums organisierte gemeinsam mit dem Verein der Italienischen Militärinternierten (Associazione Nazionale Ex Internati, A.N.E.I) die Tagung, die vom Verteidigungsministerium der Republik Italiens sowie der Italienischen Botschaft Wien unterstützt wurde. Der thematische Schwerpunkt lag auf dem Schicksal der italienischen Militärinternierten in Österreich während und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie den in Österreich als Kriegsopfer bestatteten Soldaten und Zivilisten aus Italien.
Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten im September 1943 wurden Hunderttausende italienische Soldaten vom NS-Regime als „italienische Militärinternierte“ festgenommen und deportiert. Dadurch verloren sie den Status als Kriegsgefangene und den Schutzrahmen der Genfer Konventionen. Sie wurden zur Zwangsarbeit herangezogen. Auf österreichischem Gebiet gab es über 6.000 italienische Kriegstote. Allein in Mauthausen kamen mehr als 4.000 der italienischen Häftlinge des KZ-Systems Mauthausen/Gusen zu Tode. Das waren 57 Prozent – eine der höchsten Raten. Erhalt und Pflege der Gräber der Opfer fallen in Österreich in die Zuständigkeit des Innenministeriums. Die größte Anlage italienischer Kriegstoter ist der Soldatenfriedhof Mauthausen, wo 5.000 Verstorbene des Ersten und Zweiten Weltkriegs bestattet sind.
Symposium.
Symposium „Italienische Militärinternierte und ihr Erbe in
Österreich – Ein Beitrag zur transnationalen Erinnerungs-
kultur anlässlich 80 Jahre Kriegsende“ © Alexander Tuma
Mit Grußworten des italienischen Botschafters in Wien, Giovanni Pugliese, des Leiters der Abteilung für historische Angelegenheiten im Bundesministerium für Inneres, Stephan Mlczoch, und der Präsidentin des Vereins der Italienischen Militärinternierten, Anna Maria Sambuco wurde das Symposium eröffnet. Es referierten verschiedene Vortragende aus Österreich und Italien vor rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Vortragende des Vereins der Italienischen Militärinternierten (ANEI), der 1948 von Überlebenden gegründet worden war, klärten über die Situation italienischer Militärinternierter in Österreich in der Zeit des NS-Regimes auf, während sich Dieter Bacher, Mitarbeiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, mit ihrem Nachkriegsschicksal und der Repatriierung auseinandersetzte. In seinem Vortrag über „steinerne Zeugen italienischer Kriegstoter“ präsentierte Stephan Mlczoch den Zugang Österreichs zu zeitgemäßer Kriegs- und Opfergräberfürsorge und Zielsetzungen für die Zukunft. Ein weiterer Fokus des Symposiums lag auf Bildungsarbeit und Konzepten von Wissensvermittlung. Loris Savegnago, Sohn eines Überlebenden des Lagers Kaisersteinbruch (Burgenland), stellte sein auf Deutsch erschienenes Jugendbuch über das Leben seines Vaters vor, während Alexander Niederhuber, Mitarbeiter des OEAD, über das Projekt „Erinnern.at“ referierte.
Anlässlich des 80. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs wurde mit dem auf Deutsch und Italienisch abgehaltenen Symposium grenzüberschreitend ein Beitrag zu einer gemeinsamen Erinnerungskultur und Versöhnung über den Gräbern einstiger Gegner geleistet.
Susanne Bezdek
Kriegs- und Opfergräber
Erhalt der Anlagen
Das Bundesministerium für Inneres ist unter anderem aufgrund des Friedensvertrags von St. Germain von 1919 und des Staatsvertrags von 1955 für die dauernde und würdige Erhaltung der Kriegs- und Opfergräberanlagen aller Nationen und Konfessionen auf österreichischem Bundesgebiet zuständig – für das Andenken aller, die in den beiden Weltkriegen als Soldaten, als Kriegsgefangene oder Zivilinternierte, als Zwangsarbeiter oder Häftlinge in Konzentrationslagern starben. Österreichweit werden über 800 solcher Anlagen erhalten. Erst im Jänner 2025 wurde der größte deutsche Soldatenfriedhof des Zweiten Weltkriegs am Wiener Zentralfriedhof von der Bundesrepublik Deutschland an die Republik Österreich und somit in die Obhut des Innenministeriums übergeben.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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