Porträt
Beste nordische Kombiniererin
Polizeispitzensportlerin Lisa-Marie Hirner gewann drei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften und eine Goldmedaille bei der Junioren-WM 2023.
Lisa-Marie Hirner gewann die erste Frauen-Einzel-Medaille in der nordischen Kombination bei Weltmeisterschaften
© GEPA Pictures / Harald Steiner
Für die 21-jährige Lisa-Marie Hirner aus Eisenerz in der Steiermark sind die Berge nicht nur Heimat, sondern auch Fundament einer Sportlerkarriere. Sie ist Österreichs erfolgreichste Athletin in der nordischen Kombination. Schon als Kind probierte Hirner alles aus, was mit Bewegung zu tun hatte: Fußball, Judo, Reiten, Klettern, Surfen und Segeln. Mit ihren Brüdern jagte sie auf Tourenskiern über die Hügel der Region, jede Erhebung wurde zur Schanze.
„Wir haben als Kinder alles ausprobiert – Hauptsache draußen, Hauptsache in Bewegung“, erinnert sie sich. Mit elf Jahren schnallte sie erstmals Sprungski und Langlaufski an. Rasch kämpfte sie sich an die Spitze, mit 13 folgte das erste internationale Antreten, wenig später der steirische Landeskader.
Drei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften (Planica, Trondheim sowie Mixed in Trondheim) und Junioren-WM-Gold 2023 stehen in Lisa-Marie Hirners Erfolgsbilanz. Ihr Weltcup-Debüt gab sie, für den SC Erzbergland startend, im Jahr 2020. Seither reiht sich ein Höhepunkt an den nächsten: zahlreiche Staatsmeistertitel, Olympiagold bei den Youth-Games in Lausanne sowie ein vierter Platz beim Grand Prix der Nordischen Kombination.
2025 gewann Hirner in Trondheim die erste Einzelmedaille einer Frau in der Nordischen Kombination bei Weltmeisterschaften. „Es war ein unbeschreibliches Gefühl.“
Lisa-Marie Hirner ist seit November 2023 im BMI-Spitzensportkader
© GEPA Pictures / Christian Moser
Der Erfolg ist kein Selbstläufer. „Wer alles gibt, hat sich nichts vorzuwerfen“, lautet ihr Leitspruch – und Hirner weiß, was Durchhaltevermögen bedeutet. Über Monate kämpfte sie mit gesundheitlichen Problemen, bis die Diagnose feststand: Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Seitdem lebt sie streng gluten- und zuckerfrei. „Ich musste lernen, auf meinen Körper zu hören. Ernährung, Ruhe, Regeneration – das ist genauso wichtig wie Training. Es war eine harte Zeit, aber jetzt weiß ich, womit ich es zu tun habe.“
Polizei.
Neben dem Sport hat die Steirerin ihre Ausbildung nicht vernachlässigt: Sie absolvierte die Lehre mit Matura als Konstrukteurin und ist seit 1. November 2023 als Polizeispitzensportlerin Teil des Spitzensportkaders des Innenministeriums. „Ich wollte immer auch ein zweites Standbein haben“, sagt sie. Die Polizeigrundausbildung absolviert sie im Bildungszentrum Graz. Zuvor war sie beim Bundesheer, entschied sich aber für die Polizei, „weil ich dort die besseren Zukunftsperspektiven sehe“.
Der Sport liegt in der Familie: Vater Günther Hirner war schon im nordischen Wintersport aktiv. Lisa-Marias Onkel Adolf ist ehemaliger Weltcupspringer, ihre jüngeren Zwillingsbrüder sind ebenfalls sportlich. „Meine Familie war und ist mein größter Rückhalt. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen“, betont Hirner. Unterstützung ist ihr also sicher – von den ersten Sprüngen bis zum WM-Erfolg.
„Derzeit arbeite ich daran, endlich ein Weltcupsieg zu erzielen und den Traum von Olympia zu erfüllen“, sagt Lisa-Marie Hirner. Sie trainiert in Innsbruck, Seefeld und Eisenerz – ohne Angst, trotz mancher Stürze. In der Freizeit findet sie Ruhe in den Bergen oder auf dem Wasser. „Ich brauche die Natur – sie gibt mir Kraft und Gelassenheit. Ob beim Klettern, Wandern oder Segeln: Da kann ich den Kopf frei bekommen.“
W. W.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2025
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