Kompetenzzentrum sicheres Österreich
Im Zeichen der Sicherheit
Zum 50-jährigen Jubiläum des Kompetenzzentrums Sicheres Österreich (KSÖ) fand am 13. Oktober 2025 in Wien eine Festveranstaltung statt. Es wurde die Entwicklung der inneren Sicherheit des vergangenen halben Jahrhunderts präsentiert und auf Cyber-Bedrohungen eingegangen.
Auch im Jahr 1975 gab es in unserem Land blutige Anschläge“, sagte Innenminister Gerhard Karner bei der Veranstaltung. Die Medien sprachen damals von „anarchistischem Polit-Terror, der auch in Österreich für traurige Bilanzen“ sorgte. Als Höhepunkte dieser Entwicklung lassen sich die Ermordung des türkischen Botschafters in Wien sowie der Überfall auf das damalige OPEC-Gebäude auf der Wiener Ringstraße nennen. Bei diesem Anschlag fanden ein österreichischer Kriminalbeamter, ein irakischer Leibwächter sowie ein Mitglied der libyschen Delegation den Tod. Beide Ereignisse fanden im Gründungsjahr des KSÖ statt. „Österreich ist nie eine Insel der Seligen gewesen, aber unser Land war damals und ist auch heute eines der sichersten Länder der Welt“, betonte der Innenminister. Die Sorge vor Anschlägen war und ist in Österreich – vor dem Hintergrund der zweithöchsten Terrorwarnstufe – hoch. „Früher waren es Terrorgruppen, die Anschläge verübten, gegenwärtig handelt es sich um radikalisierte Einzeltäter“, sagte Karner.
Der Fokus krimineller Interessen verlagerte sich in den virtuellen Raum. Die Anzahl der Banküberfälle ist in den letzten 50 Jahren gesunken. Ebenso verringerte sich die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser von 15.000 vor einem Jahrzehnt auf 6.000 Einbrüche. Aktuelle Herausforderungen sind Cyber-Angriffe und die Online-Radikalisierung junger Menschen. Auch die Art der Medien veränderte sich. Gab es vor 50 Jahren Zeitungen, Radio und Fernsehen, ist heute der „Liveticker“ rund um die Uhr online abrufbar. Die Polizei arbeitet in der Kriminalprävention mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Das Kompetenzzentrum Sicheres Österreich spielt dabei eine federführende Rolle.
KSÖ-Gründung.
Veranstaltung 50 Jahre KSÖ: Mark Thorben Hofmann, KSÖ-
Vizepräsident Christian Domany, Innenminister a. D. und
KSÖ-Vize präsident Karl Schlögl, Innenminister Gerhard
Karner, KSÖ-Präsident Michael Höllerer © Jürgen Makowecz
1975 sah sich die Gesellschaft mit neuen Herausforderungen, wie steigender Kriminalität, Drogen und dem Aufkommen politischer Gewalt konfrontiert. Eine Reaktion auf diese Entwicklung war die Gründung des „Kuratoriums Sicheres Österreich“, die unter dem Ehrenschutz des damaligen Innenministers Otto Rösch Institutionen und Persönlichkeiten aus der Politik, der Wirtschaft sowie der Gesellschaft vereinte. Die Hauptaufgabe bestand von Anfang an darin, das Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung zu heben.
„Der Sinn und Zweck ist es, auf einer Vereinsbasis die Mitarbeit der Bevölkerung bei Verbrechensvorbeugung und Verbrechensverhütung zu erreichen“, beschrieb der ehemalige Innenminister Karl Blecha die Hauptaufgabe der Einrichtung in einer Filmdokumentation, die anlässlich des 50-jährigen Jubiläums gedreht wurde. Die Idee war Mitte der 1970er-Jahre bahnbrechend, um neue Ansätze bei der Kriminalprävention und ein erweitertes Sicherheitsbewusstsein zu schaffen. „Meine Zeit als Innenminister war eng mit der Tätigkeit des KSÖ als wichtiges, unterstützendes Element des Innenministeriums verbunden“, resümierte Blecha. 1978 startete das KSÖ die erste öffentliche Kampagne „Hände weg von Waffen“ und „Gegen Vandalismus und Drogen“. Ebenso wurden in jener Ära neue Ansätze in den Medien geschaffen. Dazu gehörten Seminare für Journalistinnen und Journalisten sowie Konferenzen zu Polizei- und Kinderschutzfragen.
Das Ende des Kalten Krieges eröffnete eine neue Epoche, in der sich Europa grundlegend veränderte. Österreich spielte im geopolitischen Gefüge eine wichtige Rolle. Durch den Krieg im zerfallenden Jugoslawien kamen Tausende Flüchtlinge ins Land. In dieser Zeit galt es, neben der Schaffung zeitgemäßer Betreuungsstrukturen Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit zu verwirklichen.
