Sicherheitstag 2025
Plattform für Sicherheitsfragen
Sicherheitstag: Führende österreichische Sicherheits- und Bewachungsunternehmen präsentierten ihre Angebote
© Julian Roniger / OES
Organisierte Kriminalität, Digitalisierung und Sicherheit an Schulen waren die Schwerpunkte der Vorträge des Sicherheitstags am 25. September 2025 in Wien. Es gab die Möglichkeit, sich an den Ständen der in- und ausländischen Branchenführer der Sicherheitsbranche zu informieren.
Unsere Gesellschaft vor feindlichen Angriffen jeglicher Art zu schützen ist die vornehmliche Aufgabe der öffentlichen Sicherheit ebenso wie der heimischen Sicherheitsbranche. Damit muss auch eine Welle von Respekt und Anerkennung gegenüber all jenen einhergehen, die Tag für Tag ihr Leben in den Dienst dieser Sache stellen, denn für ein sicheres und lebenswertes Österreich brauchen wir unsere Exekutive und das sollte wieder viel mehr in unser aller Denken Eingang finden“, sagte Nikolaus Immanuel Köhler, Präsident und Gründer des Sicherheitstages bei der Eröffnung der Veranstaltung. Der Sicherheitstag fand unter dem Ehrenschutz von Bundeskanzler Christian Stocker statt.
Organisierte Kriminalität.
Vortragende beim Sicheheitstag: Ralph Hammer, Frank Urbaniok, Andreas Holzer, Marlon Possard, Thomas Grechenig, Wilfried Lehner
© Julian Roniger / OES
General Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, referierte über organisierte Kriminalität. „Österreich ist eines der sichersten Länder der Welt“, betonte er, wies aber ebenso darauf hin, dass alle großen mafiatypischen Organisationen auch hierzulande präsent sind. Die OK betrachte Österreich hauptsächlich als Rückzugsbereich, weniger als Operationsgebiet.
Als Beispiel für einen Fall organisierter Kriminalität mit Österreich-Bezug nannte Holzer einen von einem österreichisch-türkischen Staatsbürger geleiteten Menschenhandelsring, der vor allem Frauen aus Kolumbien zu Sexarbeit in Europa zwang. Vergangenen September gelang es dem Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit Europol, in Kolumbien fünf Haupttäter festzunehmen.
Holzer beschrieb verschiedene Formen der Cyber-Kriminalität, darunter gefälschte E-Mails im Namen von Polizeibehörden, deren Urheber sich häufig in der Elfenbeinküste befinden. Online-Gruppen, die extremistische Inhalte verbreiten, zu Straftaten oder zu Selbstverletzung bis zum Suizid anstiften, stellen vor allem für Jugendliche eine Gefahr dar. Zunehmend an Bedeutung gewinnt das Phänomen „Cybercrime as a Service“. Da werden Tools, Anwendungen, Plattformen, Know-how und andere Services zur Ausführung krimineller Handlungen wie Angriffe auf IT-Systeme, Daten und digitale Infrastrukturen zur Verfügung gestellt.
Künstliche Intelligenz.
Marlon Possard, Leiter des Departments für KI und Ethik und Professor an der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien und Berlin sowie Wissenschaftler an der Hochschule Campus Wien, widmete sich dem Einsatz von KI in der Strafverfolgung, der im Spannungsfeld zwischen Effizienz und der Wahrung von Persönlichkeitsrechten und Datenschutz steht. Possard beschrieb Anwendungsbereiche von KI-Systemen: KI-unterstützte Gesichtserkennung erleichtert es, gesuchte Personen zu identifizieren. Kamerasysteme scannen Nummernschilder von Fahrzeugen und gleichen sie in Echtzeit mit polizeilichen Datenbanken ab. Schussgeräusche lassen sich mit akustischen Sensoren in Verbindung mit Schusswaffendetektions-Software genau lokalisieren. KI eignet sich optimal dafür, riesige Datenmengen – etwa Aufnahmen von Überwachungskameras, Beträge in Sozialen Medien oder Einsatzprotokolle – zu analysieren. In der Verwaltung können Spracherkennungs- und Textverarbeitungssysteme die Protokollierung erleichtern.
