Bundespolizei
„Kein Tag ist wie der andere“
Jasmin Reiter, Petra Schmied, Lisa Gfrerer: Drei Polizistinnen in Führungspositionen über Verantwortung, Vielfalt und Vorbildfunktion.
Lisa Gfrerer leitet in der Stadt Salzburg das Kriminalreferat
© Michael Korber
Frauen in Spitzenpositionen bei der Polizei sind zwar rar, doch ihre Zahl steigt allmählich. Drei, die diesen Weg erfolgreich gehen, sind Jasmin Reiter, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Landespolizeidirektion (LPD) Oberösterreich, Petra Schmied, die erste Bezirkspolizeikommandantin in Rohrbach, und Lisa Gfrerer, Leiterin des Kriminalreferats im Stadtpolizeikommando Salzburg. Drei Karrieren, drei Persönlichkeiten und eine Botschaft: Der Polizeiberuf bietet Frauen ebenso wie Männern alle Möglichkeiten.
Die unterschiedlichen Karrierewege der drei Frauen zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, in der Polizei aufzusteigen. Jasmin Reiter startete mit 18 Jahren in Salzburg ihr Jus-Studium, absolvierte ihr Gerichtspraktikum in Braunau und Ried, bevor sie das Doktoratsstudium parallel zur Polizeischule begann. Sie hat auch einen Masterabschluss in European Union Studies. Nach Abschluss der Polizeigrundausbildung 2013 versah sie Dienst in der Polizeiinspektion (PI) Leonding.
„Es ist die Vielfalt, die mich begeistert, kein Tag ist wie der andere“, sagt Reiter. Nach mehreren Jahren im Außendienst absolvierte sie die Ausbildung zur dienstführenden, dann zur leitenden Polizeibeamtin. 2021 wurde sie stellvertretende Leiterin für die Öffentlichkeitsarbeit und den internen Dienstbetrieb in der LPD Oberösterreich. Zwischenzeitlich war sie Referentin in den Kabinetten der Innenminister Karl Nehammer und Gerhard Karner. Ab Juni 2024 arbeitete sie wieder in der LPD Oberösterreich, seit Juni 2025 ist sie dort Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit.
Petra Schmied leitet das Bezirkspolizeikommando Rohrbach
© Michael Dietrich
Petra Schmied startete nach der HAK-Matura direkt mit der Polizeischule, die sie 2007 abschloss. Bis 2013 war sie in der PI Braunau tätig, dann absolvierte sie die Ausbildung zur dienstführenden Beamtin in Traiskirchen. Wegen ihres Arbeitsschwerpunkts im Bereich Rechtsextremismus wechselte sie von 2014 bis 2018 ins Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Danach war sie stellvertretende Kommandantin in der PI Schärding, ehe sie 2021 mit der Offiziersausbildung begann. Über die dabei vorgesehene Job-Rotation führte sie ihr Weg nach Rohrbach, wo sie seit Mai 2025 als erste Frau das Bezirkspolizeikommando mit 680 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leitet. „Es war eine spontane Entscheidung, zur Polizei zu gehen und bis heute gab es keinen Tag, an dem ich meine Entscheidung bereut habe“, sagt Schmied.
Lisa Gfrerer schlug einen anderen Weg ein. Sie kam aus dem Lungau nach Wien, um zu studieren. Bald darauf bewarb sie sich bei der Polizei und fing 2012 mit der Polizeigrundausbildung an. Durch ihren Vater, einen ehemaligen Gendarmen und später Polizisten, hat sie schon als Kind Geschichten aus dem Polizeialltag gehört und war begeistert. „Ich wollte so wie er einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten und einen abwechslungsreichen Berufsalltag mit unbegrenzten Möglichkeiten haben“, sagt Gfrerer. Nach ihrer Ausmusterung 2014 verrichtete sie ihren Dienst im 2. Wiener Bezirk, schloss 2018 den Dienstführenden-Kurs ab und wechselte in das Stadtpolizeikommando Josefstadt in Wien. 2019 begann sie mit dem Offizierskurs und nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung wurde sie 2022 zur LPD Salzburg versetzt. Seit April 2025 leitet sie in der Stadt Salzburg das Kriminalreferat.
