KFZ-Veruntreuung
Anzahlungs- und Mietautobetrug
Bei betrügerischen Fahrzeugfinanzierungen werden Autos oder hochpreisige Motorräder geleast und illegal weiterverkauft. Eine Betrugsmasche, die mehrere Geschädigte hervorbringt.
„Betrug ist der moderne Kfz-Diebstahl“, sagt Kontrollinspektor Christian Wuschitz, stv. operativer Leiter der Soko Kfz. „Den typischen Kfz-Diebstahl wird es auch in Zukunft geben. Was aber jetzt schon bemerkbar ist, ist die steigende Zahl an Betrugsdelikten, die betrügerische Erlangung von Fahrzeugen, wie Leasingbetrug.“ In den Jahren 2021 und 2022 wurden in Österreich 3 Gruppen mit 60 Tätern und einer Schadenssumme von 4 Millionen Euro an versuchten und tatsächlich erfolgten Betrugsfällen ermittelt. Die Trends in der Kfz-Diebstahlsszene sind Finanzierungs-, Anzahlungs- und Mietautobetrug (Veruntreuung).
Leasingbetrug.
Von der Polizei sichergestellte veruntreute Leasingautos:
Hinter Leasingbetrug stecken meist organisierte Täter-
gruppen © Soko Kfz
Die gängigste Form ist der Leasingbetrug. „Hierbei versuchen die Täter mittels verfälschter oder gefälschter Dokumente unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten zu erhalten“, erklärt Wuschitz. Den Instituten vorgelegte Ausweise, Melde- und Lohnbestätigungen, sind meist Totalfälschungen. Was den Tätern entgegen kommt: Oft genügt es, diese Unterlagen online oder per Mail vorzulegen, manchmal mittels Messenger-Diensten der Finanzierungsgesellschaft. „Natürlich muss zuvor ein Gehaltskonto eröffnet werden“, sagt Wuschitz. „Dies erfolgt ebenfalls unter Vorlage der gefälschten Dokumente.“ Und selbst die geforderte Anzahlung in der Höhe von meist mehreren Tausend Euro schreckt die Täter nicht ab – sie bezahlen, wissend, dass sich der Weiterverkauf in jedem Fall lohnt.
Organisierte Banden.
Dahinter stecken organisierte Tätergruppen. Im nahen Ausland werden Strohmänner rekrutiert – meist arbeits- oder obdachlose Personen. Auch auf diversen Plattformen wird nach Personen gesucht, deren finanzielle Notlage sich ausnützen lässt, um mit ihrer Originalidentität in Österreich Fahrzeugfinanzierungen abzuschließen. Mit der Aussicht auf ein lukratives Geschäft, werden sie nach Österreich gelockt. Was ihre tatsächliche Aufgabe ist, wissen viele gar nicht. Ihre Aufgabe ist es, den bereits zuvor per Mail ausgehandelten Vertrag zu unterzeichnen und das Fahrzeug so schnell wie möglich den Auftraggebern zu übergeben. Das Interesse an dem Fahrzeug selbst ist gering. Der Fokus der Täter liegt auf dem Abschluss der Finanzierung und einer schnellen Übergabe.
Rascher Weiterverkauf.
„Unmittelbar nach Erhalt und Anmeldung in Österreich wird das Kfz ins Ausland verbracht und dort verkauft“, sagt der Ermittler. „Mit dem österreichischen Zulassungsschein, der mit einem gefälschten Abmeldestempel versehen wird, kann in einem anderen Land problemlos ein Typenschein (COC-Papier) beim Generalimporteur beantragt und zum Verkehr zugelassen werden.“ Einer der Haupttäter inseriert den Wagen auf gängigen Plattformen und sorgt für einen raschen Verkauf – oft ins nahe Ausland wie nach Deutschland oder in die Schweiz. Es handelt sich um mittel- bis hochpreisige Fahrzeuge. Die Ratenzahlungen für den Leasingvertrag werden laut Wuschitz nicht mehr getätigt. „Die Finanzierungsgesellschaften sind verpflichtet, in entsprechenden Abständen und in einer gewissen Anzahl den Leasing- oder Kreditnehmer über das Ausbleiben der Ratenzahlungen zu informieren und ihn zur Zahlung aufzufordern. Bis zur Anzeigeerstattung wegen des Verdachts des Betrugs kann es somit bis zu acht Monate ab dem Erwerb dauern.“
Oft werden kleine Kratzer oder Beschädigungen am Fahrzeug vorgeschoben, um vor dem Erstkäufer den doch günstigeren Preis gegenüber dem Händlerpreis zu rechtfertigen. „Um die Herkunft des Wagens zu verschleiern, werden die Fahrzeuge in kurzer Zeit mehrfach weiterverkauft – oft nur auf dem Papier. Bis zur Auffindung bzw. Sicherstellung des Kfz kann es vorkommen, dass das Fahrzeug sechs oder mehr Besitzer hatte. Da so dem letzten Käufer nicht mehr vorgeworfen werden kann, dass er hätte wissen müssen, dass es sich um ein betrügerisch erlangtes Kfz handelt, wird diesem das Fahrzeug vom Gericht zugesprochen – wegen „Kaufs im guten Glauben“.