Bei bestimmten KI-Anwendungen überwiegen für Possard allerdings die Bedenken. Im Bereich der vorausschauenden Kriminalitätsbekämpfung kann Predictionssoftware ortsbezogen eingesetzt werden, um durch die Auswertung vergangener Vorfälle Einsatzkräfte präventiv an strategisch wichtigen Orten zu positionieren. Personenbezogene Prediction stuft der Wissenschafter dagegen als problematisch ein. Der Einsatz von Chatbots zur Beantwortung der Anfragen von Bürgern stößt an seine Grenzen, sobald sicherheitskritische oder vertrauliche Daten betroffen sind.
Digitale Sicherheit.
Sicherheitstag: Präventionstipps gab es am Stand der Kriminalprävention
© Gerd Pachauer
Was digitale Souveränität und Sicherheit für Europa bedeuten, erläuterte Thomas Grechenig, Professor an der Technischen Universität Wien. Er betonte, dass stets der analoge Kontext mitzudenken sei: „Ein Betrug, bei dem digitale Technologien verwendet werden, ist in erster Linie ein Betrug – und erst danach ein digitales Delikt.“ Demnach setze auch die digitale Souveränität eines Landes reale politische Handlungsfähigkeit voraus. Grechenig sprach sich dafür aus, die IT-Entwicklung in Europa voranzutreiben, um die Abhängigkeit von Technologien aus den USA und China zu verringern – Staaten, in denen die digitale Integrität des Individuums deutlich schwächer geschützt ist.
Scheinfirmen.
Hofrat Wilfried Lehner, Leiter der Finanzpolizei, erläuterte die Aufgaben seiner Behörde und ging näher auf den aktuellen Schwerpunkt Scheinfirmen ein. In diesem Bereich verfüge die Finanzpolizei über besondere Befugnisse, sagte Lehner: „Seit dem Vorjahr können wir im Zuge von Finanzstrafverfahren Bankkonten von Scheinfirmen sowie mit diesen verbundene Konten rasch einfrieren lassen – etwas, das selbst der Geldwäschemeldestelle nicht möglich ist.“ Rasches Handeln sei entscheidend, da die auf solchen Konten eingehenden Beträge häufig sofort weiterüberwiesen oder in bar behoben werden.
Kriminalität und Migration.
Der Schweizer forensische Psychiater und Gutachter Prof. Frank Urbaniok ist auf die Behandlung und Risikobeurteilung von Sexual- und Gewaltstraftätern spezialisiert. Ihm fiel der hohe Anteil junger Männer mit Migrationshintergrund aus patriarchalisch geprägten Gesellschaften unter den von ihm begutachteten Tätern auf. Seine Analysen kriminalstatistischer Daten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich stützten diese Beobachtung. Urbaniok führte die Überrepräsentation auf kulturspezifische Prägungen zurück. Vor allem Gewalt als Ausdruck von Stärke und Männlichkeit sowie die Ablehnung westlicher Werte, insbesondere von Frauenrechten, spielen hier eine wesentliche Rolle.
Podiumsdiskussion Sicherheit an Schulen: Nikolaus Immanuel Köhler (Moderator), Michael Sonvilla (Polizei), Markus Schimpl (Sicherheitsberater), Manuel Heinemann (Kriminologe), Peter Endress (EVALARM), Thomas Krebs (Lehrergewerkschaft, Christian Klar (Schuldirektor)
© Julian Roniger / OES
Sichere Schulen.
Auch bei der Podiumsdiskussion zum Thema Sicherheit an Österreichs Schulen kamen Probleme zur Sprache, deren Wurzeln in einer nicht unseren Werten entsprechenden Sozialisierung liegen. „Es gibt tätliche Bedrohungen, Mädchen werden belästigt, Andersgläubige gemobbt, bis sie konvertieren. Wir haben es mit einer anderen Kultur zu tun, da passen unsere gesellschaftlichen Regeln nicht mehr“, berichtete Christian Klar, Direktor einer Wiener Mittelschule. Er forderte ein konsequenteres Vorgehen bei Verstößen.
