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Retter 2025

Einsatz für die Sicherheit

„Retter“ in Wels: ferngesteuerter Roboterhund zur Erkundung der Lage; Brechwerkzeug zur Rettung von Fahrzeuginsassen
„Retter“ in Wels: ferngesteuerter Roboterhund zur Erkundung der Lage; Brechwerkzeug zur Rettung von Fahrzeuginsassen
© Kurt Hickisch

Bei der Retter-Messe vom 18. bis 20. September 2025 in Wels zeigten Einsatzorganisationen, wie auf den verschiedensten Gebieten für die Sicherheit aller gesorgt wird. Die österreichische Leitmesse für Einsatzorganisationen wird alle zwei Jahre abgehalten.

Nach Interview-Blöcken auf der Bühne, unter anderem mit dem Militär-, dem Landesfeuerwehrkommandanten und dem Landespolizeidirektor von Oberösterreich, sowie einer Festansprache von Landesrätin Michaela Langer-Weninger wurde die Messe von Bundesministerin für Europa, Integration und Familie Claudia Plakolm eröffnet.
Am Gemeinschaftsstand des österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, des Landesfeuerwehrverbands und der Freiwilligen Feuerwehr Wels wurden schwere Einsatzfahrzeuge mit voller Ausrüstung wie Hubbühnen, Drehleitern und schwerem Bergegerät vorgestellt sowie ferngelenkte Löschfahrzeuge, die zur Brandbekämpfung vorgeschickt werden können. Darauf montierte Gebläse können zum Entlüften eingesetzt werden.
Das Raupenfahrzeug eines Herstellers, das mit einer Bahre zur Bergung von Menschen ausgerüstet wurde, war mit einem Vorsatzgerät ausgestattet, um sich selbst den Weg bahnen zu können. Es wurde zum Beispiel nach dem Einsturz einer Halle eingesetzt.
Das Löschgerät Drill-X bohrt sich durch den Druck des Löschwassers durch Wände und ermöglicht ein punktgenaues Löschen auch an schwer zugänglichen Bereichen.
Ein von der Fachhochschule Wels gebauter ferngesteuerter Roboterhund kann zur Erkundung der Lage eingesetzt werden. In einem mit einem mobilen Hochwasserschutz errichteten Wasserbecken wurde von der Feuerwehr Wels demonstriert, worauf bei Bergungen in fließenden Gewässern zu achten ist. Es gilt zu verhindern, dass der Retter von der Strömung abgetrieben wird. Gezeigt wurde, wie die Sicherung über Seile erfolgt. Unbedingt erforderlich ist ein weiterer Helfer.

Über den Hochwasserschutz in Oberösterreich informierte ein Vertreter des Amtes der oberösterreichischen Landesregierung. Das Programm Gemeinsam Sicher Feuerwehr (gemeinsam-sicher-feuerwehr.at) ist eine Initiative der österreichischen Feuerwehren (ÖBFV) zur allgemeinen Brand- und Katastrophenschutzerziehung in Bildungseinrichtungen, das im Kindergarten beginnt und sich zur Volksschule fortsetzt. Hier werden erste Schritte zur Eigenverantwortung gemacht.
Es schließen sich vertiefende Themen für die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II mit Einblicken in Chemie und Physik an. Unter schubu.at wurden Spiele entwickelt. Auf dieser Website findet sich auch Unterrichtsmaterial zur Waldbrandprävention.

Einsatzkräfte.

Am Stand der Landespolizeidirektion Oberösterreich konnte man sich in der Aktion des Innenminis­teriums Gemeinsam.Sicher (gemeinsamsicher.at) Tipps holen, um nicht Opfer einer Straftat zu werden – sei es in der eigenen Wohnung, auf der Straße, bei Trickbetrügereien oder im Internet. Die Fitness für die Aufnahme in den Polizeidienst konnte mit der Absolvierung von Liegestützen getestet und Informationen zum Beruf des Polizeibeamten erhalten werden. Bei der Justizwache konnten Interessierte Schutzweste und -helm anprobieren. Das Equipment war am Stand aufgelegt.
Das Bundesheer stellte schwere ­Lkws wie ein Sanitäts- und ein Strahlenspürfahrzeug. Im Falle eines europaweiten Blackouts, könnte das Bundesheer mit seinen autarken Kasernen und der modernen Ausrüstung Einsatzorganisationen unterstützen und versorgen. An Rettungsorganisationen waren das Rote Kreuz, der Samariterbund sowie Berg- und Wasserrettung mit Informationsständen vertreten.
Beim Stand des oberösterreichischen Zivilschutzverbandes konnte man sich hinsichtlich der Vorsorge gegen Not- und Krisenfälle, zu Notfallkommunikation und Vorratshaltung beraten lassen. Broschüren lagen zu den Themen Strahlenschutz, Blackout und Starkregen auf.

Rettungshundebrigade.

Wie die Ausbildung eines Rettungshundes erfolgt, war beim Stand der Rettungshundebrigade (oerhb.at) zu erfahren. Geeignet sind im Prinzip alle Rassen, wobei im Alter von etwa acht Wochen spielerisch begonnen werden kann. Die Ausbildung eines Rettungshundes dauert zwei Jahre und erfolgt über positive Motivation unter Ausnützung des Spiel- und Futtertriebs der Hunde. Die Einsatzfähigkeit von Hund und Hundeführer/in wird jährlich überprüft, wobei auf einer Fläche zwischen 30.000 und 40.000 m² zwei dort aufhältige Personen aufgespürt werden müssen. Einsätze bei Dunkelheit oder nachts sind relativ häufig. Über eine Rettungshundestaffel verfügt der auch mit einem Stand vertretene Samariterbund.

