European Migration Network
Geordnete Migration ermöglichen
Die Jahres-Konferenz des European Migration Network (EMN) bot eine Plattform, um über migrationspolitische Fragen und Lösungsansätze zu diskutieren.
EMN-Konferenz: Paul Stromberg, Peter Webinger, Azzeddine Farhane, Arthur Erken, Martin Taschner, Moderator Jason Theede © IOM
Die Konferenz wurde am 13. November 2025 in Wien vom Bundesministerium für Inneres (BMI) und dem Landesbüro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) ausgerichtet. Rund 120 internationale Gäste verfolgten die Diskussionen von Expertinnen und Experten nationaler und internationaler Behörden, internationaler Organisationen und der Wissenschaft. Unter dem Titel „Building Orderly Migration Systems through International Cooperation and Innovation“ standen internationale Zusammenarbeit, innovative Maßnahmen und neue Wege zur Steuerung von Migration im Mittelpunkt.
Peter Webinger, Leiter der Sektion V (Migration und Internationales), betonte, dass Staaten und internationale Organisationen angesichts begrenzter Mittel künftig noch enger zusammenarbeiten sollten. Entscheidend sei es, gemeinsame Ziele zu definieren und Initiativen so auszurichten, dass sie durch gebündelte Anstrengungen Wirkung entfalten. Anstatt in Konkurrenz zueinander zu treten, müsse man partnerschaftlich neue Ansätze entwickeln, um aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Migrationsbereich zu begegnen.
Vertrauen, gemeinsame Ziele und der Blick nach vorne.
Im Eröffnungspanel standen die Rollen internationaler Organisationen und die Frage nach der Gestaltung widerstandsfähiger Migrationssysteme in einem geopolitisch komplexen Umfeld im Mittelpunkt. Webinger hob hervor, dass wir in Zukunft eine Zunahme bilateraler Kooperation sehen würden. Fortschritte seien nur möglich, wenn Staaten und internationale Organisationen eine gemeinsame Vision verfolgen, Ziele definieren und an der Umsetzung arbeiten.
Botschafter Azzeddine Farhane stellte die marokkanischen Initiativen im Migrationsmanagement vor, die seit Jahren auf internationaler Zusammenarbeit beruhen. Er betonte die vertrauensvolle Kooperation zwischen Österreich und Marokko, die Potenzial für die Zukunft bietet.
Arthur Erken, IOM Regionaldirektor für Europa und Zentralasien, unterstrich, dass Vertrauen entscheidend für planbare Migration sei. Wie die Vertreter von UNHCR und der Europäischen Kommission machte er deutlich, dass koordiniertes Handeln entlang der Migrationsrouten Voraussetzung für widerstandsfähige Migrationssysteme sei.
Neue Wege der Zusammenarbeit.
Das zweite Panel widmete sich der externen Dimension der Migration und der Frage, wie Maßnahmen bereits entlang der gesamten Migrationsroute ineinandergreifen können. Franziska Kandolf, stellvertretende Leiterin der Sektion V (Migration und Internationales), betonte, dass eine wirksame Migrationssteuerung in der externen Dimension nur dann erreicht werden könne, wenn Staaten vertrauensvolle Partnerschaften aufbauten. Innovative Ansätze seien ein zentrales Element eines breiten Instrumentariums an Maßnahmen. Sie hob hervor, dass seitens vieler Drittstaaten ein deutliches Interesse bestehe, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Im Anschluss wurde die Bedeutung von Informations- und Beratungsangeboten in Herkunfts- und Transitstaaten hervorgehoben, die Migrantinnen und Migranten vor den Gefahren illegaler Migration warnen und gleichzeitig Alternativen aufzeigen. Sogenannte „Migrant Resource Centres“, die das BMI in Herkunftsregionen unterstützt, wurden als erfolgreiches Beispiel vorgestellt.
Bernd Brünner, Geschäftsführer der Austrian Development Agency, verdeutlichte die zentrale Rolle der Entwicklungszusammenarbeit, um Lebensperspektiven in Herkunftsländern zu stärken und langfristig Alternativen zur illegalen Migration zu schaffen.
Darüber hinaus stellte Kanada sein Migrationssystem als Beispiel dafür vor, wie Informationsangebote, Mobilitätsprogramme, Entwicklungszusammenarbeit und Schutzgewährung entlang der Migrationsroute miteinander verknüpft werden können – ein Ansatz, der verschiedene Instrumente sinnvoll kombiniert.
Arbeitskräftemobilität und Partnerschaften als Zukunftsmodell.
EMN-Konferenz: Nicola Graviano, Dean Jorgensen,
Franziska Kandolf, Bernd Brünner, Jason Theede (IOM)
© IOM
In der dritten Diskussionsrunde standen Beispiele regulärer Migration im Mittelpunkt. Die Beiträge zeigten, wie Herkunfts- und Zielländer gemeinsam faire und nachhaltige Rahmenbedingungen für Fachkräftemobilität schaffen können. Als erfolgreiches Modell wurde das EAGLE-Projekt zwischen Österreich und Ägypten vorgestellt. Der Fokus liegt auf der Weiterbildung in Metalltechnologie und Schweißen für den Transportsektor sowie auf Sprachkursen. Thomas Doblhoff, Projektkoordinator im Bundeskanzleramt, betonte, dass, Vertrauen und gemeinsame Standards die Grundlage für solche Kooperationen bilden. Ergänzend Vertreterinnen aus Frankreich und Tunesien berichteten über ihre Erfahrungen mit ähnlichen Modellen, die den Nutzen und langfristige Entwicklung fördern.
Gemeinsame Lösungen als Grundlage für geordnete Migration.
Bettina Baumgartner, stellvertretende Leiterin der Abteilung V/A/5 (Migrationsangelegenheiten EU und Internationales) im BMI, und Saskia Heilemann (IOM Österreich), betonten, dass die Konferenz gezeigt habe, wie wichtig internationale Zusammenarbeit, gemeinsame Strategien und innovative Maßnahmen für ein geordnetes Migrationssystem seien. Nur durch abgestimmtes und partnerschaftliches Handeln könne Migration sicher und fair gestaltet werden.
Das European Migration Network wurde von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um evidenzbasierte Informationen zu Migration und Asyl bereitzustellen. In Österreich wird das EMN vom Bundesministerium für Inneres (BMI) in Zusammenarbeit mit dem Landesbüro für Österreich der Internationalen Organisation für Migration (IOM) koordiniert. Die jährlich stattfindenden Konferenzen dienen als Plattform für den Austausch zwischen politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaft und Praxis.
Florian Piringer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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