Thomas Krebs, Mittelschullehrer in Wien und stellvertretender Bundesvorsitzender der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, nahm zum Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz am 10. Juni 2025 Stellung. „Jetzt wissen wir, dass so etwas auch bei uns passieren kann“, sagte Krebs. Er sieht eine Ursache für Taten wie diese, aber auch für weniger verheerende problematische Verhaltensweisen von Schülern in deren schlechtem psychischen Gesundheitszustand. Zur Verbesserung der Situation brauche es flächendeckende Unterstützung und zur Verhinderung von Amokläufen sicherheitstechnische Beratung für die Lehrkräfte.
Manuel Heinemann, Kriminologe, Sozialarbeiter und Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bochum, erläuterte, wie Prävention von Amokläufen gelingen kann: „Das Lehrpersonal muss geschult werden, um zu erkennen, ob sich ein Schüler in Richtung eines Amoklaufs entwickelt. Es geht darum, Warnfaktoren zu identifizieren.“
Im Vorfeld einer solchen Tat zeigen potenzielle Täter häufig ein sogenanntes Leaking – etwa Rückzug, Drohungen oder die Äußerung von Gewaltfantasien. Das richtige Verhalten im Ernstfall müsse mit Schülern kindgerecht geübt werden, sagte Heinemann. Solche Übungen sollten sensibel gestaltet sein, da sie sonst eine Faszination für das Thema Amoklauf auslösen könnten.
Markus Schimpl, Sicherheitsberater und Sachbuchautor, empfahl ein Vorfalltraining nicht nur für Lehrpersonal, sondern auch für Schulwarte. Er ist Mitglied des Gewaltschutzbeirats der Bildungsdirektion des Landes Steiermark.
Aus Sicht der Polizei schilderte Michael Sonvilla, Leiter des Teams Bedrohungsmanagement und Gefahrenanalyse der LPD Wien, die Problematik von Amoklauf-Prävention an Schulen. Er ist mitverantwortlich für die bundesweite Umsetzung des polizeilichen Bedrohungsmanagements in Österreich im Rahmen eines Projekts des Innenministeriums. Es sei wichtig, dass Lehrer Warnhinweise erkennen und an die Polizei weiterleiten, sagte Sonvilla. Wir haben einen direkten Draht zu den Schulen. Wer eine Gewaltfantasie entwickelt, sendet Signale aus – und diesen Hinweisen müssen wir nachgehen können.“
Fachausstellung & Fachkonferenzen.
Sicherheitstag: Sicherheitstechnik firmen stellten neue Produkte vor
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Der zum vierten Mal stattfindende Sicherheitstag bot neben Vorträgen, eine Fachausstellung und die Möglichkeit zum Austausch über aktuelle Sicherheitsfragen. Der Sicherheitstag stellt die größte B2B-Leistungsschau der Sicherheitsbranche auf österreichischem Boden dar. Er wurde von Nikolaus Immanuel Köhler, Präsident des österreichischen Sicherheitstages und dessen Firma Sicherheitstag GmbH veranstaltet.
Kooperationspartner sind der VSÖ (Verband für Sicherheitstechnik Österreich) und das KEO (Komitee für Sicherheitstechnik Österreich). Besucher des Sicherheitstags hatten die Möglichkeit, sich an den Informationsständen der führenden in- und ausländischen Branchenführer der Sicherheitsbranche zu informieren. Die Polizei war auch in diesem Jahr wieder vertreten – mit Ständen der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst sowie der Kriminalprävention. Im Rahmen der Veranstaltung wurden mehrere Personen mit dem Titel „Ehrensenator“ ausgezeichnet, die sich um den Sicherheitstag verdient gemacht haben (www.sicherheitstag.com/uber-uns ).
Rosemarie Pexa
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2025
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