Höhlenrettung.

Die österreichische Höhlenrettung (oehr.at) ist eine gesetzlich anerkannte Hilfs- und Rettungsorganisation, deren Zweck es ist, in Höhlen oder höhlenähnlichen Hohlräumen wie Stollen oder Erdställen Verunglückten, Vermissten, Erkrankten oder sonst in Not Geratenen zu helfen, indem sie gesucht, versorgt, gerettet und abtransportiert werden. Zudem unterstützt die Höhlenrettung bei Anforderung anderer Organisationen.
Die Mitglieder des Vereins rekrutieren sich aus den Reihen der Höhlenforscher, die die nötige Erfahrung im Begehen von Höhlen haben und sich in weiterer Folge der Rettung aus Höhlen zur Verfügung stellen.
Derartige Einsätze sind fordernd. Am bekanntesten und für die Höhlenrettung geradezu prägend ist die zwölftägige Rettungsaktion aus einer Tiefe von 1.000 m in der Riesending-Schachthöhle des Untersbergs im Berchtesgadener Land im Juni 2014, an der über 700 Retter aus fünf Nationen beteiligt waren, davon 200 in der Höhle.
Die „Schlufbox“ am Stand vermittelte eine Vorstellung, unter welchen Verhältnissen sich Höhlenretter bewegen. Drei Tunnel mit quadratischem Querschnitt, gerade ausreichend, schmal gewachsene Menschen aufzunehmen, sind im rechten Winkel zueinander aufgebaut, wobei der mittlere Teil auf den beiden Seitenteilen, mit Öffnung zu diesen, aufgesetzt ist. Beim Durchkriechen muss somit auch dieser Höhenunterschied bewältigt werden. Für den Notfall, so wurde versichert, stehe der Akkuschrauber zum Lösen der Teile bereit. „In Wirklichkeit kann es sogar noch enger sein“, wurde am Stand erklärt.

„Retter“-Messe: Löschroboter für innen und außen; Presserundgang mit Bundesministerin Claudia Plakolm (re.)
„Retter“-Messe: Löschroboter für innen und außen; Presserundgang mit Bundesministerin Claudia Plakolm (re.)
© Kurt Hickisch

Produkte.

Virtual Reality kann auch zur Ausbildung beim Umgang mit Feuerlöschern und Kettensägen eingesetzt werden. Die Programme sind so konzipiert, dass erst dann fortgefahren werden kann, wenn Sicherheitsbestimmungen wie Anlegen von Schutzhandschuhen, erfüllt worden sind. Sinngemäß können solche Programme auch bei der Ausbildung zu medizinischen Berufen eingesetzt werden (kabetec.de)
Um zu verhindern, dass sich Brände von Lithium-Akkus ausbreiten, wurden Behältnisse vorgestellt, auch für die Ablage von Handys. Empfohlen werden dazu Rauchmelder, die den austretenden Rauch detektieren (flameey. com).
Für den Katastrophenschutz sind WASH-Produkte (Wasser, Sanitär und Hygiene) wichtig. Ein Unternehmen stellte für den kommunalen Katastrophenschutz mobile Toiletten mit Waschbecken vor. Die Kabinen können zu Batterien zusammengeschlossen werden, ebenso mobile Duschen (resylia.de).
Mit zusammensteckbaren Einzelelementen kann rasch ein mobiler Hochwasserschutz aufgebaut werden, mit Krümmungen sowohl nach außen als auch nach innen (grampelhuber.at).
Vorgestellt wurden Rauch-, CO- und CO2-Melder. Die Seibersdorf Labor GmbH präsentierte Strahlenmessgeräte mit integrierten Zählrohren zur Messung von Dosis und Dosisleistung.
In der Drone-Flight-Zone fanden in einem vergitterten Bereich der Ausstellungshalle Flugvorführungen statt. Im Freigelände erfolgten Vorführungen zu Höhenrettung, praktische Einsätze von Rettungshunden und der Einsatz von Robotertechnik zur Unterstützung im Katastropheneinsatz. In einem Container wurde die Bekämpfung von Zimmerbränden demonstriert.

Fachvorträge betrafen unter anderem das digitale Gebäudesicherheits- und Notfallsystem Home-Resq (homeresq. de), das sicherheitsrelevante Daten von Gebäuden wie Grundrisse, Bewohnerzahlen, Zugänge, Gefahrenquellen, im Notfall autorisierten Rettungskräften zur Verfügung stellt. Ein am Gebäude angebrachter QR-Code macht die Informationen für die Rettungskräfte abrufbar. Erstmals wurde die Fachtagung „Katas­trophenforschung trifft Einsatzpraxis – Drohnen & Robotik im Fokus“ abgehalten. Der letzte Tag der Veranstaltung, war als „Tag des Ehrenamts und der Freiwilligkeit“ speziell dem breiten Publikum gewidmet.

Die Retter-Messe wurde von 258 Ausstellern, darunter 87 Erstaustellern, beschickt. Die nächste Retter wird vom 23. bis 25. September 2027, wieder in Wels, stattfinden.

Kurt Hickisch
rettermesse.at  


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2025

 Druckversion des Artikels (pdf, 490 kB)

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