Zwischen Schreibtisch und Einsatz.
Jasmin Reiter leitet die Öffentlichkeitsarbeit in der Landespolizeidirektion Oberösterreich
© Michael Dietrich
Alle drei Frauen eint, dass sie die Abwechslung in ihrem Berufsalltag schätzen. „Man weiß nie, was auf einen zukommt“, sagt Jasmin Reiter. Petra Schmied sagt: „Jeden Tag gibt es neue Situationen, die man lösen muss. Das fordert und motiviert, vor allem, wenn man weiß, dass die Kolleginnen und Kollegen im Team unterstützen.“
Lisa Gfrerer betont: „Bei uns in der Kriminalpolizei reicht das Spektrum von Diebstahl bis Raub. Wir können Schwerpunkte setzen und gestalten. Das macht den Beruf spannend.“ Führungsarbeit bei der Polizei bedeutet vor allem Koordination, Entscheidungen und viel Verantwortung. Der Arbeitsalltag der drei Frauen hat sich mit der wachsenden Führungsverantwortung stark verändert – viele Arbeitsstunden werden vom Schreibtisch aus gemeistert – doch der Bezug zur Praxis bleibt.
Bei Jasmin Reiter beginnt der Tag oft schon von zu Hause aus: „Beim ersten Kaffee werfe ich einen Blick aufs Handy und checke meine Mails, um einen groben Überblick zu bekommen.“ Im Büro folgt dann ein ausführliches Update über aktuelle Themen und Ereignisse. Neben klassischen Presseanfragen betreut sie Veranstaltungen der LPD Oberösterreich, ist für die Büroleitung des Direktors verantwortlich und kümmert sich zudem um die Agenden der Polizeimusik.
Für Petra Schmied ist der Arbeitsalltag im Wechseldienst von 7 bis 19 Uhr strukturiert, erreichbar sei sie aber rund um die Uhr: „Personalangelegenheiten, Abstimmungen mit Bezirkshauptmannschaft, Feuerwehr oder Rettung – jeden Tag kommen neue Themen dazu. In einem kleineren Bezirkspolizeikommando übernimmt man viele Aufgaben, man muss den Überblick behalten.“
Auch Lisa Gfrerer muss balancieren: „Viele Besprechungen, Planungen, Lageanalysen und das Setzen von daraus resultierenden Schwerpunktmaßnahmen. Aber ich bin auch regelmäßig im Außendienst zur Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen dabei, etwa bei Hausdurchsuchungen. Ohne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre vieles nicht möglich. Meine Kolleginnen und Kollegen tragen maßgeblich zum Erfolg bei.“ Ihr Stab von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern setzt sich aus 82 Personen zusammen, davon ist ca. ein Drittel weiblich. Unterstützt wird sie durch vier Fachbereichsleiter und ein dreiköpfiges Führungsteam.
Drei Vorbilder.
Alle drei können sich durch ihre Werdegänge und Leistungen als Vorbilder sehen. Petra Schmied: „Am Ende zählt die Leistung, egal ob Mann oder Frau. Ich denke, wir leisten mit unserer Arbeit einen Beitrag, Frauen in Führungspositionen vorzuzeigen.“ Sie sagt, wie wichtig die Führungsarbeit vieler Kolleginnen auf den Dienststellen ist.
Lisa Gfrerer hebt den Anspruch an Fairness und Gleichbehandlung in ihrem Team hervor. „Mir ist wichtig, alle gleich zu behandeln, schließlich gibt es in der Tätigkeit auch keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen.“ Gleichzeitig freut sie sich, dass derzeit mehrere Frauen im Offizierskurs sind. „Da bewegt sich einiges.“
Frauenanteile in den Landespolizeidirektionen.
