Cyber-Sicherheit
Bildung trifft Cyber-Sicherheit
Seit vier Jahren werden HAK-Schülerinnen und -Schüler in Cybersecurity ausgebildet.
Von 4. bis 6. November 2025 fanden unter dem Motto „Gemeinsam lernen, um gemeinsam zu schützen“ die Cyber-HAK-Security-Days im Bundeskriminalamt statt.
Cyber-HAKs in Tamsweg, Horn und Wien: Damit Behörden und Unternehmen künftig leichter Cyber-Experten finden, werden an drei Handelsakademien den Schülerinnen und Schülern in einem eigenen Schulzweig Themen zu Cybersecurity und Krisenmanagement unterrichtet.
„Das Schulmodell der Cyber-HAK verfolgt gleich mehrere Ziele“, erklärt der Direktor des Bundeskriminalamts, Andreas Holzer. „Es sollen künftige Expertinnen und Experten für Cyber-Sicherheit ausgebildet werden, die ihr Know-how dann in unseren eigenen Reihen bei der Polizei, bei der öffentlichen Verwaltung oder auch in der Wirtschaft einbringen können. Diese Ausbildung zieht aber noch weitere Kreise: Junge Menschen, die sich schon früh intensiv mit Cybersecurity-Themen auseinandersetzen, laufen kaum Gefahr, selbst Opfer von Cybercrime zu werden – und darüber hinaus teilen sie ihr Wissen mit ihrem Umfeld und betreiben so aktiv Präventionsarbeit auf diesem Gebiet. Die Absolventinnen und Absolventen der Cyber-HAKs profitieren auch am Arbeitsmarkt, da die Nachfrage nach Kompetenzen in diesem Bereich stetig steigt.“
Die HAK im Salzburger Tamsweg startete im September 2021 mit dem Schulversuch, der nun in den Lehrplan implementiert wurde. Die Schülerinnen und Schüler des ersten Cybersecurity-Jahrgangs werden im kommenden Jahr maturieren. 2023 folgte die HAK in Horn (Niederösterreich) und im September 2024 die Vienna-Business-School in Wien-Floridsdorf. Insgesamt besuchen derzeit rund 230 Schülerinnen und Schüler elf dieser Spezialklassen. Der erweiterte Lehrplan mit dem Schwerpunkt „Sicherheitsmanagement und Cybersecurity“ erstreckt sich über fünf Jahre und umfasst insgesamt zwanzig Wochenstunden. Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie sich sicher im digitalen Raum bewegen und wie Cyber-Angriffe erkannt und verhindert werden können. Sie beschäftigen sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen von Cyber-Delikten und Datenschutz, analysieren Täterprofile und Angriffsmethoden und entwickeln Strategien zur Prävention. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Informations- und Netzsicherheit, Risikobewertung und dem Schutz kritischer Infrastruktur. Besonderes Augenmerk gilt der NIS-Richtlinie, die die Netz- und Informationssicherheit in Europa regelt. Damit erhalten die Lernenden direkten Einblick in die gesetzlichen Grundlagen, die den Cyber-Sicherheitsrahmen der Europäischen Union bilden.
Kooperation zwischen Bildung und innerer Sicherheit.
Cyber-HAK-Security-Days im Bundeskriminalamt: Andreas
Holzer, Gerhard Karner, Astrid Holzer, Herbert Giegerl,
Peter Hofbauer © Karl Schober
Das Programm basiert auf einer engen Partnerschaft zwischen dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) und dem Bundesministerium für Inneres (BMI). Polizeibedienstete bringen ihr Fachwissen in den Unterricht ein, während die Handelsakademien die Inhalte in ihre Lehrpläne integrieren. Es verbindet wirtschaftliche Ausbildung mit sicherheitsrelevanter Kompetenz und bereitet Schülerinnen und Schüler auf künftige berufliche Tätigkeiten mit Cyber-Bezug vor. Diese Zusammenarbeit beruht auf einem Austausch von Know-how und Expertise und kommt ohne zusätzliche finanzielle Verpflichtungen aus. Der Fokus liegt auf der inhaltlichen Qualität und dem gegenseitigen Wissenstransfer zwischen Schule und Sicherheitsbehörden. „Mit der Digitalisierung wurden Erleichterungen und Vorteile für die Menschen geschaffen, andererseits sind Herausforderungen – wie neue Formen der Kriminalität – entstanden. Im entschlossenen Vorgehen gegen Kriminalität im Internet ist daher ein Bündel an Maßnahmen notwendig: moderne und zeitgemäße Schulung der Ermittlerinnen und Ermittler in den Cybercrime-Trainingscenter, neue Strukturen, die Cyber-Spezialistinnen und -Spezialisten durch die Kriminaldienstreform in die Regionen bringen, und schließlich die enge Kooperation mit den Cyber-Handelsakademien in Tamsweg, Horn und Floridsdorf. Durch die Zusammenarbeit zwischen den Cyber-Spezialistinnen und -Spezialisten des Bundeskriminalamtes und den Lehrerinnen und Lehrern dieser Bildungseinrichtungen können junge Menschen früh auf Herausforderungen im Berufsleben vorbereitet werden“, sagte Innenminister Gerhard Karner. „Damit sorgen wir heute schon für den Nachwuchs der Cyber-Cobra vor.“
„Cybersecurity und Krisenmanagement sind Zukunftsthemen, die in einer wirtschaftlichen Ausbildung in den drei HAKs gelehrt werden. Durch die starke Partnerschaft mit dem Innenministerium profitiert dieser Zweig massiv – ein großartiges Modell für eine gelungene Bildungszusammenarbeit“, sagte Bildungsminister Christoph Wiederkehr.