In den 1990er-Jahren erweiterte das KSÖ seine Aufgabengebiete. Neue Themen wie Wirtschaftssicherheit, Betrugsbekämpfung sowie Fragen des internationalen Transits und der globalen Kriminalität standen auf der Agenda. Diese vielschichtigen Themen bedingten von Anfang an Präventions- und Fahndungsmethoden. Die internationale Kooperation und Vernetzung wurden im Zuge dieser Entwicklung immer wichtiger. Die Integration internationaler Sicherheitsstandards war ein wichtiger Schritt, um Österreich auf dieser Ebene als verlässlichen Partner im europäischen Gefüge zu positionieren.
Auch im Inland gab es in jener Ära Herausforderungen. „Wir hatten das Grubenunglück in Lassing, die Lawinenkatastrophe in Galtür und einige andere Katastrophen“, erinnerte sich der ehemalige Innenminister und gegenwärtige zweite Vizepräsident des KSÖ, Karl Schlögl. Auch der Beitritt zum Schengen-Raum beinhaltete eine Reihe neuer Aufgaben im Sinne eines modernen Grenzschutz- und Kontrollmanagements der Polizei, das den jeweiligen außenpolitischen Anforderungen immer wieder angepasst werden musste. Wissenschaftliche und technische Neuerungen, wie die Einführung der DNA-Datenbank beschleunigten Ermittlungen und konnten bei der Überführung von Straftätern haltbare Beweise liefern. Der Beschluss des Gewaltschutzgesetzes im Dezember 1997 war ein wichtiger Beitrag zur Optimierung der öffentlichen Sicherheit. Anlässlich des Festaktes zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 appellierte Bundespräsident Thomas Klestil an die Mitverantwortung der Bürgerinnen und Bürger beim Thema Sicherheit. Zu Beginn der 2010er-Jahre erhielt der Begriff Sicherheit eine digitale Dimension. Die rasante Weiterentwicklung auf diesem Gebiet schaffte neben neuen Chancen Risiken, die von Cyber-Angriffen ausgehen.
Digitalisierung.
Das KSÖ begann, sich ab 2011 mit den Herausforderungen der Digitalisierung zu beschäftigen und entwickelte mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) Planspiele. Diese trugen dazu bei, den Cyber-Raum sicherer zu machen. „Die nächsten 50 Jahre werden vor allem die Themen Cybercrime und die dunkle Seite der künstlichen Intelligenz prägen“, sagte der Wirtschaftspsychologe und Kriminalanalyst Marc Torben Hofmann. Er eröffnete einen Blick in die virtuelle Zukunft und dessen mögliche Gefahren. Beispielsweise würden Hacker die vielfältigen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz zunehmend für strafbare Handlungen missbrauchen. Im Darknet ist eine Vielfalt an illegalen Produkten und Dienstleistungen, die die Kommunikation mit kriminellen Anbietern voraussetzen. „Der Ansatz ist kontrovers. Es gibt keinen Straftatbestand Darknet, dieses ist nur ein Kommunikationsmittel. Es hängt davon ab, was der Nutzer darin macht“, erklärte Marc Torben Hofmann. Die künstliche Intelligenz eröffnet jedoch auch den Sicherheitsbehörden neue Chancen. Gerade bei Routineaufgaben, wie der Anwendung von geltendem Recht und der daraus resultierende Beantwortung von Fragen kann die KI helfen, da sie auf die Erkennung wiederkehrender Muster spezialisiert ist. Ein Beispiel wäre die Erkennung von Ladendieben, die größtenteils mit denselben Verhaltensmustern auftreten. Würde man die KI mit Zehntausenden Videos von Ladendieben „füttern,“ würde diese verdächtiges Verhalten besser erkennen als der Mensch. „Die Menschen werden sicher nicht durch die KI ersetzt. Aber ein Mensch, der vernünftig damit arbeitet, wird einen anderen ersetzen, der die KI nicht nützt“, bekräftigte der Vortragende. Die Arbeitswelt der Zukunft wird weiterhin durch Menschen geprägt bleiben, aber auch durch KI-Agenten als „Kollegen“. „Jede KI ist nur so gut, wie die Daten mit der diese trainiert wurde“, berichtete der Referent. In der Frühphase der Cyber-Attacken waren zunächst Konzerne und öffentliche Institutionen das Ziel. Heute können ebenso private Haushalte von Cyber-Angriffen betroffen sein. „Hacker gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Aus deren ,Innenperspektive‘ reden diese Leute von Preis-Leistungsverhältnis“, erklärte Torben Hofmann. Die Betrugs- und Erpressungsmöglichkeiten im virtuellen Raum sind grenzenlos. Der Erwerb von Medienkompetenz ist ein wichtiger Faktor, um Fälschungen zu erkennen. Je mehr Informationen über eine Person oder ein Unternehmen im Internet veröffentlicht werden, desto höher ist die Gefahr eines Missbrauches. Zweckorientierte Ausbildungen in Schulen und öffentlichen Institutionen würden die wachsende Gefahren durch kriminelle Aktivitäten im virtuellen Raum eindämmen.
Michael Ellenbogen
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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