Derzeit beträgt der Frauenanteil der LPD Salzburg 32 Prozent. Die Zahl setzt sich aus Frauen in der Verwaltung sowie der Exekutive zusammen. Mit einem tatsächlichen Polizistinnenanteil von 29,9 Prozent liegt die LPD Salzburg österreichweit im oberen Mittelfeld. Den höchsten Frauenanteil verzeichnet die LPD Vorarlberg mit 36 Prozent, den niedrigsten das Burgenland mit 24 Prozent. Unter den 114 Führungskräften der LPD Salzburg sind 10 Frauen. In der LPD Oberösterreich liegt der Polizistinnenanteil bei 32 Prozent. Von 195 Führungskräften sind 12 weiblich.
Auch beim derzeitigen Arbeitszeitmodell sind sich die drei einig: Es gibt Verbesserungsbedarf. „Besonders in der Position als Führungskraft steht man oft vor der Entscheidung: Familie oder Karriere. Das sollte es in der heutigen Zeit nicht mehr geben und ändert sich hoffentlich mit der angekündigten Dienstzeitreform. Wir Frauen sind nun schon lange bei der Polizei, das Thema ist also nicht neu“, sagt Jasmin Reiter. Anfang August hat sie einen Workshop zum Thema Dienstzeitmanagement in Oberösterreich geleitet. Zentraler Diskussionspunkt war das Thema der Teilzeit, die von Frauen und Männern zunehmend in Anspruch genommen wird. Petra Schmied merkt an, dass Teilzeitkräfte bei der Polizei jeweils eine eigene Planstelle besetzen – anders als etwa in der Pflege, wo sich zwei Teilzeitkräfte eine 40-Stunden-Stelle teilen können. „Das sorgt für Frust bei Kolleginnen und Kollegen, obwohl jeder versteht, warum jemand Teilzeit arbeitet. Das ist eine ernstzunehmende Sache für den Dienstgeber, hier sollte sich rasch etwas ändern.“
Eine Herausforderung, der sich Lisa Gfrerer momentan stellen muss, ist die langfristige Bindung junger Kolleginnen und Kollegen an ihre Dienststelle. „Junge Kolleginnen und Kollegen wollen sich weiterentwickeln und vieles ausprobieren. Das ist auch gut so. Langfristig als Führungskraft zu planen ist da aber schwierig. Deshalb versuche ich, ein besonders gutes Arbeitsumfeld für meine Kolleginnen und Kollegen zu gestalten und ihnen mit viel Wertschätzung entgegenzukommen. Das ist zeitintensiv, aber erfüllend.“ Die Polizei bzw. das BMI als Arbeitgeber sehe sie sehr bemüht in diesen Anliegen. „Das Frauenkarrierereferat, Mentoringprogramme, da passiert schon viel. Aber es muss konsequent weiterentwickelt werden, um gleiche Chancen langfristig sicherzustellen.“
Botschaft an die nächste Generation.
Was raten die drei Frauen jungen Kolleginnen, die über eine Karriere bei der Polizei nachdenken? Die Antwort ist bei allen gleich: Mut.
„Seid mutig, probiert es aus. Es ist ein toller, abwechslungsreicher Beruf mit Sinn“, sagt Jasmin Reiter. „Die Polizei bietet unzählige Möglichkeiten – für Frauen genauso wie für Männer.“ Petra Schmied ergänzt: „Es ist für jede etwas dabei, man kann vieles ausprobieren und den eigenen Stärken und Interessen nachgehen.“ Lisa Gfrerer ermutigt Frauen, sich intern Führungsstärke zuzutrauen: „Nutzt Netzwerke und Fortbildungen, traut euch. Die Polizei ist ein Arbeitgeber mit vielen Chancen, man muss sie nur ergreifen.“
Sophie Stummer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2025
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