Unmanned Aircraft Systems
Fliegende Augen
Das Innenministerium hat 265 Drohnen, bundesweit sind mehr als 600 Polizistinnen und Polizisten als UAS-Operatoren ausgebildet
© Gerd Pachauer
Seit einigen Jahren gehören Drohnen auch in Österreich zum festen Bestandteil des sicherheitspolizeilichen Alltags. Heute sind Unmanned Aircraft Systems (UAS) ein Einsatzmittel, das in vielen Bereichen der Sicherheitsverwaltung unverzichtbar geworden ist.
Was vor einigen Jahren als Probebetrieb begann, zeigt heute mit klarer Organisation, moderner Technik und durchdachter Ausbildung, dass Drohnentechnik längst in der polizeilichen Realität angekommen ist“, erklärt Chefinspektor Wolfgang Schwarz, BA, der geschäftsführend mit der Leitung des Referats für „Unbemannten Flugbetrieb“ in der Direktion für Spezialeinheiten (DSE) betraut ist.
Bei nicht verdeckten Drohneneinsätzen, wie der Überwachung von Veranstaltungen oder Demos, sind Drohnen mit der Aufschrift Polizei einzusetzen
© Flugpolizei
Die ersten Schritte im Drohneneinsatz setzte die Flugpolizei 2018, als in Wien und in anderen Landespolizeidirektionen Probebetriebe gestartet wurden. Heute sind Polizeidrohnen in allen Bundesländern im Einsatz. Nach einer Evaluation im Jahr 2020 folgte 2021 die großflächige Beschaffung moderner Drohnensysteme. Mit 1. Juli 2022 wurde schließlich die Abteilung II/DSE/4-Flugpolizei offiziell mit allen Agenden rund um den Drohneneinsatz betraut. 2025 erfolgte die Gründung des Referats II/DSE/4.3 „Unbemannter Flugbetrieb“, das für die zentrale Steuerung, Koordination und strategische Führung des BMI-Drohnenwesens verantwortlich ist. 2024 verzeichnete das Referat mehr als 10.000 Flugstunden bei 7.538 Einsatzflügen. Derzeit stehen dem Innenressort rund 265 Drohnen – Unmanned Aircraft Systems (UAS) – zur Verfügung, bundesweit sind mehr als 600 Polizistinnen und Polizisten als UAS-Operatoren ausgebildet. In Wien sind es derzeit 26 Drohnenpiloten, die im Schnitt täglich für einen Einsatz abheben – 350 Einsätze im Jahr.
Mit drei verschiedenen Modellen – Drohnen mit 4K-Videoqualität, Drohnen mit Zoomkameras und sowie Drohnen mit Wärmebild- und Infrarotkameras – lassen sich Unfallstellen aus der Luft vermessen, Demonstrationen überwachen, Konzerte begleiten oder Vermisstensuchen unterstützen. Besonders praktisch: Die Geräte sind wetterbeständig und können bei Regen oder Schneefall fliegen. Für die optimale Nutzung steht seit November 2024 ein Drohnenbus zur Verfügung, der mit Ladestationen für Akkus, Bildübertragungstechnik und großen Monitoren ausgestattet ist, sodass Einsatzleitungen Drohnenbilder live verfolgen können.
Die Ausbildung zum UAS-Operator ist modular aufgebaut. Zunächst absolvieren die Pilotinnen und Piloten eine praktische und theoretische Grundausbildung mit Schwerpunkt Luftfahrtrecht und Technik. Den Abschluss bildet eine theoretische Prüfung bei der Austro-Control und eine praktische Prüfung bei der Flugpolizei. Nach rund 100 Flugstunden folgt das zweite Modul – die Nachtflugausbildung. Ab 2026 wird zusätzlich eine Typenschulung für das neue Modell DJI M400 eingeführt.
In Wien ist fast täglich eine Polizeidrohne im Einsatz. Neben Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Demonstrationen sind die Geräte bei Bränden, Verkehrsunfällen oder für die Öffentlichkeitsarbeit hilfreich. Infrarotkameras ermöglichen es, Polizistinnen und Polizisten am Boden durch spezielle Markierungen sichtbar zu machen – ein großer Vorteil bei nächtlichen Lagen.
Rechtliche Basis.
Drohneneinsatz: Übersichtsaufnahme des Nova-Rock-Festivals im Burgenland
© LPD Burgenland
Ein Drohnen-Einsatz erfolgt nach den gesetzlichen Bestimmungen des Sicherheitspolizeigesetzes oder der Strafprozessordnung (§ 2 SPG, § 18 StPO). Alle Polizei-Drohnen benötigen eine Betriebsbewilligung, die von der Austro-Control auf Antrag mittels Bescheids erteilt wird. Jeder Polizeiflug wird intern genehmigt und vorab der Austro-Control im Unmanned Traffic-Management (UTM) gemeldet. Dieses Drohnenmeldesystem wurde unter der Federführung der Austro-Control von der Firma Frequentis unter Mitwirkung der Flugpolizei entwickelt.
Drohnenabwehr.
Neben der polizeilichen Nutzung unbemannter Flugsysteme hat insbesondere seit Beginn des Ukraine-Konflikts und den Drohnensichtungen auf europäischen Flughäfen auch in der Öffentlichkeit die Diskussion über Drohnenbedrohungen und entsprechende Abwehrmaßnahmen deutlich an Bedeutung gewonnen. Betreiber kritischer Infrastrukturen – etwa im Energie- und Verkehrssektor – berichten zunehmend von Drohnenflügen in unmittelbarer Nähe ihrer Anlagen.
Das Einsatzkommando Cobra befasst sich bereits seit dem Jahr 2015 intensiv mit dieser komplexen und technologisch anspruchsvollen Thematik und verfügt als einzige Einheit innerhalb des Innenministeriums über eigene Systeme zur Detektion und Abwehr von Drohnen. Diese Systeme werden anlassbezogen eingesetzt, beispielsweise bei Großveranstaltungen wie der Air-Power, der Formel 1 oder bei Staatsbesuchen.
Bis Ende 2026 ist die Beschaffung von zwei weiteren teilmobilen Detektions- und Abwehrsystemen vorgesehen, um die Einsatzfähigkeit in diesem Bereich weiter auszubauen.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2025
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