Alpineinsätze
Steigende Unfallzahlen
Laut Bilanz der Alpinpolizei über die Alpinsaison vom 1. November 2024 bis zum 31. Oktober 2025 wurden 10.900 Unfälle und Notfälle in den Bergen registriert – um 15 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum davor. Hauptursachen bei Todesfällen sind Herzinfarkte und Abstürze.
Mit 10.900 Unfällen und Notfällen lag die Zahl erstmals über der 10.000er-Marke, was einer Steigerung gegenüber dem Beobachtungszeitraum 2023/2024 von rund 15 Prozent entspricht. Die Zahl der Todesopfer lag mit 269 leicht unter dem zehnjährigen Schnitt. Die Unfalldaten werden von der Polizei statistisch erfasst und vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) ausgewertet.
In der Alpinsaison 2024/2025 kamen acht Personen bei
Lawinenunfällen ums Leben – ein deutlicher Rückgang
gegenüber den Vorjahren © Bruno Guttmann
Bergsportaktivitäten erfreuen sich weiter großer Beliebtheit. Mit der Zahl jener, die Erholung in den Bergen suchen, steigt auch die Zahl der Unfälle. Den größten Zuwachs gab es im organisierten Skiraum mit knapp 4.900 Unfällen mit Verdacht auf Fremdverschulden, die von der Alpinpolizei erhoben und den Justizbehörden berichtet wurden. Dies bedeutet eine Steigerung von über 30 Prozent gegenüber der Vorsaison (2023/2024) bei einem Zehn-Jahresschnitt von 3.670 Ereignissen.
Die Disziplin Wandern/Bergsteigen zeigte mit 2.453 Vorfällen gegenüber dem Vorjahr keine gravierenden Änderungen, wobei zu berücksichtigen ist, dass eine hohe Dunkelziffer wahrscheinlich ist, denn in die Statistik fließen nur jene Ereignisse ein, die polizeilich bekannt werden. Unfälle mit leichteren Verletzungen und solchen, die sich möglicherweise erst einen Tag nach dem Ereignis bemerkbar machen, bleiben unberücksichtigt. Sobald Rettungsorganisationen in die Rettung involviert sind, sind die Daten genau, bei tödlichen Unfällen kann man von hundertprozentiger Genauigkeit ausgehen.
Der Herzinfarkt ist erneut Todesursache Nummer eins (69), gefolgt von Abstürzen aus verschiedenen Gründen mit 61 Opfern. Bei Lawinenunfällen kamen acht Personen ums Leben, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren.
Die Unfalldatenbank des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit (ÖKAS) und des Bundesministeriums für Inneres (BMI) ist seit 1. November 2005 digitalisiert auswertbar. Derzeit sind 165.000 Ereignisse mit 240.800 Beteiligten abrufbar. Es gibt sonst kein europäisches Land mit einer derartigen Datenbank für Ereignisse im alpinen Raum.
Die Alpinpolizei erhebt bzw. erfasst sämtliche bekannt gewordenen Ereignisse im alpinen Gelände unabhängig vom Verletzungsgrad. Auf Skipisten und Skirouten werden die Ereignisse nur dann erhoben und statistisch erfasst, wenn Verdacht auf Fremdverschulden besteht oder der Unfall für einen der Beteiligten tödlich endet. „Die Daten der Alpinpolizei sind die Grundlage der Arbeit des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit und damit ein unverzichtbarer Teil der Unfallanalyse und Prävention“, sagt Peter Paal, Präsident des ÖKAS und Primarius für Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg.
Ausbildung: Erheben, fahnden, bergen, retten – diese Tätigkeiten erfordern besondere Kenntnisse, weshalb die Landespolizeidirektionen und das Bundesministerium für Inneres umfassende Alpinausbildungen anbieten, die der Einsatzsicherheit wie der Qualität der Ermittlungsarbeit dienen. Durch diese fundierte Ausbildung werden auch die Justizbehörden mit verlässlichen und fachlich fundierten Erhebungsergebnissen unterstützt.
Die vom BMI organisierte staatliche Polizei-Bergführerausbildung ist Voraussetzung für die verantwortungsvolle Tätigkeit als Leiter einer alpinen Einsatzgruppe oder für die Tätigkeit als Flight-Operator bei der Hubschrauberflotte des BMI. Sicherheits- und Ordnungsdienst in alpinen Ballungsräumen oder bei Großereignissen runden die Tätigkeit ab. Seit mehr als 30 Jahren pflegt die österreichische Alpinpolizei enge internationale Kooperationen und hat in zahlreichen europäischen Staaten maßgeblich zum Aufbau alpiner Sicherheits- und Rettungsstrukturen beigetragen.
Hans Ebner
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2026
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