Anzahlungsbetrug.
Christian Wuschitz, stv. operativer Leiter
der Soko Kfz © Soko Kfz
Auch Privatpersonen können Opfer einer Betrugsmasche werden, über einen Anzahlungsbetrug. „Hierbei wird dem Opfer, das sein Auto verkaufen will, eine Anzahlung bei der Besichtigung übergeben und mitgeteilt, dass der Restbetrag auf das Konto überwiesen wird, da der Käufer derzeit nicht mehr Bargeld bei sich hat“, sagt Wuschitz. „Im Anschluss erfolgt die vorgetäuschte Überweisung, indem dem Verkäufer eine Überweisungsbestätigung auf dessen Konto vorgezeigt wird, die allerdings nur ein Fake ist. Zudem wird mitgeteilt, dass es ein wenig dauert, bis das Geld am Konto ist. Die Opfer übergeben im Glauben, dass der Restbetrag auf ihr Konto überwiesen wurde das Kfz dem Käufer. Erst Tage später wird den Verkäufern bewusst, dass keine Zahlung erfolgte und sie Opfer einer Betrugshandlung geworden sind.“
Mietautobetrug. Genauso verfahren die Täter beim Mietautobetrug. Die Fahrzeuge werden unter Vorlage gefälschter Dokumente gemietet und ins Ausland verbracht, wo sie so schnell wie möglich weiterverkauft werden sollen.
Das Problem: es gibt mehrere Opfer, sowohl die Banken, als auch die neuen Käufer. Oft warten langwierige Zivilrechtsprozesse auf die Geschädigten. Daher gilt besonders für Händler, aufmerksam zu sein. Wenn das Gegenüber auffällig viele Fragen zur Finanzierung stellt, aber kein Interesse an dem Fahrzeug zeigt, sollten die Alarmglocken läuten.
Soko Kfz.
Unter der Leitung des Bundeskriminalamtes bekämpfen die Expertinnen und Experten der Soko Kfz, angesiedelt im Landeskriminalamt Burgenland, seit nunmehr 16 Jahren bundesweit die organisierte Kriminalität des Autodiebstahls in Österreich. Autodiebe sind bandenmäßig und arbeitsteilig organisiert und grenzüberschreitend tätig. Die Hauptaufgabe des kriminalpolizeilichen Teams stellt das Ausforschen von Verdächtigen und Fahrzeugen dar, die durch Diebstahl, Raub, Veruntreuung oder Betrug entfremdet wurden – national wie auch international.
Unterstützung.
Für die österreichischen Polizeidienststellen bietet die Sonderkommission einen 24/7-Support in Bezug auf Kfz-Delikte und zu Kfz-Erhebungen an. Die Unterstützung beinhaltet zum Beispiel die Zuordnung von Fahrzeugteilen nach einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, die Unterstützung bei Fahrzeugidentifizierungen anhand von Lichtbildern einer Überwachungskamera oder auch durch fachkundige Anleitung bei der Feststellung einer möglichen verfälschten Fahrzeugidentität. Die Angehörigen der Soko Kfz sind Mitglieder von Ermittlungsteams von Europol, Interpol und Frontex. Sie arbeiten mit Dienststellen aus Deutschland, Ungarn, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Kroatien, Serbien und Litauen zusammen. Zusätzlich sind diese Länder fortwährend in einem Informationsverbund über das SIENA-System von Europol.
Julia Brunhofer/Herbert Zwickl
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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