Cyber-HAK-Security-Days.
Lehrerinnen und Lehrer der österreichischen Cyber-HAKs trafen sich vom 4. bis 6. November 2025 mit Expertinnen und Experten des BMI, des Bundeskriminalamtes (BK), der Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), des Bundesamts zur Korruptionsbekämpfung (BAK) sowie Fachleuten aus den Bereichen Cybercrime, Krisenvorsorge und Strafrecht im Bundeskriminalamt, um sich Fragen der digitalen Sicherheit und Prävention zu widmen. Die Vienna-Business-School (VBS) Floridsdorf hat mit dem Bundeskriminalamt diese dreitägige Fortbildungsveranstaltung initiiert, die den Auftakt einer neuen Form der Cybersecurity-Ausbildung für Lehrkräfte bildet.
Die regelmäßige Veranstaltung soll neben dem Transfer von Wissen aus der Praxis in den Unterricht auch eine weitere Stärkung der Kooperation zwischen Bildungs- und Sicherheitsinstitutionen bewirken. „Unser Ziel war es, den Lehrenden eine weiterführende Spezialausbildung zu bieten, alle Pädagoginnen und Pädagogen der drei Cyber-HAK-Standorte auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen und einheitliche Qualitätsstandards für die Cyber-HAK-Ausbildung in ganz Österreich zu schaffen“, sagte die Initiatorin der Veranstaltung und Direktorin der VBS Floridsdorf Astrid Holzer.
Die Expertenvorträge umfassten Ethik und Korruptionsbekämpfung (Johannes Gsellmann und Bernhard Schneider, BAK), Krisenvorsorge und Krisenbewältigung (Peter Vorhofer, Regierungsberater für Krisenvorsorge und nationale Sicherheit), Strafrecht und Kriminologie (Farsam Salimi vom Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Wien), Cybercrime (Martin Grasel, Andreas Bauer, C4/BK) und Currencies und Blockchain-Technologien (Mario Közegi, C4/BK). Die Koordination sowie die organisatorische und inhaltliche Ausrichtung der Weiterbildungs-Veranstaltung erfolgte durch das Büro für Kriminalpolizeiliche Aus- und Fortbildung und Wissensmanagement des Bundeskriminalamts. „Das BK-Schulungsbüro unter der Leitung von Barbara Pusca fungiert als Thinktank für die Vorträge der Sicherheitsexpertinnen und -experten an den Cyber-HAK-Standorten“, erklärte Holzer. In enger Koordination mit den drei Handelsakademien, dem Cybercrime-Competence-Center (C4), der Sicherheitsakademie (SIAK), den Landespolizeidirektionen (LPD) Niederösterreich, Salzburg und Wien, der DSN, dem BAK und dem C4 werden Inhalte erarbeitet und zur Verfügung gestellt, um einheitliche Standards an den Standorten zu garantieren. „Sicherheit entsteht aus Wissen. Deshalb investieren wir im Bundeskriminalamt nicht nur in Ermittlungen, sondern auch in Ausbildung und Prävention – gemeinsam mit unseren Partnern aus Bildung und Forschung", sagt der Direktor des Bundeskriminalamtes Andreas Holzer.
Gemeinsamer Fokus auf eine sichere Zukunft.
Die Cyber-HAKs verdeutlichen, wie Bildung, Prävention und Sicherheitsforschung ineinandergreifen können. Sie sind ein Beispiel dafür, dass gemeinsames Lernen und Wissensaustausch der Schlüssel sind, um Österreichs digitale Zukunft sicher zu gestalten. Durch die Verbindung von Bildung, Forschung und Praxis entsteht ein Mehrwert für alle Beteiligten: Die Schulen profitieren vom Fachwissen der Sicherheitsbehörden, die Polizei von qualifizierten Nachwuchskräften – und die Gesellschaft von mehr digitaler Resilienz. „Wenn Schülerinnen und Schüler aufgrund unserer Vorträge für den Polizeiberuf begeistert werden und sich für den Einstieg in den Exekutivdienst entscheiden, verbuchen wir das als Doppelsieg“, sagte BK-Direktor Holzer.
Maria Rennhofer-Elbe
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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